Kurt Szafranski - der sich später in den USA Safranski nannte - war ein deutsch-amerikanischer Illustrator, Bildredakteur, Artdirektor und Medienmanager. Bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten arbeitete er als Direktor für den Ullstein-Zeitschriftensektor, gestaltete und modernisierte dort mehrere Magazine, allen voran die Berliner Illustrirte Zeitung. In dieser Pionierzeit des Bildjournalismus entwickelte er ganz neue Erscheinungsbilder für die Ullstein-Magazine. 1934 emigrierte er nach Amerika und gründete dort die international bekannte Bildagentur Black Star.
Kurt Szafranski wurde am 17. Oktober 1890 als Sohn einer Fabrikantenfamilie in Berlin geboren. Nach seinem Abitur studierte er an der Berliner Kunsthochschule. Ab 1911 arbeitete er für den Verlag Reklamekunst und veröffentlichte seine Werke in der Zeitschrift Plakat unter verschiedenen Pseudonymen wie Peter Pfeffer oder Theobald Tomate. 1912 illustrierte er für seinen gleichaltrigen Freund Kurt Tucholsky dessen Erstlingsroman „Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte“, was ihn schnell bekannt machte.
Über ihre Zusammenarbeit veröffentlichte „Tucho“ später in der Weltbühne einen sehr ulkigen ►Text.
Copyright: gemeinfrei (Mario von Bucovich, 1884–1947: - 50 Jahre Ullstein 1877–1927. Ullstein, Berlin 1927, S. 291.)
1913 holte Hermann Ullstein den erst 23jährigen Szafranski als künstlerischen Beirat in seinen Verlag. Szafranskis Entdeckung bezeichnete Ullstein als einen seiner größten Triumphe, wegen dessen Geschmackssicherheit und seiner zahllosen guten Ideen. Dort arbeitete er zunächst im von Kurt Korff geleiteten Redaktionsteam der Berliner Illustrirte Zeitung als Illustrator. Die enge Zusammenarbeit mit Korff führte in eine Wandlung vom illustrierten Text zur Bilderreportage. Eine Veränderung, die das stürmische Wachstum der B.I.Z. auslöste und ein Grund dafür, dass Szafranski 1924 zum Direktor der Ullstein-Magazine ernannt wurde. Zu diesem Bereich gehörten neben der Berliner Illustrierte Zeitung noch Das Blatt der Hausfrau, Uhu, Die Dame, Der Querschnitt, Zeitbilder und Koralle.
In diesen Jahren setzte er als Art-Direktor, angetrieben durch die Entwicklungen in der Pressefotografie und vom aufkommenden Kino, auch im Printbereich neue Gestaltungsmaßstäbe durch – gleichwertig zum Text gab es nun interessante Einzelfotos und viele Bildreportagen. Jetzt bebilderte man auch Beiträge der von Korff engagierten Star-Autoren wie Vicki Baum, Thomas Mann, Arthur Schnitzler oder Arnold Zweig mit ganzseitigen Fotos. Szafranski hatte dafür Top-Fotografen wie James Abbe, Erich Salomon, Lotte Jacobi, Martin Munkácsi und andere engagiert.
Zusammen mit dem Chefredakteur Kurt Korff bildete er so ein weithin bewundertes „Dreamteam“, das die Auflage der innovativ gestalteten Berliner Illustrirten bis 1929 nahe an die Zwei-Millionen-Grenze hochtrieb.
Auch die Mode-Zeitschrift Die Dame entwickelte man in den „goldenen zwanziger Jahren“ zu einer glamourösen „kontinentalen Gesellschaftszeitschrift in deutscher Sprache“, wie sie damals bezeichnet wurde - zur „Leitgazette für modische Fragen“.
Szafranski holte auch seinen alten Freund Tucholski 1924 in die Uhu-Redaktion, trennte sich aber wieder von ihm, als Tucholski 1928 in der AIZ Arbeiter Illustrierte Zeitung gegen die großen Pressehäuser polemisierte.
Szafranski war jüdischer Abstammung, erkannte jedoch rechtzeitig die Gefahr der antisemitischen NS-Diktatur und emigrierte deshalb 1934 mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten von Amerika. Dort nannte er sich Safranski. 1935 gehörte er dort zu den Gründern der Bildagentur Black Star, die Starfotografen wie Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, Andreas Feininger, Philippe Halsman oder Martin Munkácsi unter Vertrag hatte und Magazine wie TIME, Life und Harper‘s Bazaar belieferte.
Zusammen mit seinem alten Partner Korff beriet Safranski Henry Robinson Luce von der Time Inc. Ihm lieferten die beiden mehrere Dummys für eine neu geplante Zeitschrift – erstellt auf der Basis ihres in Deutschland erprobten pragmatischen Blattmacherstils, also in einem Dreiklang mit Fotograf, Redakteur und Layouter. Dafür hatten sich die drei erprobten Gestalter – nun gemeinsam im amerikanischen Exil – Martin Munkácsi, Kurt Korff und Kurt Safranski zusammengetan. So wurden sie zu Geburtshelfern für Life, dem wohl erfolgreichsten Magazin aller Zeiten.
1941 erhielt Safranski mit seiner Familie die amerikanische Staatsbürgerschaft und unterrichtete von 1944 bis 1956 an der New School of Social Research in New York.
Kurt Safranski starb am 1. März 1964 in Kingston, New York.
(hhb)
Quellen:
Reiner Hartmann: ►Kurt S. Szafranski – vier Leben, erschienen in: Fotogeschichte, Heft 160, 2021
►Die Dame. Illustrierte Mode-Zeitschrift 1911-1943
Peter de Mendelssohn – Zeitungsstadt Berlin / Ullstein AG Berlin