Andreas Herzau

Der bekannte Dokumentar-Fotograf Andreas Herzau war einer der Gründer der genossenschaftlichen Fotoagentur laif. Bekannt wurde er zunächst durch seine Porträts von Großstädten wie New York, Moskau, Kalkutta, Mumbai oder Istanbul und schließlich durch seine zehn Jahre lang andauernde fotografische Langzeit-Beobachtung von Angela Merkel und ihrer Entourage.

Andreas Herzau wurde 1962 in Mainz geboren. Nach der Schulzeit absolvierte er von 1980 bis 1983 zunächst eine Lehre als Schriftsetzer in Tübingen. Dort startete er zusammen mit einigen Freunden, darunter sein späterer Kollege Arno Luik, ein Stadtmagazin und arbeitete weiter in seinem Beruf als Schriftsetzer.

1986 begann er als Volontär bei der Zeitschrift Konkret in Hamburg und wurde im Jahr darauf Redakteur. Von 1988 bis 1990 war er in der Redaktion der Wochenzeitung Hamburger Rundschau tätig und arbeitete danach als freiberuflicher Journalist.

Zu Beginn der 90er Jahre wandte er sich der Fotografie zu. Er war bei einer Demo an der rechten Hand so schwer verletzt worden, dass er fürchtete, eine Schreibmaschine nicht weiter bedienen zu können. Darum arbeitete er ab 1992 nur noch als Bildjournalist und tat sich mit Kollegen zur Fotoagentur SIGNUM zusammen. Seine Bildreportagen und Foto-Essays aus aller Welt – über die Drogenszene in Deutschland, über Menschen auf der Flucht, über den Völkermord in Ruanda oder die Bürgerkriege in Sierra Leone und Liberia, über Nine-Eleven in den USA oder den Hamburger G20-Gipfel – wurden von vielen Zeitungen und Magazinen gedruckt; etwa von der Süddeutschen Zeitung, von SPIEGEL und STERN. Aus mehreren dieser Foto-Dokumentationen entstanden später Bücher, die im Nimbus-Verlag erschienen.

 

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Andreas Herzau während einer Konzertreise der Bamberger Symphoniker in China

Copyright: Reinhold Möller

Herzau gehörte bald zu den bekanntesten Straßenfotografen in Deutschland, genau wie seine Kollegen Chargesheimer oder Friedrich Seidenstücker. In Hamburg begleitete er Obdachlose, zeigte das Leben zwischen Sozialamt und Schlafplatzsuche. Hielt aber auch den aktuellen Zeitgeist in Discos, bei Nazi-Aufmärschen oder bei der Love-Parade in Bildern fest.

Eines seiner wichtigsten Projekte war für ihn offenbar die fotografische Begleitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Zehn Jahre lang dokumentierte er ihre Arbeitstage, vor allem ihre Auftritte bei Wahlkämpfen. Hielt aber in Ausschnitten auch ihren privaten Alltag bildlich fest.

Für seine Fotoarbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet: etwa mit dem European-Press-Award. Zuletzt erhielt Herzau 2018 beim Wettbewerb für politische Fotografie den Preis für das beste Foto des Jahres 2017.

Andreas Herzau starb nach langer Krankheit am 6. Februar 2024 an seinem Zweitwohnsitz Bockup in Mecklenburg-Vorpommern nahe Ludwigslust. Sein beruflicher Standort aber war Hamburg, wo er seit 1987 im Schanzenviertel gewohnt hatte.

Von der Fotoagentur laif, zu deren Gründern er 1999 gehört hatte, hieß es nach seinem Tod: „Wir vermissen nicht nur seine fotografische Arbeit, seine visionäre Klarheit und energetische Kraft, sondern auch ganz besonders seinen unerschütterlichen Glauben an die Bedeutung der Fotografie."

Herzaus fotografisches Werk wird von der Stiftung F.C. Gundlach aufbewahrt. Auf der Internetseite der Stiftung heißt es dazu: „Mit seinen Fotografien war Herzau stets dicht an den Menschen dran, den Bildgegenstand dabei oft dynamisch im Anschnitt ins Bild setzend.“

(hhb)

 

Quellen:

Der Fotograf Andreas Herzau ist tot / SPIEGEL Kultur 7.2.24

Fotograf Andreas Herzau ist tot / WDR 7.2.2024

Andreas Herzau ist tot: Er fotografierte Merkel, Moskau und Momente / NDR 9.2.24

Ulrich Rüter: Andreas Herzau ist gestorben / LFI Magazin Leica Fotografie International 9.2.24

Arno Luik: Er war ein Freund. Wir wollten mal ... / HA vom 4.3.2014

 

Bücher:

Andreas Herzau: Exodus – 50 Millionen Menschen auf der Flucht / Edition Stemmle 1997

Andreas Herzau: Me, Myself and I / Edition Braus, Heidelberg 2002

Andreas Herzau; New York / Edition Braus, Heidelberg 2003

Andreas Herzau: Deutschland / 2006

Andreas Herzau; AM (Angela Merkel) / Nimbus Verlag 2022