Prof Dr. Günther von Lojewski war Journalist, Rundfunkredakteur, Fernsehmoderator und in der Wendezeit Intendant des Berliner Teilstadtsenders SFB. Den Sender Freies Berlin machte er nach der Wiedervereinigung zur Rundfunkanstalt für die gesamte Stadt. Parallel dazu leitete er die Vorarbeiten für eine Fusion des SFB mit dem ORB Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg zum ARD-Sender RBB Rundfunk Berlin-Brandenburg.
Günther von Lojewski wurde am 11. Juni 1935 in Berlin geboren. Sein Vater war Werner von Lojewski, Pressechef bei der CDU-Bundesleitung. Nach der Schulzeit studierte Günther von Lojewski Geschichte, Germanistik und Staatswissenschaften und wurde in Bonn mit einer Studie über die „Bayerische Bistumspolitik in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts“ promoviert.
Nach dem Studium entschloss er sich Journalist zu werden und begann 1960 als Volontär bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. 1964 wechselte er ins innenpolitische Ressort der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wo er 1969 den Theodor-Wolff-Preis erhielt.
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Noch im Jahr 1969 übernahm Lojewski dann die Nachrichtenredaktion beim ZDF und schuf dort das ZDF heute-journal. Sein nächster Wechsel führte ihn zum Bayerischen Rundfunk, wo er von 1977 bis 1989 Chef der „Report“-Redaktion war und Moderator von „Report München“.
Im April 1989, nur wenige Monate vor der Wende, wurde Lojewski zum Intendanten des SFB Sender Freies Berlin gewählt. Am Tag der Wende, am 9. November 1989, ist der SFB live mittendrin und strahlt Nachrichten und Bilder über den Mauerfall für ganz Berlin aus, anders als der DFF. Und hilft so dabei, dass die Berliner Mauer noch an diesem Abend aufgeht.
1997 gab Lojewski sein Amt als Intendant des SFB wegen gesundheitlicher Probleme ab. Erst 2003, also nach seinem Ausscheiden, kam es zu der von ihm maßgeblich betriebenen und vorbereiteten Fusion des Stadtteilsenders SFB mit dem ORB Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg. Daraus entstand der ARD-Sender RBB Rundfunk Berlin-Brandenburg.
Nach seinem Ausscheiden beim SFB übernahm er 1997 eine Honorarprofessur an der Freien Universität Berlin als Experte für Rundfunkpolitik und Medienrecht. Im Jahr 2000 veröffentlichte er das Buch „Rundfunkwende“, in dem er den Umbruch des deutschen Rundfunksystems nach der Wiedervereinigung beschrieb.
Günther von Lojewski war ein konservativer Journalist der alten Schule, der die jeweils aktuellen Entwicklungen in Politik und Gesellschaft stets mit unvoreingenommenem Blick beschrieb und kommentierte. Bis ins hohe Alter verfasste er Gastbeiträge für die FAZ. In seinem letzten Text am 28.2.2014 „Wir Journalisten“ schrieb er, nachdenklich geworden: „Es sei wohl an der Zeit, dass wir, wir Journalisten, die wir so gern alles (besser) wissen und jeden kritisieren, einmal uns selbst zum Gegenstand öffentlichen Diskurses machen, unsere Standards, unser Ethos und unser Verhältnis zu Freiheit und Macht“.
Seine Begründung für dieses Urteil: Seit Beginn der Digitalisierung würden immer mehr Fake-News von Politikern oder aus der Wirtschaft die Öffentlichkeit überschwemmen – leider würden sie sogar oft noch ohne Fakten-Check von den klassischen Medien Print, Radio und Fernsehen weiterverbreitet. Damit gingen journalistische Standards verloren. Journalisten müssen Kontrolleure öffentlicher Macht bleiben und sich nicht zu deren Teilhabern entwickeln. Denn das würde die im Grundgesetz festgelegte Gewaltenteilung durch Pressefreiheit gefährden.
Am 26. Februar 2023 starb Günther von Lojewski im Alter von 87 Jahren in Grasbrunn bei München.
(hhb)
►Wir Journalisten von Günther von Lojewski, FAZ vom 28.02.2014 © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv
►Nachruf auf Günther von Lojewski vom RBB und als ►Video
►Nachruf auf Günther von Lojewski in der FAZ
►Nachruf auf Günther von Lojewski in "Grasbrunn aktuell"