Dieter Stolte arbeitete als Journalist, Programmplaner und Intendant beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehen – allein 37 Jahre davon für das Zweite Deutsche Fernsehen ZDF. Daneben engagierte er sich als Dozent an der Hochschule für Fernsehen und Film in München und als Professor für Medientheorie und Medienpraxis an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg.
Dieter Stolte wurde am 18. September 1934 in Köln geboren. Nach seinem Abitur in Worms studierte er Philosophie, Geschichte und Germanistik in Tübingen und Mainz. Zur Finanzierung seines Studiums arbeitete er schon nebenher als freier Journalist für einen Radiosender – sein erster Kontakt zum Hörfunk.
Nach seinem Studium begann er 1961 zunächst beim Saarländischen Rundfunk als Leiter der Abteilung Wissenschaft. Im Jahr darauf wechselte er zum neu gegründeten ZDF – dort war er bis 1967 persönlicher Referent des Gründungs-Intendanten Karl Holzamer. Von 1967 bis 1973 war Stolte dann der Leiter der Programmplanung und übernahm außerdem von 1968 bis 1970 noch einen Lehrauftrag an der Hochschule für Fernsehen und Film in München.
Anschließend machte er zwischen 1973 und 1976 einen Abstecher zum Südwestfunk in Baden-Baden, als Fernsehdirektor und stellvertretender Intendant.
Dieter Stolte auf einer Veranstaltung der Bertelsmann Stiftung am 29. und 30. Oktober 2000
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1976 kehrte er als Programmdirektor zum ZDF zurück, wo er das „heute-journal“ aus der Taufe hob und die zweite Abendausgabe dieser heute-Sendung zu einem Magazin gestaltete. Danach, in den 20 Jahren seiner ZDF-Intendanz ab 1982, wurde Stolte zu einem „prägenden Architekten des ZDF und seiner Programmangebote“, so der spätere ZDF-Intendant Norbert Himmler. In diesen Jahren starteten erfolgreiche Programmmarken wie „Terra X“, „Der Fernsehfilm der Woche“ oder der „Samstagskrimi“. Das „ZDF-Mittagsmagazin“ wurde 1989 gestartet, das „ZDF-Morgenmagazin“ dann 1992. Und 1990 hatte er den TV-Liebling Thomas Gottschalk für „Wetten dass?“ zurückgeholt.
Stolte machte das ZDF beizeiten zu einem modernen und zukunftssicheren Medienunternehmen. Mit den vier Kabelpilotprojekten 3sat, arte, KiKa und Phoenix legte er den Grundstein zur digitalen Transformation. Denn in der Zeit seiner Intendanz musste sich das öffentlich-rechtliche ZDF auf die Konkurrenz neuer privater TV-Sender einstellen und sich dafür entsprechend rüsten.
Nach der deutschen Wiedervereinigung sorgte Stolte umgehend für den Aufbau von ZDF-Studios in den ostdeutschen Bundesländern. Und als ZDF-Intendant war Stolte Gründungsintendant von Deutschlandradio, das im Januar 1994 als Ost-West-Neugründung aus den ehemaligen Sendern Deutschlandfunk, RIAS und DS Kultur entstand. Deutschlandradio wurde schnell zu einem wichtigen Teil des bundesweiten Hörfunks und zu einer weiteren Erfolgsgeschichte im Verlauf der deutschen Wiedervereinigung.
Dazu schrieb Stolte 2019 zum 25-jährigen Bestehens des Senders: „Mit keinem Sender war ich lebensgeschichtlich schon so früh verbunden wie mit dem Deutschlandradio. Seine Wurzeln – RIAS Berlin und Deutschlandfunk – reichen bis in meine Jugendzeit, die ich als Folge des Zweiten Weltkrieges in der SBZ/DDR verbrachte.“
Nach seinem Abschied vom ZDF wurde Dieter Stolte von 2002 bis 2006 Herausgeber zweier Zeitungen des Axel Springer Verlags in Berlin, der WELT und der Berliner Morgenpost. Bis 2014 war er zudem Aufsichtsratsvorsitzender der Ströer Media SE.
In den Jahren 2003 bis 2016 gehörte Stolte zum Kuratorium für den Journalistenpreis der Digitalpublisher und Zeitungsverleger BDZV – bekannt als „Theodor-Wolff-Preis“. 2006 wurde er Vorsitzender im Museumsverein des Deutschen Historischen Museums in Berlin sowie Mitglied im Kuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
1983 erhielt Stolte den Bambi, 1985 dann die Goldene Kamera.1990 wurde er mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Neben zahlreichen weiteren Ehrungen erhielt er 2002 den Medienpreis Goldene Feder für sein Lebenswerk.
Dieter Stolte litt zuletzt zunehmend an gesundheitlichen Problemen, darunter an Parkinson. Er starb am 10. Dezember 2023 im Alter von 89 Jahren in Berlin. Dort wurde er auf dem Friedhof Dahlem beigesetzt.
Der ehemalige ZDF-Chefredakteur Klaus Bresser: „Wir sind tieftraurig. Dieter war uns ein guter Freund und ein herausragender Intendant, der das Wohl des ZDF immer fest im Blick hatte. Er bewies großes Geschick, die damaligen Einflussversuche der Politik vom Sender fernzuhalten.“
(hhb)
Quellen
Biographie Dieter Stolte / ZDF Presseportal
Dieter Stolte mit 89 Jahren verstorben / ARD Tagesschau am 11.12.2023
Ex-ZDF-Intendant Dieter Stolte ist gestorben / TVSpielfilm am 11.12.2023
Deutschlandradio trauert um Gründungsintendant Dieter Stolte / Deutschlandradio 12.12.2023
Langjähriger ZDF-Intendant Dieter Stolte ist tot / Focus am 12.12.2023
Trauer um Dieter Stolte / BDZVBundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger
Dieter Stolte war Motor der Medienentwicklung / Landesregierung Rheinland-Pfalz 12.12.2023
Bücher + Schriften
Dieter Stolte: Fernsehkritik – im Streit der Meinungen von Produzenten, Konsumenten, Rezensenten / Hase & Koehler Verlag, 1969
Dieter Stolte: Das Fernsehen und sein Publikum. Studien zum Tagesablauf 1970/71 / Hase & Koehler Verlag, 1973
Dieter Stolte: Die Rolle der Medien in einer freiheitlichen Gesellschaft – Eichstätter Hochschulreden 65 / Minerva-Publ 1988
Dieter Stolte u.a.: Die Zukunft des Fernsehens / Kohlhammer Verlag, 1996
Dieter Stolte: Bleibt Fernsehen Fernsehen? – Fernsehen im multimedialen Wettbewerb / ZDF Schriftenreihe Heft 52, 1997
Dieter Stolte: Wie das Fernsehen das Menschenbild verändert / C.H. Beck 2004
Dieter Stolte: Mein Leben mit dem ZDF–Geschichte und Geschichten / Nicolai 2012