„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“

„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“

Diesen ihm zugeschriebenen Satz, der zu einem Schlüsselbegriff der deutschen Einheit wurde, hat Michail Gorbatschow so nie gesagt. Als er Erich Honecker am 40. Geburtstag der DDR in einem Gespräch unter vier Augen davor warnte, sich der Erneuerung der DDR zu widersetzen, will er laut seiner Memoiren gesagt haben: „Das Leben verlangt mutige Entscheidungen. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“

Helmut Ettinger, der Dolmetscher der DDR, will besagten Satz im Gespräch zwischen Gorbatschow und Honecker damals so übersetzt haben: „Ich halte es für sehr wichtig, den Zeitpunkt nicht zu verpassen und keine Chance zu vertun... Wenn wir zurückbleiben, bestraft uns das Leben sofort.“ 

Es war wohl Gorbatschows außenpolitischer Pressesprecher Gerassimow, der am 7. Oktober 1989 dann auf einer Pressekonferenz anlässlich des Staatsbesuchs, den Wortwechsel zwischen den beiden zu dieser Mahnung Gorbatschows zusammenfasste: „Those who are late will be punished by life itself.“

(hhb)

 

Quellen

Gorbatschow in der DDR – Kein „Wer zu spät kommt…“ / SWR am 6.10.1989

Ulla Plog: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben / FAZ am 6.10.2004

Michail Gorbatschow: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben / DIE ZEIT am 11.3.2010

Christoph Bock: Gorbatschow hat den berühmten Satz nie gesagt / DIE WELT am 6.10.2014