Clemens Münster

Clemens Münster war Schriftsteller, Journalist und Fernsehdirektor. Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg war er zunächst Mitherausgeber der Frankfurter Hefte und ab 1949 bis 1971 beim Bayerischen Rundfunk in leitender Funktion tätig.

Clemens Münster wurde am 15. Januar 1906 in Cochem an der Mosel als Sohn eines Landgerichtspräsidenten geboren. Er besuchte das Gymnasium Paulinum im westfälischen Münster und studierte dort sowie in München Physik, Chemie und Mathematik. Bis 1933 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent an Instituten in Jena und Bonn und schließlich als Leiter einer Entwicklungsabteilung bei der Carl Zeiss AG in Jena.

Ab 1945 gab er zusammen mit Eugen Kogon und Walter Dirks die Frankfurter Hefte heraus. 1949 holte ihn Intendant Rudolf von Scholtz zum Bayerischen Rundfunk. Bis Februar 1954 war Clemens Münster dort als Chefredakteur für das Ressort Kultur und Erziehung verantwortlich.

 

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BR-Fernsehdirektor Clemens Münster (li.) präsentiert der Presse stolz die Fernsehtechnik in den Erprobungsstudios des Bayerischen Rundfunks in der Blindenanstalt an der Münchner Lothstraße

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Copyright: Historisches Archiv des BR, Signatur F04.529 / Fotograf Georg Schödl

Copyright: Historisches Archiv des BR, Signatur F69.46 / Fotograf Hans Grimm, 6.05.1953

Schon 1953 richtete er ein Fernseh-Versuchsstudio in München ein und wurde daraufhin Fernsehdirektor beim Bayerischen Rundfunk, verantwortlich für alle BR-Beiträge innerhalb der ARD wie auch für das Regionalprogramm. Bis 1960 war er nebenher noch Koordinator des Deutschen Fernsehens.

Clemens Münster war ein kritischer Geist, der aus seinem Herzen keine Mördergrube machte. So lehnte er die von F.J. Strauß geforderte Atombewaffnung der deutschen Bundeswehr strikt ab. In der katholischen Kulturzeitschrift Hochland veröffentlichte er dazu im Dezember 1958 einen Artikel zu der Frage: „Ist die Atombombe kontrollierbar?“ Als gläubiger Katholik schrieb er, „dass der Christ die Ausrüstung mit taktischen Atomwaffen ebenso wie die H-Bombe ablehnen muss.“

1959 sagte er: „Nur wer unabhängig ist, findet die Wahrheit. Nur wer unabhängig ist, ist vertrauenswürdig.“ So sah er seine Aufgabe und die der Journalisten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehen.

In der Christlich Sozialen Union CSU war man schon damals anderer Ansicht. Schon Ende der 50er Jahre begannen die Pressionen aus der Partei – es zeigte sich eine Tendenz zur Gleichschaltung beider Medien durch permanente Einreden aus dem Rundfunkrat. Aber es sollte noch weitere zwölf Jahre dauern, bis der CSU-Vorsitzende F.J. Strauß rund um den Intendanten-Wechsel von Christian Carl Wallenreiter zu Reinhold Vöth seine Partei endgültig die Macht im Rundfunkrat ergreifen ließ, trotz Verfassung und vorliegender Gerichtsurteile. 1972 wurden die Sitze im Rundfunkrat von bisher 41 auf nun 59 vermehrt, vor allem mit der Partei nahestehenden Personen. Der nun CSU-hörige Rundfunkrat sollte die Programme des BR nicht nur kontrollieren, sondern auch die Inhalte (mit)bestimmen – vor allem vor anstehenden Wahlkämpfen. Alle leitenden Angestellten erhielten nur noch Fünfjahresverträge und konnten so stärker unter Druck gesetzt werden.

Schon bei seinem Abschied vom BR im Jahr 1971 hatte Clemens Münster die „planmäßige Gleichschaltungstendenz“ durch die CSU beim Bayerischen Rundfunk auch öffentlich kritisiert.

Der SPIEGEL notierte dazu am 5. März 1972 über besagtes ►„Böses Spiel: „Es war ein böses Spiel, das in diesen Wochen und Tagen in München gespielt wurde, Symptom einer ernsten Krise unserer Demokratie. Der miserable Stil, in dem ein anerkannt gutes Gesetz aus engstirnigem Machtdenken in ein schlechtes verwandelt wurde, das ist die eine Seite. Die andere, daß ein lebenswichtiges Organ der Gesellschaft, dessen gesunde Funktion mit seiner Unabhängigkeit, dessen Glaubwürdigkeit mit seiner Freiheit steht und fällt, mutwillig zerstört, ein Orchester durch Biasmusik ersetzt wird. Im übrigen wird es nicht bei solcher Gaudi bleiben: Schon jetzt zeichnet sich das Geschäft mit privatem Fernsehen am weißblauen Horizont ab.“

Clemens Münster gehörte zu den Gründern der Hochschule für Fernsehen in München und lehrte dort ab 1967 nebenberuflich als Professor. Von 1969 bis 1973 war er dort Direktor. 1973 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1, Klasse.

Als Pensionär verfasste er mehrere ►Fernsehspiele, dazu wissenschaftliche Artikel und einen Roman.

Clemens Münster starb am 27. April 1998 in Ainring/Oberbayern.

(hhb)

 

Quellen:

Böses Spiel in miserablen Stil / SPIEGEL 11/1972 vom 5.3.1972

Bayerische Initiative Rundfunkfreiheit e.V.: Warum Bayern eine Bürgerinitiative Rundfunkfreiheit braucht

Deutschlandfunk, Hartmut Goege, 22.05.2006: Maulkorb für Hildebrandt