Die Barschel Affäre

In der Ausgabe 37/1987 veröffentlichte der SPIEGEL erste Recherche-Ergebnisse über einen sich abzeichnenden "Waterkantgate-Skandal" in Kiel.

Und noch mehrere Beschreibungen über die politische Ausgangslage vor der Landtagswahl am kommenden 13. September 1987:

Es gibt viele Zünglein an der Waage

Jürgen Leinemann: Es kann knapp werden

Hans-Joachim Noack: Politik mit Pommes und Majo

Am Tag nach der Wahl in Schleswig-Holstein, am 14. September 1987, legte der SPIEGEL nach und veröffentlichte nun einen Bericht über "Barschels schmutzige Tricks" im Wahlkampf in Schleswig-Holstein – mit neuen Fakten.

Die Titelstory darin lautete "Waterkantgate": „Beschaffen Sie mir eine Wanze“.

Außerdem erschien in diesem Heft noch ein Bericht über die merkwürdige Zusammenarbeit zwischen Barschel und dem Chef des Kosmetik-Konzerns Schwarzkopf, die sich gegen einen Journalisten von Monitor in der ARD richten sollte.

Die 11. Landtagswahl hatte in Schleswig-Holstein am 13. September 1987 stattgefunden. Das Ergebnis war knapp ausgefallen – nach der Auszählung entfielen auf die SPD 36 Sitze, auf die CDU 33, die FDP hatte die 5-Prozent-Hürde genommen und erhielt 4 Sitze, der SSW einen Sitz. Damit war es zu einem Patt gekommen, zwischen SPD/SSW und CDU/FDP mit jeweils 37 Sitzen im Landtag.

Zuvor hatte es einen sehr emotionalen Wahlkampf gegeben, schon weil die CDU unter Ministerpräsident Uwe Barschel befürchtete, dass sie laut Umfragen die Macht nach 37 Jahren eventuell abgeben müsse. Mit schmutzigen Tricks hatte man darum versucht, dem Gegenkandidaten der SPD Björn Engholm zu schaden – ein Komplott, dem der SPIEGEL kurz vor der Wahl am 7. September auf die Spur gekommen war und sofort nach der Landtagswahl darüber berichtete.

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Eine Regierungsbildung wurde dann durch den Rücktritt Barschels am 2. Oktober nach weiteren Medienberichten erschwert, vor allem durch SPIEGEL-Recherchen über all die Machenschaften im Verlauf des Wahlkampfes in den dann folgenden Heften.

Barschel kam schließlich in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 1987 aus noch immer ungeklärten Umständen im Genfer Luxushotel Beau-Rivage ums Leben. Was immer wieder zum Anlass für Verschwörungstheorien wurde.

STERN-Ausgaben 43 + 44/1987

Robert Leicht: Mist und Saat / DIE ZEIT am 12.2.1988

SPIEGEL 39/1987 vom 20.9.1987

Waterkantgate: „Einer hat beim Beten gelogen

Hans-Joachim Noack: Mit schonungsloser Unnachgiebigkeit

Politik ist eben kein feines Geschäft / SPIEGEL im Gespräch mit Barschel-Berater Reiner Pfeiffer

SPIEGEL 40/1987 vom 27.9.1987

Für einige Jahre ein blaues Auge

Waterkantgate: Das Kartenhaus fällt

Der Weg wird dornenreich sein – Engholm über Barschels Rücktritt

SPIEGEL 41/1987 vom 4.10.1987

FDP: Rückmarschtendenzen zur SPD?

Geheimnisse des deutschen Watergate / Presse und Fernsehen über die SPIEGEL-Berichte zur Barschel-Affäre

SPIEGEL 42/1987 vom 11.10.1987

Waterkantgate: Pfeiffer als Punktsieger

Der geschmeidige Nothelfer / SPIEGEL im Gespräch mit dem CDU-Spitzenkandidaten Klaus Kribben

Etwas schwach, Frau Kollegin / Klaus Bölling am 4. Oktober in einem Kommentar für NDR 3

SPIEGEL 43/1987 vom 18.10.1987

Waterkantgate: Sterben nach Methode 1

Rudolf Augstein: Der Fall Barschel und die Rolle des SPIEGEL

Ohren auf, aber Finger weg – das lange Schweigen der SPD über ihre Pfeiffer-Connection

Auftrieb mit zunehmendem Leichenalter – SPIEGEL-Interview mit dem Berliner Gerichtsmediziner Professor Volkmar Schneider

Ich habe daran zu knapsen – wie der Journalist Sebastian Knauer den toten Uwe Barschel in der Badewanne fand

SPIEGEL 44/1987 vom 25.10.1987

Waterkantgate: Deutschland heißt ‚Tjello‘

Als hätte man mir die Zähne ausgeschlagen – SPIEGEL über das Affären-Opfer Björn Engholm

