Hans Rosenthal

Der deutsche Entertainer, Regisseur und Moderator Hans Rosenthal erfand, moderierte und leitete über 3.000 Unterhaltungssendungen. Seine Sendereihe „Dalli Dalli“, die 153mal im ZDF und ORF ausgestrahlt wurde, machte ihn zum Quiz-Master der Nation und zu einer herausragenden Persönlichkeit der bundesdeutschen Funk- und Fernsehunterhaltung.

Hans Günter Rosenthal wurde am 2. April 1925 in Berlin als Sohn einer jüdischen Familie geboren. In Berlin besuchte er die Mittelschule und erlebte schon in jungen Jahren die antisemitische Diskriminierung und die Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Nachdem seine Eltern früh gestorben waren, wuchs er zusammen mit seinem Bruder in einem jüdischen Waisenhaus am Prenzlauer Berg auf. Ab 1940 musste er Zwangsarbeit leisten. Ab März 1943 tauchte er in einer Schrebergartenkolonie in Berlin-Lichtenberg unter, wo er mit Unterstützung von drei nichtjüdischen Frauen aus der Bekanntschaft seiner Familie bis Kriegsende überlebte.

Ab 1945 begann Rosenthal als Volontär beim Berliner Rundfunk und arbeitete sich zum Regie-Assistenten und Aufnahmeleiter hoch. Dort war er auch im Betriebsrat des Senders tätig, wodurch es zu Konflikten mit den Aufsichtsgremien des sowjetisch gesteuerten Senders kam.

Darum wechselte er 1948 zum RIAS Berlin im amerikanischen Sektor, als Aufnahmeleiter und Unterhaltungsredakteur. Dort startete er seine Hörfunk-Reihe „Wer fragt – gewinnt!“, die von 1954 bis 1974 in 316mal gesendet wurde und ihn in Berlin zu einer Radio-Institution machte. Mit dieser Serie begann sein Aufstieg zum Quizmaster der Nation. 1962 wurde Rosenthal Abteilungsleiter Unterhaltung beim RIAS und entwarf zahlreiche Unterhaltungssendungen wie „Allein gegen alle“, „Wer fragt gewinnt“ oder „Spaß muß sein“. Beim Kabarettprogramm „Die Insulaner“ mit Günter Neumann war er in der Hörfunkzeit Aufnahmeleiter und führte dann ab 1962 bei den TV-Versionen Regie.

 

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Von Mai 1971 bis September 1986 wurde Rosenthals Rate-Spielshow für Schnelldenker „Dalli Dalli“ 153mal vom ZDF ausgestrahlt. Anfangs dauerte sie 75 Minuten, aber schon ab März 1973 wurde sie auf 90 Minuten verlängert, weil sich bei jeder Sendung bis zu 16 Millionen Zuschauer begeistert einschalteten.

Nachdem Hans Rosenthal seine jüdische Identität in seiner Biographie „Zwei Leben in Deutschland“ öffentlich bekannt gemacht hatte, entwickelte er sich vom bisher unpolitischen TV-Entertainer zum Zeitzeugen. 1983 rief er spontan in einer Show zum Boykott eines SS-Kameradschaftstreffens in Bad Hersfeld auf. Wonach beim ZDF hunderte von Anrufen und Briefen eingingen, mit Forderungen wie „weg mit dem Judenlümmel aus dem deutschen Fernsehen“. Das zeigte schon damals, dass noch immer der Antisemitismus lebendig und die Aufarbeitung dieser NS-Vergangenheit dringend nötig war. In Bad Hersfeld ging damals ein Ruck durch Teile der Bürgerschaft – es kam zu Protesten gegen den Bürgermeister, der die Stadthalle an die SS-Veteranen vermietet hatte. Die heftigen Gegendemonstrationen wurden auch von Schauspielern der Hersfelder Festspiele unterstützt.

Ab 1973 war Rosenthal Mitglied im Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Schon 1977 wurde er in einer Umfrage als der damals beliebteste Showmaster ermittelt. 1973 erhielt er einen „Bambi“, 1975 und 1985 die „Goldene Kamera“ und 1986 den „Deutschen Fernsehpreis Telestar“ – für den bedankte er sich mit den Worten: „Ich habe heute wieder das Gefühl, zu Ihnen zu gehören, und das macht mich glücklich.“

Hans Rosenthal starb am 10. Februar 1987 im Alter von nur 61 Jahren an Magenkrebs. Er wurde in einem Ehrengrab des Landes Berlin auf dem Jüdischen Friedhof an der Heerstraße beigesetzt.

 

(hhb)

 

Quellen

Thomas Henschke: Rosenthal, Hans Günter / Neue Deutsche Biographie

Sabine Letz: Hänschen, das war spitze! / FOCUSonline vom 13.11.2013

Tim Pröse: Du kannst bei mir bleiben, Hansi - wie Hans Rosenthat den Holocaust überlebte / SPIEGEL Geschichte vom 24.4.2020

SS-Treffen in Bad Hersfeld / Interview mit Julius Klausmann, Ex-DGB-Vorsitzender

Alexander Kühn: Der Haltungskünstler / SPIEGEL Nr.13 vom 22.3.2025

"Der 9. November 1978", Süddeutsche Zeitung 22./23.03.2025

"Man muss Menschen mögen", Hamburger Abendblattt vom 25.03.2025

 

Bücher

Hans Rosenthal: Zwei Leben in Deutschland / 1980

Michael Schäbitz: Hans Rosenthal /Jüdische Miniaturen, Hentrich & Hentrich, 2016