Thomas Höpker

Der deutsche Fotograf und Dokumentarfilm-Regisseur Thomas Höpker arbeitete für alle bedeutenden internationalen Magazine und war als erster Deutscher Mitglied der bedeutenden Agentur Magnum Photos. Für seine Reportagen, die oft die Elendsgebiete der Welt, Hunger und Unterdrückung zum Thema hatten, wurde er mit zahlreichen Preisen geehrt.

Höpker wurde am 10. Juni 1936 in München geboren. Dort ging er zunächst in die Schule, später in Stuttgart, am Hamburger Kirchpauer-Gymnasium machte er sein Abitur und studierte anschließend von 1956 bis 1959 Kunstgeschichte und klassische Archäologie an der Ludwig-Maximilian-Universität in München und der Universität Göttingen. Seine Leidenschaft gehörte allerdings früh der Fotografie. Zu seinem 14. Geburtstag hatte er von seinem Großvater eine Plattenkamera geschenkt bekommen. Während des Studiums gewann er auf der Photokina zweimal beim Wettbewerb "Jugend photographiert".

Höpker arbeitete für die Münchner Illustrierte und machte sich einen Namen mit seinen Fotos in der Zeitschrift twen und in der Illustrierten Kristall, die in vier Ausgaben mehr als 50 Bildseiten veröffentlichte – Fotos, die Höpker 1963 bei einer mehrmonatigen Reise durch die USA aufgenommen hatte und die den Alltag eines von Rassendiskriminierung, Armut, obszönem Reichtum und tiefer Spiritualität geprägten Landes zeigten. Im Jahr darauf engagierten stern-Chefredakteur ► Henri Nannen und dessen Art Director ► Rolf Gillhausen Höpker als Fotoreporter. Mehr als zwei Jahrzehnte lang arbeitete er für das Hamburger Magazin.

article picture

Copyright: Günter Prust - http://www.foto-prust.de, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22863671

1974 ging er gemeinsam mit seiner Frau, der Journalistin Eva Windmöller, für den stern nach Ost-Berlin, von wo aus sie drei Jahre lang in Wort und Bild über das Leben in der DDR berichteten und anschließend den Reportageband „Leben in der DDR“ veröffentlichten. 1976 gingen beide für den stern nach New York. Als der Verlag Gruner + Jahr, in dem auch der stern erscheint, versuchte, eine USA-Ausgabe der neuen Reportagezeitschrift GEO zu etablieren, wirkte Höpker als Art Director mit. Das Vorhaben scheiterte. Ende der 80er Jahre war er in Hamburg zwei Jahre lang Art Director des stern.

1989 kehrte Höpker nach Amerika zurück und wurde als erster deutscher Fotograf Vollmitglied der unabhängigen New Yorker Fotoagentur Magnum Photos. 1992 wurde er ihr Vizepräsident und von 2003 bis 2007 ihr Präsident. Während dieser Zeit drehte er für den SWR und arte außerdem Dokumentarfilme in Südamerika. Ein Kontinent, dem inzwischen sein großes Interesse galt. „Wir kümmern uns um die Dritte Welt, um unterprivilegierte Menschen.“

Für seine Fotos wurde er 1967 und 1976 mit World Press Photo Award ausgezeichnet und 2014 in die Leica Hall of Fame aufgenommen. Seine Bilder werden weltweit in Ausstellungen gezeigt und befinden sich in allen wichtigen Museen und fotografischen Sammlungen.

2022 erkrankte Thomas Höpker an Alzheimer. Er starb am 10. Juli 2024 in Santiago de Chile. Er war zuletzt mit der Filmemacherin Christine Kruchen verheiratet. Eva Windmöller war 2002 in New York gestorben. (ms)

Quellen:

Thomas Höpkers Biographie bei Magnum

„Wir sind ein seltsamer Haufen“, Süddeutsche Zeitung, 16. Februar 2007, Interview

Der Mann, der mit seinen Fotografien ein kulturelles Gedächtnis geschaffen hat, verliert sein eigenes.  Newsletter Hamburg von Zeit online, 23. Juni 2022

Dear Memories, NDR Dokumentation 15.07,2024

Magnum-Fotograf Thomas Hoepker im Alter von 88 Jahren gestorben; BR24 13.07.2024

AUGEN AUF! 100 Jahre Leica-Fotografie; Hans-Michael Koetzle im Gespräch mit Thomas Hoepker