Der stilprägende Kameramann Karl Freund zählt zu den Pionieren des deutschen und des internationalen Films. Er erfand die Methode der „entfesselten Kamera“ und gilt allgemein als einer der größten Erfinder in der aufstrebenden Filmkunst. Zu seinen Werken gehören weltbekannte Filme – 1927 drehte er den Dokumentarfilm „Berlin – Sinfonie einer Großstadt“, eine Filmreportage über das damalige Berliner Alltagsleben an einem ganzen Tag.
Karl Freund wurde am 16. Januar 1890 in Königinhof geboren – eine Ortschaft in Böhmen, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte. 1901 zog seine Familie, der Vater war Glaser, nach Berlin.
Nach seiner Schulzeit begann Karl Freund eine Lehre in einer Stempel-Fabrik, arbeitete aber schon ab 1906 als Filmvorführer in einer Spezialfabrik für Kinematographen. Dort bekam er Kontakt zur aufstrebenden Filmindustrie, lernte deren Probleme kennen, etwa die der Licht-Effekte, machte sich mit der Kameraführung vertraut und wurde Wochenschau-Kameramann bei Pathé Frères. In Belgrad drehte er 1911 seinen ersten Spielfilm. 1913 kam er nach Babelsberg, als Kameramann für Filme mit Asta Nielsen und Henny Porten. Dort lernte er auch die Regisseure F. W. Murnau und Fritz Lang kennen.
Nach dem Ersten Weltkrieg machte er sich mit der Karl-Freund-Film GmbH selbständig und prägte von nun an als Kameramann den Look des deutschen Stummfilms. Kameraleute waren damals in der Regel selbständig und verfügten über eigene Geräte. Freund betrieb sogar ein eigenes Speziallabor mit Kopierwerk.
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In diesen Jahren machte er seine Kamera beweglich, ließ sie sich als „entfesselte Kamera“ vor seinen Körper schnallen oder bewegte sich mit ihr auf Schienen in einem kleinen Wagen. Freund wurde sogar mit der umgeschnallten Kamera von Kränen in der Luft bewegt und konnte auf diese Weise ganz neuartige Filmszenen realisieren, mit seiner vom Stativ gelösten Kamera und außerhalb der gewohnten Studioatmosphäre. So wie 1924 in Murnaus „Der letzte Mann“ oder 1926 in Langs „Metropolis“.
1926 wurde er Produktionschef bei der Fox-Europa-Film-Produktion. Eines seiner ersten Projekte war der 1927 zusammen mit Walther Ruttmann gedrehte Dokumentarfilm „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ – eine authentische Bildreportage ohne Drehbuch oder Stars, eine dokumentarische Schilderung des Alltagslebens im damaligen Berlin, vom frühen Morgen bis in die späte Nacht.
Nach ersten Ton- und Farbfilmexperimenten folgte er 1929 einer Einladung der Technicolor Corporation und reiste in die USA, wo er sich an weiteren Farbfilm-Versuchen beteiligte. Und blieb in Hollywood – etwa bei der Universal, wo er an mehreren Horrorfilmen mitarbeitete, wie „Dracula“ oder „Die Mumie“, dort sogar als Regisseur. Filme, die zu stilbildenden Klassikern dieses Genres wurden.
1938 erhielt er einen Oscar für die beste Kamera im Film „The good Earth – Die gute Erde“ – ein Spielfilm nach dem gleichnamigen Roman von Pearl S. Buck, der die Geschichte eines armen chinesischen Bauern und seinen Aufstieg schildert. Kameramann war er 1944 auch bei Fred Zinnemanns „Das siebte Kreuz“.
Für die Produktion der Sitcom-Serie „I Love Lucy“ für CBS erfand er in den 1950er Jahren den 3-Kameraaufbau, das sog. „Multicam-System“, inzwischen Standard bei TV-Produktionen.
Bereits 1941 hatte er mit dem 33-jährigen Techniker Frank Crandell die Photo Research Corporation gegründet, wo man sich mit der Forschung rund um die Kameratechnik beschäftigte. Mitte der 50er Jahre wurden die beiden für ihre Entwicklung eines direkt ablesbaren Helligkeitsmessers von der Academy mit einem Technical Award ausgezeichnet.
1960 zog sich Freund, der bis zuletzt eine geschätzte Kapazität in der Filmtechnik war, aus dem Berufsleben zurück. In mehr als 150 Filmen hatte er da die Kamera geführt. 1965 wurde er für sein langjähriges hervorragendes Wirken für den deutschen Film mit dem „Filmband in Gold“ ausgezeichnet.
Karl Freund starb am 3. Mai 1969 in Santa Monica/Kalifornien.
(hhb)
Quellen
Karl Freund / Filmportal.de
Karl Freund / Biographie in der filmzeit
Karl Freund / Wikipedia
Josef Schnelle: Der Mann, der die Kamera entfesselte / Deutschlandfunk Kultur am 16.1.2015
Berlin: Die Sinfonie der Großstadt / MoMa New York