Der in Brasilien geborene Fotograf und Umweltaktivist Sebastião Salgado wurde durch seine bildgewaltigen Schwarz-Weiß-Fotoreportagen weltweit berühmt. Mit seinen atemberaubend schönen Landschaftsaufnahmen zeigte er zudem, welche Gefahren und unwiederbringlichen Verluste uns durch die überall fortschreitende Umweltzerstörung drohen.
Sebastião Salgado wurde am 8. Februar 1944 in der Kleinstadt Aimorés geboren. Dort wuchs er auf einer Farm auf und studierte dann in Sao Paulo ab 1963 Wirtschaftswissenschaften. 1969 emigrierte er während der brasilianischen Militärdiktatur zusammen mit seiner Frau nach Paris, mit dem Ziel dort zu promovieren. Zwischendurch arbeitete er immer wieder in der Entwicklungshilfe, speziell für Projekte in Afrika.
Auf diesen Reisen begann er mit der Leica seiner Frau Lélia zu fotografieren und beschloss dann 1973 endgültig, von Paris aus als Fotojournalist tätig zu werden – ab 1974 für die Agentur Sygma, für die er in Portugal, Angola und Mosambik arbeitete. Im Jahr darauf wechselte er zur Agentur Gamma, als Mitarbeiter bei Reportagen in Afrika, Lateinamerika und Europa. 1979 nahm ihn dann Magnum Photos auf.
Im März 1981 wurde er Zeuge des Attentats auf US-Präsident Ronald Reagan vor dem Hilton Hotel in Washington, das Reagan schwer verletzt überlebte.
Copyright: Fernando Frazão/Agência Brasil - http://agenciabrasil.ebc.com.br/geral/foto/2016-10/camara-de-comercio-franca-brasil-premia-sebastiao-salgado, CC BY 3.0 br, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52614053
Statt aber nur Auftragsarbeiten auszuführen konzentrierte sich Salgado ab den 1980er Jahren immer mehr auf Langzeitprojekte, auf Fotodokumentationen vor allem im Globalen Süden. So entstanden seine zahlreichen Bildbände, aber auch Reportagen und Ausstellungen, die von wichtigen Medien in aller Welt veröffentlicht wurden – allein in Deutschland von der FAZ, dem Stern, von GEO, National Geographic, dem SPIEGEL oder der ZEIT.
Etwa seine Berichte über die Goldminenarbeiter in Serra Pelada/Brasilien und über die Vernichtung immer größerer Teile des Regenwaldes durch diese Art der Goldgewinnung im dort entstandenen Goldrausch. Er recherchierte in Amazonien auch die Lebensweise der indigenen Bevölkerung, mit oft neuen und erstaunlichen Erkenntnissen.
Salgado berichtete über die Hungersnöte und Bürgerkriege in Afrika, welche Fluchtbewegungen auslösten und Heimatlosigkeit zur Folge hatten – in der Sahel-Zone, in Ruanda oder im Kongo. Dabei arbeitete er mit Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen zusammen.
In seinem Projekt „GENESIS“ dokumentierte er zwischen 2004 und 2011 auf 32 Reisen noch unberührte Landschaften überall auf unserer Erde – im Süden wie Norden, in der Arktis, in Wüsten oder Feuchtgebieten, in Afrika wie Amazonien. Zeigte die Lebensräume von Ureinwohnern und von noch wild lebenden Tieren dort. Und setzte sich engagiert für deren Schutz ein. Dafür erhielt er 2019 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Seine Botschaft lautete damals: „Die Zukunft der Menschheit liegt in unseren eigenen Händen. Um eine andere Zukunft zu errichten, müssen wir die Gegenwart verstehen. Meine Fotos zeigen diese Gegenwart, und so schmerzhaft der Anblick ist, wir dürfen den Blick nicht abwenden.“
Auch über seine Arbeit als Fotojournalist hat er sich verschiedentlich geäußert: „Bei der Fotografie geht es um viel mehr, als nur die Aufnahme von Bildern – es ist eine Lebensweise. Deine Ideologie und Ethik richten sich nach deinem Gefühl und dem, was du ausdrücken möchtest. Es ist eine Sprache, dank der man die Geschichte miterleben kann.“
1988 wurde Salgado Fotojournalist des Jahres in den USA und zudem mit dem „Dr. Erich Salomon-Preis“ ausgezeichnet. Im Jahr darauf erhielt er den „Hasselblad Foundation Award“. 2001 wurde er Botschafter der UNICEF.
Wim Wenders war von Sebastião Salgados Aufnahmen derartig berührt, dass er über diesen außergewöhnlichen Fotoreporter 2014 die Hommage „Das Salz der Erde“ drehte.
Sebastião Salgado starb am 23. Mai 2025 in Paris.
(hhb)
Quellen
Susanne Mayer: Wir sind auch nur Tiere / DIE ZEIT 14/2013 vom 27.3.2013
Carola Padtberg: Das Grauen ästhetisiert / SPIEGEL am 15.7.2019
10 großartige Zitate von Sebastião Salgado über den Fotojournalismus / Canon
Anne Herrberg: Fotograf Sebastião Salgado gestorben / ARD Tagesschau am 23.5.2025
WWF trauert um Sebastião Salgado / WWF Berlin am 27.5.2025
Licht war seine Farbe – Nachruf für Sebastião Salgado / DGPh Deutsche Gesellschaft für Photografie 28.5.2025
Martin Schult: Salgado und wie er die Welt sah / Nachruf für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels am 28.5.2025
Janek Wiechers: "Genesis" – Sebastião Salgados bildgewaltige Hommage an Natur und Mensch / NDR Radio & TV am 23.11.2025
Bücher
Sebastião Salgado: Genesis / Taschenverlag 2012
Sebastião Salgado: Duft der Träume (die Welt des Kaffees) / Knesebeck Verlag 2015
Sebastião Salgado: Exodus / Taschen Verlag 2016
Sebastião Salgado: Gold / Taschen Verlag 2019
Sebastião Salgado: Mein Land, unsere Erde (Autobiographie) / Nagel und Kimche Verlag, 2019
Sebastião Salgado: Amazonia / Taschen Verlag 2021
Sebastião Salgado: Gletscher / Prestel Verlag 2025