Der amerikanische Journalist Robert H. Lochner half Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg beim Neuaufbau von freien Medien. Er war Chefredakteur der Neuen Zeitung in Frankfurt und ab 1961 Direktor von RIAS Berlin. In Berlin wurde er zum „amerikanischen Berliner“, der unter anderem mit John F. Kennedy seinen berühmten Satz „Ich bin ein Berliner“ einübte.
Robert H. Lochner wurde am 20. Oktober 1918 in New York als Sohn des deutschstämmigen Journalisten Louis Paul Lochner geboren. Sein Vater war ab 1921 in Berlin zunächst als Korrespondent für The Federated Press akkreditiert und danach ab 1924 für Associated Press. Deren Deutschland-Büro leitete er bis zur deutschen Kriegserklärung an die USA am 10. Dezember 1941. Darum wuchs Robert H. Lochner in Berlin auf, besuchte hier die Höhere Waldschule in Eichkamp und machte dort 1936 sein Abitur.
Danach studierte er ein Semester an der Berliner Universität und ging danach in die USA, um an der University of Chicago Politik- und Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Von 1941 bis 1945 produzierte er dann Nachrichten- und Kommentar-Sendungen in deutscher Sprache von New York aus, für den Kurzwellendienst der NBC National Broadcasting Company.
1. Reihe v.l.n.r: James B. Conant, Carlo Schmid, Herbert Hoover, Robert Lochner; 1954
Copyright: ullstein bild - ullstein bild
Im Mai 1945 kehrte er als Major nach Deutschland zurück und wurde im Herbst mit Sitz in Bad Nauheim Leiter der Nachrichtenabteilung für die vier US-Zonensender Frankfurt, München, Stuttgart und Bremen. Danach ab 1947 war er Chef-Kontrolloffizier von Radio Frankfurt, bis der Sender 1949 in deutsche Hände übergeben wurde. Von 1949 bis 1952 war Lochner Chefredakteur der Neuen Zeitung in Frankfurt. Anschließend wurde er Mitglied im Diplomatischen Dienst der USA, von 1952 bis 1955 als Pressechef der amerikanischen Hochkommission.
Danach wechselte er nach Vietnam als Leiter der Informationsabteilung in der US-Botschaft von Saigon. Nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten war er von 1958 bis 1961 Leiter der europäischen Abteilung der „Stimme Amerikas“.
Von 1961 bis 1968 arbeitete er dann wieder in Berlin, als Direktor des Senders RIAS Berlin. Und kehrte 1968 zurück in den diplomatischen Dienst, nun als Presse- und Kulturattaché der amerikanischen Botschaft in Bern.
Und immer wieder half er seinen Landsleuten als Dolmetscher: 1954 bei der Vier-Mächte-Konferenz in Berlin, 1955 bei den Verhandlungen zum Staatsvertrag Österreichs und schließlich 1963 beim Deutschland-Besuch von John F. Kennedy. Mit Kennedy übte er die deutsche Aussprache seiner Botschaft an die Berliner und die Welt vom Balkon des Schöneberger Rathauses – mit Hilfe einer Lautmalerei in Kennedys Redemanuskript: „Ish bin oin bear-LEAN-ar!“
1971 kehrte Lochner dann endgültig nach Berlin zurück und war hier bis 1996 Direktor des von Axel Springer gegründeten Internationalen Instituts für Journalismus sowie Vorsitzender des Internationalen Journalistenverbands in der Stadt. Von 1972 bis 1991 arbeitete er zudem als Korrespondent für die ABC American Broadcasting Company und die Schweizer Nachrichtenagentur. Und natürlich war er Mitglied im Verein der Ausländischen Presse zu Berlin.
Robert H. Lochner wurde mehrfach ausgezeichnet: mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, mit dem Verdienstkreuz des Landes Berlin, der Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen und der Lucius D. Clay-Medaille. Außerdem erhielt er die Berliner Freiheitsglocke in Silber.
Robert H. Lochner starb am 21. September 2003 im Alter von 84 Jahren in Berlin und wurde dort auf dem Dahlemer Waldfriedhof am Hüttenweg beigesetzt.
(hhb)
Der ehemalige Direktor des RIAS Berlin Robert Lochner, der mit 17 Jahren als Fahrer und Dolmetscher bei den Olympischen Spielen arbeitete, erinnert sich im Zeitzeugen-Portal an die internationale und liberale Atmosphäre, die während der Spiele in Berlin herrschte.
Robert Lochner, Sohn des Chefs des Associated Press-Büros in Berlin, erinnert sich im Zeitzeugen-Portal an ein Treffen des Widerstands in der elterlichen Wohnung. Dabei bewertet er auch den Boykott-Versuch der Olympischen Spiele 1936.
Quellen:
Robert H. Lochner – DIAS & RIAS-Chef / Biographische Notizen
„Ich bin ein Berliner“ – Dolmetscher Robert H. Lochner übt Aussprache mit Kennedy
Dolmetscher, Radio-Journalist, RIAS-Direktor: Robert H. Lochner blickt zurück / BZ vom 5.12.2002
Michael L. Müller: Was macht eigentlich Kennedy-Dolmetscher Robert H. Lochner? / DIE WELT vom 23.4.2003
Interview mit Robert Lochner (in englischer Sprache)
Bücher:
Louis Paul Lochner: Stets das Unerwartete – Erinnerungen aus Deutschland 1921 – 1953 / Schneekluth 1955
Robert H. Lochner: Ein Berliner unter dem Sternenbanner / Edition Goldbeck-Löwe 2002