Ich bin im Sessel gestorben – die Desinformationskampagne der Springer-Presse in der Barschel-Affäre

SPIEGEL 45/1987 vom 1.11.1987

Nun ist Stoltenberg abgeschminkt

Waterkantgate: Michel 6 von Kilian 96/62

Wahnsinnige Wut – das passierte einfach / über eine Fernsehdebatte zur Barschel-Affäre

SPIEGEL 46/1987 vom 8.11.1987

Waterkantgate: Licht brennt im Parterre

Offenbarung eines Komplotts – die Barschel-Desinformation in WELT und BILD geht weiter

SPIEGEL 47/1987 vom 15.11.1987

Waterkantgate: Kieler ‚Klempnerkammer‘

Von der eigenen Kontrolle überführt – wie Post-Computer Barschels Aussagen widerlegten

SPIEGEL 48/1987 vom 22.11.1987

Waterkantgate: Alibis wie am Fließband

SPIEGEL 49/1987 vom 29.11.1987

Fehlverhalten öffentlich machen / der Deutsche Presserat zur Berichterstattung über die Barschel-Affäre

Rudolf Augstein: Journalisten und andere Deutsche

SPIEGEL 50/1987 vom 6.12.1987

Waterkantgate: Die Woche der Wahrheit – Barschels Entlastungszeugen rücken von ihren Falschaussagen ab

SPIEGEL 51/1987 vom 13.12.1987

Waterkantgate: Moralisches Vakuum

Tavor entzieht der Angst den Boden / Wirkungen und Nebenwirkungen von Uwe Barschels Psycho-Droge

SPIEGEL 52/1987 vom 20.12.1987

Haus-Schelte bei Springer

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1993 hatte sich der Wind plötzlich gedreht – scheinbare Sicherheiten waren plötzlich ins Wanken geraten, nachdem Medien herausgefunden hatten, dass Pfeiffer von Anfang an auch mit der SPD in Verbindung gestanden hatte und offensichtlich dafür vom SPD-Sozialminister Günther Jansen später insgesamt wohl 40-50.000 DM erhielt. Jansen wollte dies Geld in seiner Schublade gesammelt haben – worauf man darum von einer "Schubladenaffäre" sprach. Für wen hatte Pfeiffer nun wirklich als "Agent provocateur" gearbeitet? Oder war er von Anfang an so etwas wie ein Doppelagent?

Denn Engholm hatte nun im Mai 1993 zugeben müssen, dass er nicht erst am Wahlabend des 13. Septembers 1987, sondern schon sechs Tage zuvor erfahren habe, von wem die Schmutzkampagne gegen ihn ausging. 

Im Kieler Landtag kam ein "Schubladen-Untersuchungsausschuss" aufgrund von Zeugenaussagen zu der Überzeugung, dass die SPD schon sehr früh Verbindung zum Drahtzieher Pfeiffer gehabt haben dürfte. Man ging davon aus, dass Engholm eingeweiht gewesen sein musste. Darum trat er am 3. Mai 1993 von allen politischen Ämtern zurück, nachdem er wieder in den Fokus der Barschel-Affäre geraten war.

 

Gisela Dachs: Das große Schweigen der Genossen / in ZEIT 18/1993 v. 30.4.1993

Barschel-Affäre – Intensiver Akt / in SPIEGEL 43/1995 vom 22.10.1995

 

Außerdem blieb der Tod von Barschel weiterhin ungeklärt – war es nun ein Suizid oder Mord? Während die Schweizer Ermittler Selbstmord erkannt zu haben glaubten, ging der frühere Lübecker Chefermittler und Oberstaatsanwalt Heinrich Wille noch immer von Mord aus.

 

Affäre Barschel – 20 Jahre ‚Waterkantgate‘ / im stern vom 7.9.2007

Report München: Es war Mord / BR Bayerischer Rundfunk am 7.9.2007

Barschel-Affäre – Treffen mit dem Tod / in SPIEGELGeschichte am 9.10.2009

Reiner Pfeiffer ist tot – der ‚Mann fürs Grobe‘ in der Barschel-Affäre /  stern vom 24.8.2015

Barschels ehemaliger Medienreferent Pfeiffer starb keines natürlichen Todes / stern vom 3.2.2016

Malte Herwig: Die Affäre Barschel: Der mysteriöseste Tod der Bundesrepublik / im stern vom 7.2.2016

Gericht: Früherer Agent darf nicht mit Tod Barschels in Verbindung gebracht werden / im stern vom 21.3.2025

(hhb)

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CDU Bundesparteitag Mainz 7.-8. Oktober 1986: Stehend links: Uwe Barschel, daneben der schleswig-holsteinische Staatssekretär Gerd Behnke, sitzend von rechts nach links: Hanna-Renate Laurien, Gerhard Stoltenberg, Lothar Späth

Copyright: Bundesarchiv B 145 Bild-F073604-0019; Foto Lothar Schaack