Helmut Newton

Helmut Newton gehörte zu den einflussreichsten Fotografen des 20. Jahrhunderts, weil er mit seinen Arbeiten ganz neue Maßstäbe gesetzt hat. Seine Fotos – in den 50er und 60er Jahren vor allem Porträt- und Modeaufnahmen für die Vogue in Australien, England, Frankreich, Italien oder Deutschland, für Elle in Frankreich oder Queen in England – machten ihn schnell weltbekannt. Zur Ikone wurde er dann durch seine Aktfotografie in den 70er Jahren, ausgelöst von der damals beginnenden sexuellen Revolution. Bald darauf aber auch heftig als frauenfeindlich kritisiert von Feministinnen wie Alice Schwarzer.

Helmut Neustädter wurde am 31. Oktober 1920 als Sohn eines jüdischen Knopffabrikanten in Berlin geboren. Dort besuchte er bis 1934 das Real-Gymnasium in Berlin-Schöneberg und danach, angesichts der beginnenden Diskriminierung jüdischer Familien, die amerikanische Schule in Berlin-Grunewald. Von 1936 bis 1938 absolvierte er eine Ausbildung bei der bekannten Fotografin Yva alias Else Simon-Neuländer in Berlin-Charlottenburg.

Nach den Novemberpogromen floh er mit zwei Kameras im Gepäck via Triest nach Singapur, wo er kurzzeitig für die Singapore Straits Times als Fotoreporter arbeitete. Nach seiner Entlassung musste er sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagen und reiste deswegen weiter nach Australien. Dort diente er ab 1940 zunächst einige Jahre als LKW-Fahrer in der Armee, erwarb 1946 die australische Staatsbürgerschaft und nahm den Namen Newton an.

 

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Copyright: Bundesarchiv Bild 183-1990-0510-016, Fotograf Wolfgang Kluge, 10. Mai 1990

10.5.90 Leipzig: Der australische Meisterfotograf Helmut Newton gilt als der Begründer der modernen Aktfotografie. Anläßlich der Eröffnung einer repräsentativen Ausstellung seiner Arbeten in der Messestadt, kam der Altmeister auch mit Studenten und Lehrern der Hochschule für Grafik und Buchkunst zusammen.

In Melbourne hatte er ein kleines Fotostudio eröffnet und dort seine Frau kennengelernt, die Schauspielerin June Brunell. Von da an entwickelte sich seine Karriere als Fotograf schnell – Newton war als Mode- und Porträtfotograf gefragt und arbeitete bald für Mode-Magazine wie die australische Vogue und andere Modezeitschriften, aber auch für die Werbung.

Anfang 1960 zog das Ehepaar Newton zurück nach Europa und ließ sich im Modezentrum Paris nieder. Dort avancierte Helmut Newton zu einem der gefragtesten Fotografen, dessen künstlerisch arrangierte Fotos sofort von diversen Museen ausgestellt wurden. Im Laufe der Jahre arbeitete er auch für große Marken wie Swarovski, Saint Laurent, Wolford, Blumarine oder Lavazza.

Er machte Porträtfotos von prominenten Filmdiven wie Cathérine Deneuve, Anita Ekberg, Charlotte Rampling, Romy Schneider oder Liz Taylor; von Musikgrößen wie David Bowie oder Mick Jagger oder Politikern wie Helmut Kohl, Margaret Thatcher, Gerhard Schröder und vielen anderen – Fotos, die dann oft auch in den Medien gedruckt wurden.

1990 bekam Newton für seine Fotoarbeiten den Grand Prix National de la Photographie. 1992 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz und 1996 wurde er vom französischen Kulturminister als Commandeur de l’Ordre des Arts et Lettres geehrt.

1994 war es zu einem Urheberrechtsstreit zwischen Helmut Newton und Alice Schwarzer gekommen. Sie hatte ihm in ihrer Zeitschrift Emma vom 1.11.1993 unterstellt, dass seine Fotographien nicht nur sexistisch und rassistisch seien, sondern auch faschistischwas leider „im Namen der sogenannten ‚Meinungsfreiheit‘ oder ‚Freiheit der Kunst‘ möglich sei“. Zum Beweis ihres Vorwurfs hatte Alice Schwarzer 19 Fotografien von Newton in ihrem Magazin als angebliche Beweismittel abgedruckt, ohne sich um die Urheberrechte gekümmert zu haben.

Die Klage folgte auf dem Fuß: Doch nun hatte das Gericht weder über den Geschmack von Newtons Bilder noch über den von Schwarzers Attacken zu entscheiden. Schwarzers schlimmster Vorwurf: Newton habe als Jude „das Herrenmenschentum mit in die Emigration genommen und sich somit auf die Täterseite geschlagen“. Das Landgericht München verurteilte sie allein wegen ihres Verstoßes gegen das Urheberrecht zu Schadenersatz.

Das Gros der Kunstszene hatte sich da längst auf Newtons Seite geschlagen. Der Fotogalerist Rudolf Kicken hält den Vorwurf von Voyeurismus für irrelevant: „Newton war ein Enfant terrible, der die Grenzen der Fotografie auslotete und ihr entscheidende Impulse gab.“

Noch zu Lebzeiten hatte Helmut Newton im November 2003 seine Helmut Newton Stiftung gegründet und ihr zahlreiche seiner Fotografien übertragen. In einem Vertrag zwischen dieser Stiftung und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz wurde vereinbart, dass im ehemaligen Landwehr-Kasino in der Jebenstraße 2 gegenüber dem Bahnhof Zoo der Newton Stiftung dauerhaft zwei Etagen zur Verfügung gestellt werden. Im so entstandenen Museum für Fotografie gibt es nun ständig wechselnde Foto-Ausstellungen für Newton und andere Fotografen.

Helmut Newton starb in der Nacht vom 23. auf den 24. Januar 2004 in Los Angeles nach einem Herzinfarkt. Sein Wunsch war es, in seiner Heimatstadt Berlin beigesetzt zu werden. So wurde seine Urne im Juni desselben Jahres in einem Ehrengrab auf dem Friedhof Schöneberg beigesetzt, in Anwesenheit von Bundeskanzler Gerhard Schröder, dem Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit und dem Filmschauspieler Roger Moore.

(hhb)

 

Quellen zum Streit mit Emma:

Artikel aus Emma vom 1.11.1993:  "Was schrieb Schwarzer über Newton?"

Artikel aus Der Spiegel vom 24.07.1993: "Alice in Newton-Land"

Artikle aus der taz vom 28.07.1993: "Newton gegen Schwarzer"