F.C. Gundlach

Franz-Christian Gundlach gehörte zu den bedeutendsten Modefotografen der 50er bis 80er Jahre. Viele seiner Arbeiten sind zu Ikonen geworden, denn Gundlach inszenierte seine Modefotografie gern journalistisch als Modereportagen und war dabei stilbildend. Mal arbeitete er mit Künstlern und Filmstars zusammen, dann wieder interpretierte er Modetrends in ihrer ganz normalen Alltagswirklichkeit, als bildjournalistische Erzählung. Neben seiner Tätigkeit als Modefotograf unternahm er auch Reportage-Reisen für führende Journale in Deutschland, besonders gern nach New York, für Gundlach die wichtigste Stadt der Fotografie. Dort bewohnte er jahrelang eine Wohnung am Madison Square Park. Nicht zu vergessen sind zudem seine Verdienste als Galerist, Sammler und Stifter sowie als Gründungsdirektor des „Hauses der Photographie“ in Hamburg.

 

F.C. Gundlach wurde am 16. Juli 1926 im hessischen Heinebach geboren, wo seine Eltern eine Gastwirtschaft betrieben. Schon im Alter von 10 Jahren begann er zu fotografieren, mit einer Agfa-Box, die ihm seine Mutter geschenkt hatte. Seine Bilder konnte er in seiner eigenen Dunkelkammer entwickeln und vergrößern. Als 16jähriger gehörte er noch zu Hitlers „letztem Aufgebot“, zunächst in einer Flak-Batterie in Kassel, dann ab Januar 1945 an der Ostfront bei Breslau. Dort wurde er leicht verwundet, kam ins Lazarett und danach, schwer lungenkrank, erst in amerikanische und anschließend in französische Gefangenschaft. Aus dieser holte ihn seine resolute Mutter heraus.

 

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Von 1947 bis 1949 besuchte er die „Private Lehranstalt für Moderne Lichtbildkunst“ in Kassel und arbeitete anschließend als Assistent bei der Modefotografin Ingeborg Hoppe in Stuttgart und ab 1950 dann in einem Pariser Studio. Als freiberuflicher Fotograf veröffentlichte er zunächst in der Funk-Illustrierte Fotos über Künstler, die beim Süddeutschen Rundfunk auftraten; später dann Starporträts und Modeberichte im Twen sowie in bekannten Illustrierten wie Quick und Stern.

Ab 1953 begann er sich auf Modefotos zu spezialisieren und diese konsequent als Lifestyle-Reportagen zu inszenieren. Für die Film und Frau fotografierte er damals Modeschöpfungen deutscher Designer, aber auch aus der Pariser Haute Couture. Und schuf eindringliche Porträts und Home-Stories in der für ihn typischen eigenen Bildsprache von Stars wie Curd Jürgens, Hildegard Knef, Uschi Obermaier, Romy Schneider, Nadja Tiller, Catarina Valente, Jean Cocteau, Jean-Luc Godard, Gary Grant und vielen anderen – Arbeiten, die dann auch in Film und Frau oder in Elegante Welt erschienen, im Stern, in Twen, Hör Zu oder Annabelle.

Ab Mitte der 60er Jahre schloss er einen Exklusiv-Vertrag mit der Brigitte ab, für die er von da an trendige Modeteile fotografierte und damit insgesamt mehr als 5.000 Modeseiten füllte. Außerdem gestaltete er noch rund 160 Brigitte-Cover.

Dann, ab den siebziger und achtziger Jahren, unternahm er immer mehr Reportage-Reisen und dokumentierte die Lebensumstände in fremden Kontinenten.

Gundlach war nicht nur als Fotograf ein Künstler, er war auch ein engagierter Sammler und Galerist. Und Unternehmer mit dem fotografischen Dienstleistungsunternehmen PPS Professional Photo Service, mit Fotolaboren, Mietstudios im St. Pauli-Hochbunker und einem Equipment-Handel. Er sammelte frühzeitig Fotos berühmter Kollegen, bevor das Mode wurde. Er kuratierte und bestückte damit viele Fotoausstellungen – schon im Jahr 2000 hatte er die „Stiftung F.C. Gundlach“ gegründet, die sein Werk bewahren und zugänglich machen sollte. Von 2003 bis 2005 war er Gründungsdirektor des Hauses der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen.

Da hatte er längst eine weitere Aufgabe übernommen, seit 1988 als Professor für Fotografie an der Hochschule der Künste in Berlin. Dort informierte er über das fotografische Handwerk, gab seinen Studenten aber auch Ratschläge für ihre Karriere. Seine Erfolge erklärte er ihnen so: Im Leben kommt es auf drei Dinge an. Erstens darauf, dass man Talent hat, das ist die Voraussetzung. Punkt zwei sind Fleiß und Disziplin. Und Punkt drei ist vielleicht das Wichtigste: Fortune. Man muss im richtigen Moment die richtigen Menschen treffen.“ Also das Quäntchen Glück gehörte auch bei ihm dazu – wie zum Beispiel sein Werbeauftrag für die Lufthansa, der ihn in alle Welt führte und für uns zu grandiosen Foto-Eindrücken.

Rechtzeitig hat er mit seiner Stiftung dafür gesorgt, dass uns sein fotografisches Werk als visuelles Gedächtnis über ein halbes Jahrhundert Kulturgeschichte erhalten bleibt.

F.C. Gundlach starb am 23. Juli 2021 im Alter von 95 Jahren.

(hhb)