Régis Bossu

Der französische Pressefotograf Régis Bossu hat mit seinen symbolkräftigen und oft humorvollen Bildern Fotogeschichte gemacht. Viele seiner Fotos wurden zu zeithistorischen Ikonen – allen voran der „Bruderkuss“ zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker am 30. Jahrestag der DDR.

Régis Bossu kam 1944 in Verdun zur Welt. Schon als Teenager fotografierte er mit der Kamera seines früh verstorbenen Vaters und machte nach seiner Schulzeit beim United States Armed Forces Recreation Center der US-Armee eine Lehre als Siebdrucker. Die US-Armee versetzte ihn dann nach Deutschland zu ihrem Blatt Stars & Stripes, das den Redaktionssitz in Griesheim bei Darmstadt hatte. Dorthin zog Bossu, um als Fotojournalist zunächst für diese Armee-Zeitung tätig zu werden, bald aber auch für weitere lokale Blätter. Darum lebte er ab 1967 ganz in Deutschland. Zunächst war für die französische Agentur Sygma tätig, bis er sich 1970 als Pressefotograf selbständig machte und für führende internationale Magazine und Zeitungen in aller Welt zu arbeiten begann – darunter Stern, SPIEGEL, Paris Match, Newsweek, New York Times oder Time

Sein sicherlich berühmtestes Foto entstand am 5. Oktober 1979, am 30. Jahrestag der DDR in Berlin: es zeigt den innigen Bruderkuss zwischen Leonid Breschnew und Erich Honecker, die gerade einen Zehnjahresvertrag zur gegenseitigen Unterstützung unterzeichnet hatten. Ein Bild, das um die Welt ging und sicherlich tausendfach gedruckt wurde, in Medien, als Poster, Postkarte und Persiflage.

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Für den russischen Maler Dmitri Vrubel wurde es 1990 zur Vorlage für sein Graffito mit einer russischen Textzeile – sie lautet auf Deutsch: „Mein Gott hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben“. Zu sehen auf dem 1,3 Kilometer langem Mauerstreifen der „East Side Gallery“, die von 118 Künstlern aus 21 Ländern gestaltet wurde. Ein Denkmal im Berliner Bezirk Friedrichshain, an der Mühlenstraße zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke am Ufer der Spree, mit 106 großflächigen Gemälden, die an die Zeit des Kalten Krieges und an die Mauer erinnern, die Berlin 28 Jahre lang von 1962 bis 1990 geteilt hatte.

Immer wieder erhielt Bossu spektakuläre Aufträge: Während einer Reportage für den Stern in Zaire, zuvor die Kolonie Belgisch-Kongo, wurde er mit einem Kollegen entführt. Beide blieben 16 Tage lang in Geiselhaft, bis die Bundesregierung sie wieder freibekam.

Bossu war der Erste, der 1984 die lange umstrittene und darum geheim gehaltene Stationierung von US-Pershing-2-Raketen in einem Wald bei Heilbronn mit seinen Fotos festhielt. 1989 fotografierte er bei der Beerdigung von Ayatollah Khomeini im Iran und bei den Demonstrationen in Gorleben hatte er stets sein Klappfahrrad dabei, was ihm schnelle Ortswechsel möglich machte. Und sein Porträt von Helmut Schmidt zierte 2018 eine Sondermarke zum 100. Geburtstag des Ex-Kanzlers.

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Von nachträglicher Fotobearbeitung hielt er nichts: Man müsse vor allem im richtigen Moment auf den Auslöser drücken, dann habe man das gewünscht authentische Bild – davon war er überzeugt.

2019 zeigte er mit 90 Fotos in der Ausstellung „More than just a Kiss“ solche Beispiele seiner so sensiblen wie humorvollen Bildkompositionen.

Régis Bossu starb nach langer Krankheit am 28. November 2025 im Alter von 81 Jahren in Griesheim.

 

(hhb)

 

Quellen

John Vinocur: Brezhnev Arrives in East Germany For 30th Anniversary Celebration / The New York Times am 5.10.1979

Régis Bossu: More than just a Kiss / Leica Gallery Frankfurt 2019

Griesheim: "Bruderkuss"-Fotograf Bossu im Alter von 81 gestorben / ARD Tagesschau am 30.11.2025

Eva-Maria Magel: Der Fotograf des Bruderkusses: Régis Bossu ist gestorben / FAZ am 1.12.2025

Andreas Hartmann: Régis Bossu ist tot. Ein Kuss machte den Fotografen berühmt / Frankfurter Rundschau am 1.12.2025

Der Mann hinter dem Bruderkuss – Régis Bossu ist gestorben / ntv 2.12.2025

So viel mehr als nur ein Kuss / SPIEGEL am 4.12.2025