Lee Miller

Die amerikanische Fotojournalistin und Kriegsfotografin Lee Miller dokumentierte im Verlauf des Zweiten Weltkriegs und nach seinem Ende wichtige Ereignisse fotografisch wie textlich. Zu Beginn die deutsche Bombardierung Londons. Später bildete sie als US-Militärkorrespondentin das Kriegsgeschehen in Europa ab: die Invasion der Alliierten in der Normandie, die Schlacht um die Bretagne, die Rückeroberung von Paris oder die Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Dachau. Ihre Fotoarbeiten gehören zu den wichtigsten Bilddokumenten des 20. Jahrhunderts. Sie haben den Deutschen die Gräueltaten der Hitlerzeit schonungslos vor Augen geführt, die Leichenberge aus dem Holocaust gezeigt. Und auch die Folgen für Nachkriegs-Deutschland hat sie aufgezeigt, die zerstörten Städte und ihre ausgemergelten Bewohner.

Elizabeth Miller wurde am 23. April 1907 in Poughkeepsie im Staate New York geboren. Schon in ihrer Kindheit begann sie, angeleitet von ihrem Vater, zu fotografieren. Nach ihrer Schulzeit studierte sie in der New Yorker Art Students League Bühnenbild und Beleuchtung. 1927 lernte sie in New York den Verleger von Condé Nast kennen, der ihr einen Vertrag als Fotomodell für seine Zeitschriften Vogue und Vanity Fair gab. Für diese Magazine arbeitete sie als Model mit renommierten Fotografen wie Edward Steichen, Cecil Beaton oder George Hoyningen-Huene.

1929 reiste sie nach Paris und wurde Schülerin von Man Ray. Bei ihm lernte sie das professionelle Fotografieren und entwickelte mit ihm neue Techniken. Beide experimentierten zum Beispiel mit bewusst überbelichteten Fotos. In Paris machte sich Lee Miller dann selbständig als Porträt- und Modefotografin mit eigenem Studio, kehrte aber schon 1932 nach New York zurück, wo sie ebenfalls schnell erfolgreich wurde.

 

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Female war correspondent Lee Miller who covered the U.S. Army in the European Theater during World War II (U.S. Army Center of Military History)

Copyright: U.S. Army Official Photograph - http://astro.temple.edu/~gurwin/hist.0690syb2005.html, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=77888314

 

Ihre Ehe mit einem ägyptischen Geschäftsmann wurde 1939 geschieden – da hatte sie bereits zwei Jahre zuvor den Surrealisten Roland Penrose kennengelernt und mit ihm Europa bereist. Miller und Penrose kehrten kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gemeinsam nach London zurück.

Für die Vogue dokumentierte sie 1940 die Zerstörungen in London durch die deutschen Bombenabwürfe. Ende 1942 akkreditierte sich Lee Miller bei den US-Truppen als Militärkorrespondentin, trug von nun an Uniform, fotografierte und berichtete für Vogue und andere Medien über den Kriegsverlauf in Europa. Das begann mit der Landung der amerikanischen Truppen am D-Day in der Normandie. Dann die Schlacht um die Bretagne mit der Belagerung von St. Malo, wo erstmals Napalm eingesetzt wurde. Diese Fotos wurden der Zensur unterworfen. Die Befreiung von Paris und nach dem Einmarsch in Deutschland die vielen Ruinenstädte sowie die Leichenberge in den Konzentrationslagern. Auch das Zusammentreffen der US-Army mit den sowjetischen Truppen in Torgau wurde von ihr festgehalten, in Bildern und Texten, genau wie die Einnahme von Hitlers Berghof auf dem Obersalzberg.

Von ihrem Kollegen David E. Scherman ließ sie sich im April 1945 in der Badewanne von Hitlers Privatwohnung am Prinzregentenplatz ablichten.

Nach Kriegsende fotografierte und beschrieb sie die Zerstörungen und das Elend in verschiedenen Städten, zum Beispiel in Köln. Und unternahm noch zwei Reportage-Reisen nach Österreich und Ungarn. Danach zog sie sich nach England zurück und heiratete Roland Penrose.

Bald zeigte sich bei ihr, wie sehr die Kriegsgräuel auch ihre Beobachter traumatisieren können. Viele Kriegsreporter litten später unter psychischen Depressionen, wie nun auch Lee Miller Penrose. Vorübergehend ertränkte sie ihre furchtbaren Erinnerungen in Alkohol und hörte auf zu schreiben und zu fotografieren. Ihre zahllosen Fotos verstaute sie in Kisten auf dem Speicher ihres englischen Landhauses. Diese Schätze wurden erst nach ihrem Tod von ihrem Sohn Antony entdeckt und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.

Lee Miller starb am 21. Juli 1977 in ihrem Farley Farm House in South Sussex an Krebs.

(hhb)

 

Leseprobe LEE MILLER UND DEUTSCHLAND 1945 von der Bundeszentrale für politische Bildung

Lee Miller Archives

 

Lee Miller: Krieg. Reportagen und Fotos. Mit den Alliierten in Europa 1944-1945.
Herausgegeben von Antony Penrose; aus dem Englischen von Andreas Hahn und Norbert Hofmann; Edition Tiamat, Berlin 2013

Lee Miller, „Köln im März 1945“
Greven Verlag, Köln 2013

Becky E. Conekin, „Lee Miller. Fotografin, Muse, Modell
Aus dem Englischen von Claudia Kotte und Harriet Fricke. Scheidegger & Spiess Verlag, Zürich 2013