Helga Paris gilt als Ikone unter den Fotografen der DDR. In ihren Fotos hielt sie die Eintönigkeit im Alltagsleben des Arbeiter- und Bauernstaates ungeschminkt fest. Ihre Fotos erschienen dennoch in einigen Kultblättern der DDR wie zum Beispiel in der Zeitschrift Das Magazin.
Helga Paris wurde am 21. Mai 1938 als Helga Steffens in Gollnow/Pommern geboren. Ihr Abitur machte sie in Zossen und studierte anschließend von 1956 bis 1960 Modegestaltung in der Berliner Fachschule für Bekleidung. Nach einem Praktikum in der Textilproduktion arbeitete sie als Dozentin für Kostümkunde und als Gebrauchsgrafikerin.
1961 heiratete sie den Maler und Grafiker Ronald Paris – zusammen hatten sie zwei Kinder. Zur Fotografie kam sie in den 60er Jahren als Autodidaktin, allerdings nach einer kurzen zusätzlichen Ausbildung als Fotolaborantin. Freiberuflich fotografierte sie für die Berliner Volksbühne und das Deutsche Theater. Als Straßenfotografin wurde sie dann zu einer Chronistin des Lebens am Prenzlauer Berg, wo sie länger als ein halbes Jahrhundert wohnte. In Das Magazin veröffentlichte sie mehrere Fotoserien aus Ostberlin – über das nachbarschaftliche Leben der Arbeiterfamilien, über die Müllkutscher dort oder den Alltag der Zecher in den typischen Berliner Kneipen.
Helga Paris während einer Ausstellungseröffnung in Berlin am 8. März 2012
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Als der Fotograf Arno Fischer Anfang der 1980er Jahre den Vorschlag machte, die DDR doch ähnlich fotografisch zu erfassen und abzubilden, wie das amerikanische Kollegen in den 1930er und 40er Jahren mit ihrem Land gemacht hatten, war Helga Paris sofort Feuer und Flamme. Für ihren Beitrag wählte sie die Stadt Halle an der Saale, wo ihre Tochter Jenny damals studierte. Auf ihren kontrastreichen Schwarz-Weiß-Fotos hielt sie die sichtbar bedrohte Bausubstanz der einstigen Schönheit dieser Stadt fest, aber auch das tägliche Leben der Bewohner in all seiner Eintönigkeit. In Halle wurde damals vor allem in moderne Plattenbauten investiert, der alte Innenstadtkern dabei weitgehend vernachlässigt. So zerbröckelten selbst denkmalgeschützte Häuser, viele Ziegeldächer waren marode und voller Löcher, Straßen und Plätze in der Innenstadt nur noch trostlos. Das alles hielt sie mit ihren Schwarzweiß-Fotos fest. Was dazu führte, dass die SED-Parteiführung die angekündigte Ausstellung „Häuser und Gesichter“ kurz vor der Eröffnung untersagte, weil ihre Fotos ein zu negatives Stadtbild vermitteln würden. Erst 1990, nach der Wiedervereinigung, durfte die Ausstellung in Halle gezeigt werden.
1996 war sie Mitglied der Berliner Akademie der Künste geworden. Dort zeigte man 2020 die bis dato umfangreichste Ausstellung mit ihren Werken aus den Jahren 1968 bis 2011: 275 Schwarz-Weiß-Fotos aus ihrem Lebenswerk. Dazu vermerkte die Kuratorin Inka Schube: „Helga Paris nimmt in gewisser Weise eine Einzelgänger-Position in der deutschen Nachkriegsfotografie ein. Ihre Arbeit ist vielleicht am ehesten mit dem Begriff von Alexander Kluge als ‚Chronik der Gefühle‘ zu beschreiben. Sie erzählt Geschichte aus der eigenen Lebenswelt heraus, sehr nahbar und so zärtlich, möchte man fast sagen, dass man geneigt ist zu vergessen, wie viel Kraft für ein solches Arbeiten nötig ist.“
Helga Paris beschrieb ihre Fotoarbeit mit diesen Worten: „Meine Fotos sagen, was ich zu sagen hatte. Ich habe die vielen Gesichter mit herübergenommen in die neue Zeit, damit nichts vergessen wird.“
Zuvor hatte Helga Paris den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie erhalten, als „hochverdiente Chronistin ihrer Zeit“.
Ihr Archiv mit 6.300 Filmen und rund 230.000 Negativen sowie ihre Notizen dazu hat sie der Akademie der Künste geschenkt.
Helga Paris starb am 5. Februar 2024 im Alter von 85 Jahren in Berlin.
(hhb)
Quellen:
Deutsche Börse Photography Foundation: Helga Paris
Ingeborg Ruthe: Ikone der DDR-Fotografie Helga Paris ist tot / Berliner Zeitung 6.2.2024
Fotografin Helga Paris in Berlin gestorben / rbb 6.2.2024
Fotografin Helga Paris ist tot / SPIEGEL 7.2.2024
DGPh-Kulturpreis an Helga Paris / Photonews
Claudia Kursawe: Geschichte aus der eigenen Lebenswirklichkeit heraus erzählt / Photonews 12/19-1/20
Bücher:
Helga Paris: Gesichter. Frauen in der DDR. Fotoporträts / 1986
Helga Paris: Diva in grau Häuser und Gesichter in Halle / Mitteldeutscher Verlag 1993