Süddeutsche Zeitung

Die Süddeutsche Zeitung erschien ab dem 6. Oktober 1945 als erste von der amerikanischen Militärregierung lizenzierte Zeitung der US-Besatzungszone. Lizenzträger war zunächst ein Herausgeber-Trio, bestehend aus August Schwingenstein, Edmund Goldschagg und Franz Josef Schöningh. 1946 wurde Werner Friedmann vierter Lizenzträger und Teilhaber des Blattes.

Schwingenstein arbeitete bis zur Machtergreifung als Journalist für verschiedene Zeitungen. Auch Goldschagg war Journalist und Redakteur beim sozialdemokratischen Pressedienst. Er wurde der erste SZ-Chefredakteur. Schöningh war ab 1935 Redakteur der katholischen Zeitschrift Hochland, der er ab 1939 bis zu ihrer Einstellung im Jahr 1941 als Hauptschriftleiter vorstand. Sie galt, allerdings nicht ganz unumstritten, als eine  „Zeitschrift des geistigen Widerstands“. Von 1942 bis 1944 diente er als stv. Kreishauptmann in verschiedenen Zivilverwaltungen Polens und danach als Beauftragter für Flüchtlingsfragen in Ungarn. Kardinal Faulhaber verwendete sich für den von der US-Nachrichtenstelle zurückhaltend beurteilten  Schöningh und bescheinigte ihm Integrität. Franz Josef Schöningh gilt als Erfinder der berühmten Streiflicht-Kolumnen auf den Titelseiten der SZ.

Auf der Titelseite der Erstausgabe hieß es am 6. Oktober 1945:

„Zum Geleit – Zum ersten Male seit dem Zusammenbruch der braunen Schreckensherrschaft erscheint in München eine von Deutschen geleitete Zeitung. Sie ist von den politischen Notwendigkeiten der Gegenwart begrenzt, aber durch keine Zensur gefesselt, durch keinen Gewissenszwang geknebelt. Die Süddeutsche Zeitung ist nicht das Organ einer Regierung oder einer bestimmten Partei, sondern ein Sprachrohr für alle Deutschen, die einig sind in der Liebe zur Freiheit, im Haß gegen den totalen Staat. Im Abscheu gegen alles, was nationalsozialistisch ist.“

„Die Leiter der Zeitung, verschiedenen Parteien entstammend, glauben, daß nach zwölf Jahren schmachvoller Gewissensknechtung und aufbefohlener Lüge der gemeinsame Wille zu politischer Mündigkeit und Sauberkeit, zu Verantwortungsbewußtsein und Wahrhaftigkeit eine genügend starke Grundlage für eine fruchtbare Zusammenarbeit bildet. […]

Wir beginnen auf schmaler Plattform mit geringen Mitteln und spiegeln damit die allgemeine Lage. Wir glauben, daß wir in nicht allzu ferner Zeit auch den allmählichen Aufstieg spiegeln werden.“

– Schriftleitung und Verlag

(hhb)