1973 Erste Ölpreiskrise

1973 stiegen die Erdölpreise gravierend an und lösten in den Industriestaaten zum Teil schwere Rezessionen aus. Diese Krise war durch den Jom-Kippur-Krieg ausgelöst worden, in welchem Ägypten und Syrien Israel angegriffen hatten, um die von Israel 1967 besetzten Gebiete zurückzugewinnen. Israel wurde damals vom Westen und besonders von den USA unterstützt.

Im November 1960 hatten fünf Staaten – Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela - die Organisation erdölexportierender Länder OPEC gegründet mit dem Ziel, so bessere Verhandlungsergebnisse mit den Importländern zu erzielen. Denn die waren auf das Öl vor allem aus dem Nahen Osten angewiesen, dessen Förderung in den Händen von Öl-Magnaten lag, die als die "Seven Sisters" bezeichnet wurden: BP British Petroleum, Exxon, Gulf Oil, Mobil Oil, Royal Dutch Shell, Standard Oil of California und Texaco – sie alle verdienten am Ölgeschäft vor allen anderen gut.

Als Reaktion auf die Unterstützung Israels verhängte die OPEC ein Ölembargo gegen die USA und Holland und drosselte für alle anderen die Ölförderung, was auf dem Weltmarkt zu drastischen Erhöhungen der Rohölpreise um rund 70 Prozent führte und in Folge zu einem wirtschaftlichen Absturz in vielen Staaten. Deutschland musste 1974 knapp 23 Milliarden DM für Ölimporte ausgeben, über 150 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Kanzler Willy Brandt hatte im Energiesicherungsgesetz vom 9.11.1973 ein Sonntagsfahrverbot angeordnet - an vier Sonntagen vom 25. November bis zum 16. Dezember 1973 - und die Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen und Landstraßen herabgesetzt. Die Regierung verbreitete Stromspar-Tipps und begann, ein Energie-Autarkie-Programm aus Atomreaktoren, mit der Erdöl- und Erdgassuche in der Nordsee sowie mit Plänen für Wind- und Solarenergie auf den Weg zu bringen.

Von dieser Situation profitierte allerdings besonders die Sowjetunion, die sich damals als verlässlicher Öl- und Gaslieferant anbot und damit neue Abhängigkeiten schuf. Denn vor allem die massenhaft geplanten Atomreaktoren stießen auf Widerstand in der deutschen Bevölkerung – und eine Energiewende würde zudem viel Zeit brauchen.

(hhb)

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Leere Bundesautobahn 555 (A 555) aufgrund des Sonntags-Fahrverbots wegen der Ölkrise; 2.12.1973

Copyright: Bundeasarchiv B 145 Bild-00010988; Foto Detlef Gräfingholt

Kurfürstendamm bei Sonntagsfahrverbot aufgrund der Ölkrise, 25.11.1973

Copyright: Bundesarchiv B 145 Bild-00002310; Foto Gert Schütz

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Autofreie Sonntage: Wenn der Scheich es will, stehen alle Räder still / SPIEGEL Geschichte am 24.11.2007

Ölkrise 1973 - Autobahnen ohne Autos / in Der Standard vom 16.10.2013

Die Ölkrise der 1970er - Rückblick auf eine folgenreiche Zeit / Bayern 2 Radiowissen vom 11.4.2014

Rainer Volk: Die Ölkrise 1973 – Als Energie knapp und politisch wurde / SWR am 24.11.2023

Hans Hielscher: Als die Scheichs den Ölhahn zudrehten / SPIEGELgeschichte am 25.11.2018

Volker Elkhofer: Rückblick auf eine folgenreiche Zeit / Bayerischer Rundfunk am 11.4.2024

Die großen Crashs - Ölkrise 1973 / zdf info 3.6.2024