Beruflich war Werner Schneyder ein Allrounder: Er begann als Journalist und Werbetexter, wurde ein bekannter Kabarettist, Sänger, Schauspieler und TV-Entertainer, schrieb Hör- und Drehbücher sowie Kolumnen und Essays, arbeitete aber auch als Theaterregisseur und Sportmoderator.
Werner Schneyder wurde am 25. Januar 1937 in Graz geboren und wuchs in Klagenfurt auf. Schon als Schüler versuchte er sich als Journalist und berichtete über das regionale Sportgeschehen, über Pop-Konzerte und gelegentlich aus dem Stadttheater für die Grazer Kleine Zeitung.
Auf Wunsch seiner Eltern studierte er nach seiner Matura Zeitungswissenschaften und Kunstgeschichte in Wien, wo er mit seiner Dissertation „Die Tageszeitung zwischen Herausgeberprogramm und publizistischem Erfolg“ zum Dr. phil. promoviert wurde.
Danach arbeitete er drei Jahre als Werbetexter und wurde anschließend Dramaturg an den Landestheatern Salzburg und Linz. Ab 1965 schrieb er als freier Autor für den Rundfunk Features und Hörspiele und verfasste weiterhin Theaterkritiken sowie politische Gedichte für verschiedene Zeitungen. Und begann im Fernsehen aktiv zu werden. Schneyder, der sich selber als „Universaldilettant“ bezeichnete, verfolgte seine vielen Interessen immer parallel, arbeitete mithin sein Leben lang in vielen Berufen gleichzeitig.
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1973 kam er nach einer kabarettistischen Lesung in Salzburg mit ► Dieter Hildebrand in Kontakt. Hildebrand, Star der „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“, suchte nach der Auflösung des bisherigen Ensembles nach neuen Darstellungsmöglichkeiten. So entstand im Jahr darauf das Kabarett-Duo Hildebrand/Schneyder, das bis 1982 fünf überaus erfolgreiche politische Satire-Programme schuf – „Talk täglich“, „Lametta & Co.“, „Wie abgerissen“, „Keine Fragen mehr“ und „Ende der Spielzeit“, die sie im Fernsehen sowie im gesamten deutschen Sprachraum als Bühnenauftritte präsentierten.
Nachdem man sich danach von der Kabarett-Bühne verabschiedet hatte, setzte man die Zusammenarbeit aber im ZDF fort und fand sich noch einmal auf der Kabarett-Bühne zusammen: 1984 mit dem bedeutsamen Gastspiel in der DDR: „Zugabe Leipzig“.
Seit 1982 trat Werner Schneyder dann in der Tradition des literarischen Kabaretts mit Soloprogrammen wie „Zwischentöne“ auf und gestaltete auch Chanson-Auftritte. Bis er sich dann 1996 vorläufig von der Kabarettbühne zurückzog, aber zwölf Jahre später doch nochmals zurückkehrte: zunächst mit dem Programm „Abschiedsabend“ und 2009 als „Kabarentner“.
Untätig war er aber zu keiner Zeit: Er moderierte im Bayerischen Rundfunk die TV-Talkshow „Meine Gäste und ich“, war Gastmoderator im ZDF-Sportstudio, kommentierte vor allem Boxkämpfe fürs Fernsehen und sprach in seinen Interviews stets Klartext – zum Beispiel im Januar 2017 im Deutschlandfunk über Populisten wie Donald Trump, schon in dessen erster Präsidentschaft: „Man kann den (Trump) nicht mit einfachen Witzen abspeisen, dazu ist es viel zu gefährlich. Was er Regierung nennt, ist ja ein elitäres Gangster-Syndikat.“
Zudem verfasste Schneyder zahlreiche Kolumnen und Essays, unter anderem für DIE ZEIT – wie zuletzt seine Serie „Der Theaterbesucher“, worin er über seine Theater- und Opernbesuche berichtete:
Schneyder schrieb mehrere Komödien und spielte immer wieder selber Theater, etwa zusammen mit Dieter Hildebrand in Neil Simons „Sonny Boys“ in den Münchner Kammerspielen sowie in Gastspielen. Oder zuletzt an seinem 80zigsten Geburtstag im Akademietheater der Wiener Burg mit seinem Abgesang „Das war’s von mir“.
Schneyder, Mitglied des Pen-Clubs in Österreich, wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse, mit dem Nestroy-Ring und dem Goldenen Verdienstzeichen der Stadt Wien, mit dem Deutschen Kleinkunstpreis oder dem Bayrischen Ehrenkabarettpreis.
Werner Schneyder starb am 2. März 2019 im Alter von 82 Jahren in Wien.
(hhb)
Quellen
Werner Schneyder / ÖKA Österreichisches Kabarett Archiv
Werner Schneyder / Wien Geschichte
Werner Schneyder in der ZEIT / von 1999 bis 2019
Die österreichischen Wähler haben die Nase voll – im Gespräch mit Marianne Allweiss und André Hatting / Deutschlandfunk am 10.5.2016
Waltraud Schwab: Man soll sein Gesicht zeigen / taz am 9.9.2017
Kabarettist Werner Schneyder ist tot / ORF am 3.3.2019
Werner Schneyder ist tot / SPIEGELKultur am 3.3.20019
Willi Winkler: Der Kabarettist und Ringrichter / Südd. Zeitung am 3.3.2019
Das Spiel ist aus – zum Tode des größten österreichischen Geistes Werner Schneyder / Merkur am 4.3.2019
Das war’s von mir / Deutschlandfunk am 6.3.2019
Bücher + Schriften
Werner Schneyder: Gelächter vor dem Aus / Kindler, 1980
Werner Schneyder: Erich Kästner – ein brauchbarer Autor / Kindler, 1982
Werner Schneyder: Schlafen Sie gut, Herr Tucholsky / Kindler, 1983
Werner Schneyder: Das Gefährliche an der Kunst / Knaur, 1994
Werner Schneyder: Reimzeit / K&S, 1995
Werner Schneyder: Schreibzeit / K&S, 1996
Werner Schneyder: Ich, Werner Schneyder – Meine zwölf Leben / Amalthea, 2006
Werner Schneyder: Von einem der auszog politisch zu werden / 2014