René Burri

Der Schweizer Fotograf und bedeutende Bildjournalist René Burri arbeitete als Vollmitglied der genossenschaftlichen Fotoagentur MAGNUM für die führenden Magazine in aller Welt. Seine Bildreportage zu Beginn der 60er Jahre über die Deutschen beiderseits der Mauer wurde zu einem vorurteilsfreien Abbild der damals unterschiedlichen Lebensverhältnisse in Ost und West.

René Burri wurde am 9. April 1933 als Sohn eines schweizerischen Kochs und einer deutschen Mutter in Zürich geboren. Schon als Schüler interessierte er sich für das Fotografieren. Unmittelbar nach dem Krieg machte er als gerade einmal Dreizehnjähriger ein Bild von Winston Churchill bei dessen Staatsbesuch in Zürich. Da hatte ihn sein Vater mit der Kamera losgeschickt: „Ein wichtiger Mann kommt nach Zürich, das musst du sehen.“ Das wurde dann zu seinem Arbeitsmotto: „Dort sein, wo gerade oder absehbar etwas passiert.“

Ab 1950 ließ René Burri sich aber erst einmal an der Zürcher Kunstgewerbeschule zum Fotografen ausbilden und arbeitete anschließend als Fotojournalist für die schweizerischen Zeitschriften Du und Camera, aber auch als Kamera-Assistent für die Walt-Disney-Produktion „Switzerland“.

Durch eine Bildreportage über die musikalische Arbeit mit taubstummen Kindern, die Life publizierte, kam er 1955 mit MAGNUM in Kontakt. Einer ihrer vier Gründer, Henri Cartier-Bresson, wurde sein wichtigster Mentor – und Burri dort bereits mit 26 Jahren Vollmitglied. Von da an arbeitete er weltweit als Fotojournalist. Seine Bildberichte erschienen von nun an in Life, Look, Paris Match, Stern, Epoca, New York Times oder GEO. Bald war er weltweit unterwegs, berichtete aus den Krisengebieten des Nahen Ostens, etwa über die Suezkrise. Oder aus Nîmes, über einen Stierkampf in Begleitung von Pablo Picasso. Und in Südamerika entstand sein Foto-Essay über die Gauchos.

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1962 nutzte er als Schweizer seine Möglichkeit, sich sowohl in der Bundesrepublik wie in der DDR relativ frei zu bewegen und entsprechend aus beiden Teilen Deutschlands authentisch berichten zu können. So entstand seine Fotoreportage „Die Deutschen“. Eine Zeitgeschichte aus Fotografiendurch seinen unvoreingenommenen Blick auf Ost- wie Westdeutschland. Daraus machte er noch eine viel beachtete Ausstellung sowie ein gleichnamiges Buch, das später nach dem Mauerfall in den 1990er Jahren von ihm aktualisiert und erweitert wurde.

Burri wollte ja eigentlich Dokumentarfilmer werden; darum arbeitete er auch beim Magnum-BBC-Joint-Venture mit, an der Produktion von Dokumentarfilmen wie „The two faces of China“. Oder an einem Bericht über den Sechs-Tage-Krieg zwischen Israel und Ägypten für das deutsche Fernsehen.

Immer wieder porträtierte Burri zudem wichtige Persönlichkeiten der Kunst- und Kulturszene: Darunter Mitglieder der Gruppe 47 oder Künstler wie Maria Callas, Pablo Picasso, Alberto Giacometti sowie die Architekten Le Corbusier und Oscar Niemayer, den er in einem Langzeitprojekt durch die Jahre von 1958 bis 1997 bei der Gestaltung der Retortenstadt Brasilia fotografisch begleitete. Sein Foto von Che Guevera, den er auf Kuba traf und mit Zigarre im Mund abbildete, wurde zu einer Ikone des 20. Jahrhunderts. Die 68er Beat-Generation reproduzierte das Bild tausendfach, auf T-Shirts und Postern.

Schon 1959 war er Vollmitglied bei Magnum geworden – von dort entwickelte er sich zu einem Großen der Fotopublizistik und schuf weitere Ikonen für die Fotogeschichte. Seine Arbeitsweise beschrieb Burri so: „What counts is putting the intensity that you yourself have experienced into the picture. Otherwise it is just a document.”

Ab 1988 arbeitete er dann als Art-Director der Schweizer Illustrierte.

Burri wurde vielfach ausgezeichnet: 1955 und 1957 mit dem Eidgenössischen Preis für Gestaltung; 1998 mit dem Dr.-Erich-Salomon-Preis und zuletzt 2011 mit dem Swiss Press Photo Life Time Achievement Award für sein Lebenswerk. 

René Burri starb am 20. Oktober 2014 im Alter von 81 Jahren in Zürich. Sein Nachlass, die Fondation René Burri, wird vom Museum Photo Elysée in Lausanne verwaltet. Dort gedachte man ihm im Sterbejahr mit der umfangreichen Ausstellung „René Burri – Explosion des Sehens“.

(hhb)

 

Quellen:

Martin Gasser: René Burri / Historisches Lexikon der Schweiz

Der große Schweizer Fotograf René Burri im Porträt / ifocolor

Manfred Papst: Der beteiligte Beobachter / Schweizer Revue Nr. 5 Oktober 2013

Che Guevaras Fotograf ist tot / ZEITonline vom 20.10.2014

Guido Magnaguagno: The Family of Man / NZZ Neue Zürcher Zeitung vom 30.10.2014

 

Bücher:

René Burri: Die Deutschen / Fretz & Wasmuth, Zürich 1962

René Burri: Die Deutschen – Photographien von 1957 – 1997 / Schirmer Mosel 1999

Mélanie Bétrisey, Marc Donnadieu: René Burri – Explosion des Sehens / Musée de l’Elysée Lausanne – 2020