Inge Morath

Die österreichische Fotografin, Journalistin und Autorin Inge Morath konzentrierte sich ab den 50er Jahren aufs Fotografieren und wurde die erste Frau, die in der MAGNUM Fotoagentur als Vollmitglied aufgenommen wurde.

Inge Morath wurde am 27. Mai 1923 in Graz als Tochter zweier Naturwissenschaftler geboren. Was in ihren Jugendjahren zu häufigen Wohnungswechseln führte, weil ihre Eltern immer wieder an unterschiedlichen Universitäten und Arbeitsplätzen tätig waren. So wuchs sie zunächst in Frankreich auf, wo sie eingeschult wurde und schnell Französisch lernen musste. Danach ging es nach Darmstadt, München und nach Eberswalde bei Berlin. Dazwischen lebte sie immer wieder bei ihren geliebten Großeltern in Österreich.

In Berlin machte sie ihr Abitur und leistete den damals obligatorischen Arbeitsdienst in Masuren, bevor sie ihr Studium in Romanistik und in Sprachwissenschaften mit Französisch, Englisch und Rumänisch beginnen konnte. Nach dem Staatsexamen wurde sie für eine kriegswichtige Rüstungsfabrik in Berlin-Tempelhof arbeitsverpflichtet. Nach einem Bombenangriff und vor dem Einmarsch der Russen konnte sie sich nach Salzburg absetzen, wohin auch ihre Eltern inzwischen geflohen waren. Dort war sie nach Kriegsende als Übersetzerin für die amerikanische Besatzung tätig, für den United States Information Service. Nebenher verfasste sie Artikel für die Salzburger Nachrichten sowie Texte und Hörspiele für den neu gegründeten Radiosender Rot-Weiß-Rot.

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1946 ging sie zusammen mit dem Information Service nach Wien. Dort schrieb sie bald auch Artikel für die Wiener Illustrierte, den Kurier und die Zeitschrift Optimist. 1948 wurde sie Redakteurin bei der Illustrierten Heute, die unter amerikanischer Leitung in München erschien. Für Heute arbeitete sie als Bild-Redakteurin und im Foto-Reporter-Team des Magazins, zusammen mit dem Fotografen Ernst Haas. Auf ihre Reportage über Kriegsheimkehrer wurde ► Robert Capa aufmerksam und lud die beiden Macher dieser Story nach Paris ein, zur 1947 gegründeten MAGNUM-Kooperative. Dort blieb Inge Morath als Mitarbeiterin und wurde Assistentin von Henri Cartier-Bresson.

1951, nach ihrer Eheschließung mit dem britischen Journalisten Lionel Birch, wechselte sie nach London und begann endgültig, sich auf das Metier Fotografie zu konzentrieren. Dazu schrieb sie in ihrem Buch „Das Leben einer Fotografin“: „Ich hatte nach dem Krieg oft unter der Tatsache gelitten, dass Deutsch meine Muttersprache, für den Großteil der Welt die Sprache des Feindes war. Obwohl ich Artikel auch auf Englisch und Französisch schreiben konnte, trafen sie nicht den Kern. So war die Zuwendung zum Bild eine Notwendigkeit und eine Erleichterung.“

1955 wird sie Vollmitglied bei MAGNUM. Von da an machte sie Fotoreportagen für große Magazine wie Vogue, Paris Match oder Holiday, aber auch Standfotos bei Dreharbeiten, etwa für John Houstons Film „Moulin Rouge“. Ihre Reisen als Bildberichterstatterin führten sie in den Nahen und Mittleren Osten, die Donau entlang und in viele europäische Staaten. Besonders gern arbeitete sie in schwer zugänglichen Ländern in Afrika oder Südostasien und bot mit ihren Fotos von dort Einblicke in das Alltagsleben und die Landschaften. Nur Kriege hat sie nie fotografiert – davon hielten sie ihre eigenen traumatischen Erlebnisse in der Zeit des Zweiten Weltkriegs ab.

Ab den 60er Jahren wurde New York ihr Lebensmittelpunkt; von dort bereiste sie Mittel- und Südamerika, die Sowjetunion und Ostasien. Zuvor hatte sie sich noch intensiv mit Russisch und Mandarin beschäftigt, um deren Kulturen und Mentalitäten besser verstehen zu können. Schließlich sprach sie also sechs Sprachen.

1960, engagiert für Standaufnahmen zum Film „Misfits“ – für Fotos vor allem von der Hauptdarstellerin Marilyn Monroe – lernte sie dort Arthur Miller kennen, der das Drehbuch verfasst hatte. Nachdem Miller sich von Marilyn Monroe im Januar 1961 getrennt hatte, wurden Morath und Miller 1962 ein Ehepaar. 1965 erhielt sie die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Inge Morath arbeitete weiter für Zeitschriften, Verlage, an Filmsets und für Werbeagenturen. Sie unternahm Fotoreisen in die Sowjetunion, nach China und durch das ländliche USA. Sie schrieb Bücher über bereiste Länder sowie über ihr nahestehende, bekannte Persönlichkeiten. Und sie stellte ihre Fotoarbeiten und Porträts in zahllosen Museen aus, in den USA, in Moskau, Spanien, Großbritannien, Österreich oder Deutschland.

1991 erhielt sie den Österreichischen Staatspreis. 2010 wurde in Wien-Meidling die Morathgasse nach ihr benannt und in ihrer Geburtsstadt Graz gibt es eine Inge-Morath-Straße; in Salzburg sogar einen Inge-Morath-Platz.

MAGNUM vergibt seit 2002 jährlich den „Inge Morath Award“, als Förderpreis für junge Fotografinnen unter 30 Jahren.

Inge Morath starb am 30. Januar 2002 im Alter von 78 Jahren in New York City.

(hhb)

 

Quellen:

 

Brigitte Dorfer: Inge Morath / Biographie

Morath, Inge - Biografie / Das verborgene Museum

Inge Morath / Wien Geschichte Wiki

Die großartigen Bilder der Inge Morath / ARD -BR 19.1.23

 

Bücher:

Inge Morath: Das Leben einer Fotografin / Gina Kehayoff Verlag, 1999

Inge Morath: Portraits / Verlag Otto Müller, Salzburg/Wien, 1999