Die deutsche Fotografin Gerda Taro dokumentierte zusammen mit Robert Capa die Gräuel des spanischen Bürgerkrieges. Sie war die wohl erste Frau, die ihr Leben als Fotografin an einer Kriegsfront einsetzte und ... es dort auch verlor.
Gerda Taro wurde am 1. August 1910 als Gerta Pohorylle in Stuttgart geboren. Sie war die älteste Tochter eines im Vorjahr aus Galizien zugewanderten jüdischen Kaufmanns. In Stuttgart wurde Gerta Pohorylle von einer wohlhabenden Tante in deren Obhut genommen; die holte das Mädchen immer mal wieder aus ihrer offenbar strenggläubigen Familie heraus, sorgte für moderne Kleidung und zeitgemäße Bildung und Erziehung. So durfte Gerta in der Schweiz ein Pensionat für höhere Töchter besuchen. Später geschah weiteres durch Gertas großen Freundeskreis – gerade die jungen Leute orientierten sich in jenen „Roaring Twenties“ gern an allem, was als angesagt galt: Dazu gehörte politisches Engagement, moderne Kunst, Film und Fotografie.
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1929 fand in Stuttgart die Internationale Werkbundausstellung Film und Foto statt, ein Ereignis, das sich bei Gerta tief einprägte. Besonders die avantgardistischen Bilderwelten „Neues Sehen“, wo modernes Design, neuartige Illustrierten-Layouts, Gebrauchs- und Werbe-Fotografie gezeigt wurden, beeindruckten sie nachhaltig. Besagter Ausstellungsraum war mit dem Motto versehen „BENÜTZE KUNST ALS WAFFE“ – was sie sich selber zu eigen machte.
1929 zog die Familie nach Leipzig, wo der Vater mit Partnern eine Eier-Importfirma gegründet hatte. Auch in Leipzig hatte Gerta Pohorylle bald wieder einen großen Freundes- und Bekanntenkreis. Sie trieb Sport im jüdischen Sportverein, mit ihren jüngeren Brüdern pflegte sie Kontakte zum Sozialistischen Schülerbund und zu links orientierten Studenten. Sie beteiligte sich an Flugblattaktionen gegen rechts, was unmittelbar nach Hitlers Machtergreifung zu einer kurzfristigen Inhaftierung führte.
Darum ging sie zusammen mit einer Freundin im Herbst 1933 ins Exil nach Paris. Dort mussten die beiden Frauen zunächst in dürftigen Verhältnissen leben, bis Gerta bei der Bildagentur „Alliance Photo“ eine Anstellung als Bildredakteurin bekam.
Hier lernte sie den ungarischen Emigranten Endré Ernö Friedmann kennen und verliebte sich in ihn. Friedman, von Beruf Fotograf, wurde ihr Lehrmeister und unterrichtete sie im Umgang mit der Kamera. Als Fotografen-Gespann wählten sie ein griffiges Pseudonym: Endré Friedmann nannte sich Robert Capa und Gerta Pohorylle wurde zu Gerda Taro. Anfang 1936 erhielt Gerda Taro dann ihren ersten Presseausweis von einer Amsterdamer Fotoagentur.
Im Juli 1937 putschte in Spanien das Militär gegen die gewählte republikanische Regierung. Capa und Taro wollten den nun aufflammenden Kampf der Putschisten gegen die junge spanische Demokratie dokumentieren. Schon im August des Jahres waren sie in Barcelona und wähnten sich dort in der unparteiischen Rolle von Pressebeobachtern. Mit ihren neuartigen Kleinbildkameras konnten sie ihre Bilder inmitten von Kampfhandlungen machen. So wollten sie die Welt mit authentischen Bildern versorgen. In Taros Optik gerieten vor allem die Frauen, zum Beispiel die selbstbewusst kämpfenden Milizionärinnen, die der Welt ein völlig neues Frauenbild boten. Taros Fotos erschienen in den französischen Zeitschriften VU, Ce Soir und Regards, in Illustrated London News oder in der Züricher Illustrierte.
Am 25. Juli 1937 fotografierte Gerda Taro allein an der Brunete-Front nahe El Escorial einen Angriff der deutschen Legion Condor. Deren Bombenhagel überlebte sie, wurde dann aber bei ihrer Flucht aus dem Kampfgebiet versehentlich von einem republikanischen Panzer überrollt und erlag tags darauf in einem englischen Lazarett ihren schweren Verletzungen. An ihrer Beisetzung auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris nahmen Tausende teil; der Trauerzug wurde von Pablo Neruda und Louis Aragon angeführt und geriet zu einer gewaltigen Demonstration gegen einen immer aggressiver auftretenden Faschismus.
Posthum erschienen Fotos von ihr in Life unter dem Titel „The Spanish War Kills Its First Woman Photographer“.
Viele ihrer Fotos wurden später zunächst fälschlicher Weise allein ihrem Lebenspartner Robert Capa zugeordnet – etwa in Hemingways „Photographic Essay“ vom Januar 1941 in Life. Bis dann 2007 im Nachlass eines Diplomaten ein Koffer mit tausenden Fotoabzügen und -negativen in Mexiko entdeckt wurde. Besagter Koffer war 1941/42 offenbar dem Zugriff der Nazis entzogen und aus Frankreich herausgeschmuggelt worden. Darin befanden sich Originalabzüge und Bildnegative, Einzelabzüge und ganze Serien, alles Fotoarbeiten von Robert Capa, Gerda Taro und dem polnischen Fotografen David Seymour. Chim Seymour hat damals eng mit Capa und Taro zusammengearbeitet. Viele dieser Objekte konnten an Hand des Signets „Foto Taro“ und anderer Merkmale nun Gerda Taro zugordnet werden, die ihre Fotos lange Zeit zunächst unter „Capa“, dann unter „Capa & Taro“ veröffentlicht hatte.
Die drei miteinander befreundeten Fotografen Taro, Capa und Seymour waren die Begründer der modernen Kriegsfotografie. Alle drei wurden bei ihrer Arbeit getötet: Gerda Taro 1937 im spanischen Bürgerkrieg; Robert Capa 1954 im Indochina-Krieg und Chim Seymour 1956 im Suez-Krieg.
(hhb)