Einordnung der Ereignisse
Vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 wurde Westberlin durch die Sowjetunion total abgeriegelt und musste durch eine Luftbrücke versorgt werden.
Die Sperrung der Zufahrtswege zwischen den westlichen Besatzungszonen und Westberlin war der Versuch der UDSSR, die Gründung einer Bundesrepublik in Westdeutschland und die Einführung der DM Deutsche Mark in Westberlin zu verhindern. Ihr Plan war offenbar, ganz Deutschland in ihren Machtbereich einzuverleiben.
So verhängten die Sowjets - unmittelbar nach der Währungsreform in der Trizone Westdeutschlands und der Einführung der DM auch in den drei Westsektoren Berlins - eine Zugangsblockade zur Westberliner Enklave inmitten der Ostzone. Die Sowjets verlangten, dass in ganz Berlin ausschließlich das "Neugeld" der SBZ Sowjetischen Besatzungszone verwendet werden sollte.
Als Grund für die Absperrung wurden - ganz ähnlich wie 2022 die Begründung für die Gas-Pipeline-Unterbrechungen während des Ukrainekriegs – technische Probleme angeführt. Dazu die Nachrichtenagentur ADN: „Die Transportabteilung der sowjetischen Militärverwaltung sah sich gezwungen, aufgrund technischer Schwierigkeiten den Verkehr aller Güter- und Personenzüge von und nach Berlin morgen früh, sechs Uhr, einzustellen.“ Zudem müssten auf der Autobahn von Helmstedt nach Berlin ein Dutzend Brücken repariert werden. Und diese "technischen Schwierigkeiten" würden andauern, bis die Westalliierten ihre Pläne für eine gemeinsame deutsche Regierung in ihren drei Sektoren aufgeben würden.
Natürlich verteidigten die drei Westmächte ihre Rechte in Berlin, die im sog. "Londoner Protokoll" festgeschrieben waren, und begegneten der Blockade mit einer Luftbrücke.
Am 9. September 1948 protestierten dann 300.000 Berliner auf dem Platz der Republik gegen die beginnende Spaltung ihrer Stadt durch die Blockade der Westsektoren und die Vertreibung der 1946 frei gewählten Stadtverordneten aus dem Ostberliner Rathaus. Ernst Reuter von der SPD hielt seine in aller Welt bekannt gewordene Rede: „Ihr Völker der Welt schaut auf diese Stadt!“
Der im Oktober 1946 frei gewählte Berliner Magistrat wurde für abgesetzt erklärt und durch einen provisorischen Magistrat ersetzt, der durch die Sowjets als einzig rechtmäßiger Magistrat anerkannt wurde.
Damit war die Spaltung Berlins erfolgt, denn sofort wurden für die drei Westsektoren Neuwahlen für den 5. Dezember angekündigt. Zwei Tage danach wurde Ernst Reuter zum Oberbürgermeister Westberlins gewählt, im Rathaus Schöneberg, wo die Stadtverordnetenversammlung und der Magistrat der Westsektoren ab nun ihren Sitz hatten. Die Berliner Blockade wurde schließlich am 12. Mai 1949 von der Sowjetunion beendet, ohne dass sie eines ihrer Ziele erreicht hätte.
Die Versorgung der Westberliner Bevölkerung erfolgte durch eine Luftbrücke. Durch drei Luftkorridore wurden aus Sicherheitsgründen noch bis Ende September 1949 in mehr als 270.000 Flügen insgesamt 2,1 Millionen Tonnen lebenswichtiger Güter nach Westberlin transportiert. Was bedeutete, dass alle zwei bis drei Minuten eine Maschine auf einem der drei Flugplätze landete, in Tegel, Tempelhof und Gatow.
Von der Berliner Bevölkerung, besonders von den Kindern wurden die alliierten Flugzeuge "Rosinenbomber" genannt, weil sie für die Kinder regelmäßig kleine Päckchen mit Rosinen und anderen Süßigkeiten abwarfen.
(hhb)