Sven Simon war das Pseudonym von Axel Springer jr., der sich als Journalist und vor allem als Sportfotograf einen Namen gemacht hat und mit seinen Fotos zahlreiche Preise gewann. Er nannte sich Sven Simon, weil er ohne die Hilfe oder den Rückhalt seines Vater, dem Verleger Axel Springer, in seinem Metier bestehen und vorankommen wollte.
Axel Springer junior wurde am 7. Februar 1941 als ältester Sohn des Verlegers Axel Cäsar Springer in dessen zweiter Ehe in Hamburg geboren. Nach dem Besuch der Volksschule glich seine weitere Schulzeit „einem Stafettenlauf durch Europas Internate, von der Schweiz bis England“, wie der Junior frozzelte. Denn sein Vater wollte ihn beizeiten zum künftigen Verlagschef aufbauen. Aber das Verhältnis des Juniors zum Vater war immer kompliziert.
Nach seinem Wehrdienst startete Axel Springer junior 1962 beruflich mit einem Volontariat beim Hamburger Abendblatt, das damals zum Springer Verlag gehörte. Schon in dieser Zeit fotografierte er bei Sportveranstaltungen und anderen Ereignissen, wie etwa bei der Hamburger Flutkatastrophe im Februar 1962.
Einweihung Axel-Springer-Verlag Berlin (v.l.n.r.): J. W. Freyburg, Sven Simon, Max Schmeling
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Der frühere BILD-Chefredakteur Karl-Heinz Hagen holte ihn nach München zur Zeitschrift Quick. Danach arbeitete er kurze Zeit als Produktionsleiter für die Illustrierte Revue. Aber immer wieder wandte er sich seiner großen Liebe zu, der Fotografie. 1966 entstand im Wembley-Stadion, offenbar in der Halbzeit des später verlorenen WM-Endspiels gegen England, sein viel gedrucktes Foto, das Uwe Seeler mit hängendem Kopf zeigt. Es wurde zum Sportfoto des Jahrhunderts gewählt.
1967 reiste Sven Simon für die Bunte nach Kuba, wo er Fidel Castro beim Schachspiel ablichtete. Und immer wieder bereiste er Israel, dort traf er 1969 den Staatsgründer Ben Gurion mit dessen Enkel Uri an der Hand.
1970 gründete er in München seine Sven Simon Fotoagentur GmbH & Co. Pressefoto KG im Untergeschoss der Villa der früheren Gisela-Versicherung gegenüber dem Prinzregenten-Theater. In jenem Jahr verewigte Sven Simon, wie er sich nun nannte, Willy Brandt bei seinem legendär gewordenen Kniefall vor dem Ghetto-Denkmal in Warschau. Ein Foto, das wohl auch sein Vater goutierte, der ansonsten Brandt wegen der Ostpolitik bekanntlich heftig in seinen Blättern bekämpfte.
In jenen Jahren entstanden auch die Porträts von Persönlichkeiten wie Goetz George, Klaus Kinski, Hildegard Knef, Romy Schneider und vielen anderen.
Als inzwischen weltweit anerkannter Pressefotograf kehrte Sven Simon 1971 nach Hamburg zurück, in den väterlichen Verlag, um dort nun Verleger zu lernen: „Das Erbsenzählen“, wie er noch in München spöttelte. Er wurde Mitglied der Chefredaktion von Welt am Sonntag.
Von da an war er weltweit unterwegs: 1972 begleitete er Gerhard Schröder, damals Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, nach China. 1973 lag er als Kriegsreporter mit BILD-Kollegen beim Jom-Kippur-Krieg auf den Golan-Höhen im Dreck. Und später auch auf dem Sinai.
Am 3. Januar 1980, im Alter von nur 38 Jahren beging Axel Springer jun. in Hamburg Selbstmord und wurde auf dem Groß Flottbeker Friedhof beigesetzt.
Sein Freund Claus Jacobi, einst mit ihm gemeinsam bei der Welt am Sonntag, bezeichnete ihn als „den Springer zum Anfassen“ im Verlag. Er sei gradlinig und voller Humor gewesen, was Jacobi mit einem Zitat aus dem Verlauf einer Krisensitzung untermauerte. Da hätten mächtige Manager jede Verantwortung von sich gewiesen und alle Schuld Abwesenden in die Schuhe geschoben. Axel junior, um seine Meinung gebeten, hätte geantwortet: „Warum in die Ferne schweifen, lügt das Gute doch so nah."
(hhb)
Quellen:
Ins Ungewisse – SPIEGEL 1/1980
Claus Jacobi: Einatmen, ausatmen, fotografieren – WELT 2006
Die Tragödie von Wembley – ein Bild und seine Geschichte / STERN 2008
Was mag dich in diese Hölle gezogen haben? – SPIEGEL Geschichte 2021
Ich bin selber jemand – Stuttgarter Nachrichten 2021
Bücher:
Sven Simon: Sylt – Abenteuer einer Insel / Hoffmann und Campe 1980
Axel Sven Springer: Das neue Testament – Mein Großvater Axel Springer, Friede, ich und der Strippenzieher. Die wahre Geschichte einer Erbschaft / Haffmans & Tolkemitt 2012