Horst Faas wurde am 28. April 1933 in Berlin geboren und erlebte den Großteil des Zweiten Weltkriegs in seiner Heimatstadt. Nach seinem Abitur im Jahr 1951 arbeitete der 18-Jährige zunächst für die Agentur Keystone in München, von wo er ab seinem 21. Lebensjahr als Pressefotograf in ganz Deutschland eingesetzt wurde und sogar von den Indochina-Friedensverhandlungen 1954 in Genf berichteten durfte.
1956 wechselte er zu AP Associated Press und berichtete 1960 über den Bürgerkrieg im Kongo: "Der Kongo war ein Übungsplatz für die Journalisten, die später nach Vietnam gingen. Wie ich", so Horst Faas im Rückblick. Danach fotografierte er unter anderem im Algerienkrieg.
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Berühmt wurde er dann durch seine Fotos und Bildberichte von 1962 bis 1974 aus Vietnam, also aus der Zeit des gesamten Vietnam-Krieges. Nachdem er im Dezember 1967 bei einer Patrouille durch Granatsplitter schwer verwundet worden war, sorgte er als AP-Büroleiter in Saigon dafür, dass immer wieder wichtige Fotos ihren Weg in die Öffentlichkeit fanden. Als Editor verdankt die Welt ihm die Veröffentlichung zwei der schockierendsten Fotos aus diesem Krieg: die Exekution eines angeblichen Vietcong-Anhängers durch den Polizeichef von Saigon. Und die Herausgabe eines Fotos seines Kollegen Nick Út - über einen Napalm-Angriff der südvietnamesischen Armee auf das Dorf Tráng Bàng. Dieses Bild zeigt das 9-jährige Mädchen Kim Phuc, das von Napalm verbrannt splitternackt mit erhobenen Händen auf den Fotografen zuläuft. Die Veröffentlichung eines nackten Mädchens widersprach den Regeln von AP, worüber sich Faas aber hinwegsetzte. So wurden diese beiden Fotos zu Ikonen der Unmenschlichkeit und des Leids im Krieg. Dazu Michael Ebert, Lehrbeauftragter für Bildjournalismus an der FH Gelsenkirchen: „Seine Bilder sind keine heroischen Schlachtgemälde. Sie zeigen die Welt ungeschminkt und den Krieg so brutal und abscheulich, wie er ist.“ Und General William Westmoreland, der US-Oberkommandierende in Vietnam, schrieb nach dem Truppenabzug aus Vietnam an ihn: „Lieber Horst, die ganze Tragödie war umsonst."
Intensiv beschäftigte Faas sich mit dem Hubschrauberabsturz am 10. Februar 1971 in Laos, bei dem vier seiner Kollegen ums Leben gekommen waren. Darüber verfasste er das Buch: „Lost over Laos. A true story of tragedy, mystery and friendship“. Und sorgte dafür, dass diese vier Kollegen 2008 bei der Eröffnung des „Newseums“ in Washington D.C. angemessen gewürdigt wurden. Später veröffentlichte er zusammen mit seinem Kollegen Tim Page den Bildband „Requiem“, in dem der 135 Fotografen gedacht wurden, die auf beiden Seiten während des Vietnamkrieges getötet worden waren.
Von 1976 bis 2003 war Faas dann als Senior Photo Editor bei AP in London für Europa, den Nahen Osten und Afrika zuständig. Als es im September 1990 zu Massenerschießungen in Johannesburg gekommen war sorgte er dafür, dass die Welt auch von diesen Gräueltaten erfuhr. Nach seiner Pensionierung im Jahr 2004 organisierte er mehrere Treffen von Angehörigen der früheren Presse Corps in Vietnam. Bei einem solchen Korrespondententreffen in Hanoi zog er sich 2005 offenbar eine schwere Infektion zu, die ihn von der Hüfte abwärts lähmte. Er starb am 10. Mai 2012 in München.
Faas wurde zweimal – 1965 und 1972 - mit dem „Pulitzerpreis“ ausgezeichnet und zweimal mit der „Robert Capa Gold Medal“ des Overseas Press Club (1964 und 1997). Und bekam 2005 den „Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie“. Sein Nachlass liegt in der Hochschule Magdeburg-Stendal.
(hhb)
Zum Tode von Horst Faas - SPIEGEL
Den Krieg so brutal zeigen, wie er ist - FAZ
Parting Glance: Horst Faas – New York Times
Horst Faas – The Telegraph
Newseum - Remembering Horst Faas