Stefan Moses

Stefan Moses war ein deutscher Fotograf und Bildberichterstatter. Er wurde vor allem durch seine dokumentarischen Porträts bekannt – Zeitdokumente über einfache Menschen aber auch bekannte Persönlichkeiten. Als Bildreporter arbeitete er für Magazine wie Stern, Spiegel, Revue, magnum, Zeit, Das Schönste, TWEN und viele andere.

Stefan Moses wurde am 29. August 1928 in Liegnitz/Niederschlesien als Sohn eines Anwalts geboren. Wegen seiner jüdischen Herkunft musste er 1943 den Besuch des Zwinger-Gymnasiums in Breslau abbrechen, konnte aber eine Fotografenlehre bei der Kinderfotografin Margarete Dau-Bodlée im Breslauer Atelier Bittner beginnen. Anfang August 1944 wurde er als Fünfzehnjähriger ins Zwangsarbeiterlager Ostlinde deportiert, aus dem ihm im Februar 1945 die Flucht gelang. Seine Fotografenlehre konnte er nach Ende des Zweiten Weltkriegs bei Grete Bodlée nun in Erfurt beenden. Fürs Fotografieren hatte Stefan Moses sich schon zu interessieren begonnen, als er vier Jahre nach dem frühen Tod seines Vaters, der im Jahr 1932 verstorben war, in dessen Nachlass eine Bergheil-Plattenkamera entdeckte und damit erste Lichtbilder machte.

Nach seiner Lehrzeit arbeitete Stefan Moses zunächst als Fotograf am Nationaltheater in Weimar und lieferte Bilder für dessen Theaterzeitschrift, die Programmhefte und die Tagespresse in Thüringen. 1950 verließ er die DDR, zog nach München und arbeitet von dort aus als Bildjournalist, zunächst für Das Schönste, Revue und magnum - die Zeitschrift für das moderne Leben. Richtig bekannt wurde er 1960 durch seine Reportagen für den STERN, dessen berühmt gewordene Bildsprache er zusammen mit seinen Kollegen Thomas Höpker, Robert Lebeck und Max Scheler entscheidend geprägt hat.

 

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Copyright: ullstein bild - Reinke

1961 veröffentlicht der Stern sein Foto-Essay über Israel „Wir sind das gelobte Land“; 1962 ist er Bildberichter bei der Fußball WM in Chile; 1964 erscheint im STERN seine Bildreportage „Juden in Deutschland“ um nur einige seiner damals viel beachteten fotografischen Zeitdokumente zu nennen.

Nach 15 Reporterjahren in vier Erdteilen fokussiert er ab 1965 seine Bildberichte auf Deutschland: Für mich ist Deutschland genau so exotisch wie Afghanistan oder Paraguay, überall unerforschte Gebiete", so seine Meinung dazu. Und nach der Wende legte er im Fernsehen des Bayerischen Rundfunks nach: „Deutschland ist eigentlich das interessanteste Land. Und die Deutschen, die Leute sind auch wahnsinnig komisch."

Neben seiner Tätigkeit als Bildreporter schuf er groß angelegte Bildzyklen, mit facettenreichen Abbildungen von Menschen und Berufen. Daraus wurden dann seine zahlreichen Bildbände wie „Deutsche – Porträts der sechziger Jahre“, und nach der Wende „Abschied und Anfang – Ostdeutsche Porträts“. Nicht zu vergessen „Das Tier und sein Mensch“ oder „Jeder Mensch ist eine kleine Gesellschaft“. Moses bezeichnete sich als „Menschenfotograf“: „Meine Aufgabe ist eben, die Menschen festzuhalten, bevor sie verloren gehen.“

Stefan Moses machte überwiegend Schwarz-Weiß-Aufnahmen: „Farbe ersäuft einen ja!“ So die Begründung in der Mittelbayerische Zeitung. Und: „Die Gefahr ist groß, eines Tages werden all diese bunten Bilder uns überschwemmen. Farbe vergeht! Schwarz-Weiß besteht!“

2014 notierte er: „Die analoge Welt ist aus den Fugen, und die digitale nicht mehr einzurenken.“ Einer Interviewerin sagte er, dass er nicht mit moderner elektronischer Technik des Fotografierens und den Möglichkeiten der digitalen Manipulation arbeite und fügte ironisch hinzu: „Ich arbeite noch wie im 15. Jahrhundert: also ohne digitale Elektronik und ohne Netz, jeden Tag ist für mich alles wieder neu, und ich habe alle Technik vergessen und muss von vorne anfangen.“ Seine Briefe unterschreibt er oft mit „Ihr herzlich alter stefan moses“. Da hatte er bereits Teile seines Nachlasses an das Deutsche Kunstarchiv im Germanischen Nationalmuseum übergeben.

Stefan Moses, der große Chronist der Bundesrepublik Deutschland, starb am 3. Februar 2018 in München, im Alter von 89 Jahren.

(hhb)

 

Quellen

Stefan Moses – Auge und Linse

Stefan Moses – Chronist der Bundesrepublik

Stankowski-Stiftung / Preisträger Stefan Moses

Nachruf in der Frankfurter Allgemeine Zeitung – Das Leben als Aufgabe, die nicht zu lösen ist

Nachruf in der Süddeutschen Zeitung – Es gibt nichts Interessanteres als Menschen