Rudolf von Scholtz war Schriftsteller und Übersetzer sowie ab 1926 Redaktionsmitglied bei der Deutschen Stunde in Bayern. Für diesen Sender erstellte er spannende Live-Reportagen. Nach der Machtübernahme der Nazis und ihrem Zugriff auf alle Rundfunksender zog er sich sofort zurück. Bis Kriegsende arbeitete er als Lektor für die Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart. Nach dem Krieg bestellte ihn die US-Militärregierung zunächst als Oberbürgermeister von Passau, dann wurde er Sendeleiter von Radio München. 1949 wurde Rudolf von Scholtz einstimmig zum ersten deutschen Intendanten des Bayerischen Rundfunks gewählt.
Rudolf von Scholtz wurde am 22. September 1890 in Wiesbaden geboren. Da seine Familie von 1894 bis 1905 in Petersburg lebte, besuchte er dort das deutsche Gymnasium. 1905 zog er nach Weimar und machte hier im Jahr 1910 sein Abitur. Anschließend studierte er Sprachwissenschaften, Philosophie und Nationalökonomie in Leipzig und München. Im Ersten Weltkrieg wurde er schwer verwundet und diente zuletzt als Dolmetscher für Russisch bei der Obersten Heeresleitung in Berlin.
In der Weimarer Republik wurde er vorübergehend Sekretär der pazifistischen „Heidelberger Vereinigung“. 1920 zog sich von Scholtz dann an den Ammersee zurück, schrieb dort Romane, arbeitete als Lektor für den Drei Masken Verlag in München, übersetzte Novellen etwa von Rudyard Kipling und wurde Mitarbeiter der Österreichischen Rundschau in Wien.
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1926 berief ihn die Deutsche Stunde Bayern GmbH in ihre Programmredaktion. Bei ihr handelte es sich um eine privatwirtschaftliche Gesellschaft, die das erste Rundfunkprogramm in Bayern ab Ende März 1924 auf Kurzwelle ausstrahlte. Dieser bayerische Sender war eine Tochtergesellschaft der Deutschen Stunde, die wiederum zu einem Wirtschaftsnachrichtenbüro gehörte. Von Scholtz produzierte dort erstmals Live-Reportagen, damals eine neuartige Sendeform. Daraufhin wurde er Leiter der Nachrichtenredaktion.
Nachdem die Nazis 1933 die Macht übernommen hatten, verließ von Scholtz die Deutsche Stunde in Bayern, zog nach Neustadt am Inn und bestritt seinen Lebensunterhalt wieder als Lektor und Übersetzer von Büchern.
Nach dem Zweiten Weltkrieg machte ihn die amerikanische Militärregierung ab Juli 1945 zum Oberbürgermeister in Passau. Ein gutes Jahr darauf wurde er Sendeleiter von Radio München, einem Sender der Militärregierung zum Zweck der „reeducation“. Im Dezember 1947 löste er den amerikanischen Intendanten ab, den Diplomaten Edmund Schechter, und wurde erster deutscher Senderchef.
1949 ging Radio München in deutsche Verantwortung über, wurde zum BR Bayerischen Rundfunk und Rudolf von Scholtz sein Intendant. In seiner Amtszeit baute er 1950 ein UKW-Netz auf und startete ein zweites Hörfunkprogramm. 1953 begann der Probebetrieb für ein Fernsehprogramm, außerdem gründete er zwei Rundfunk-Orchester und einen Rundfunk-Chor.
Mit großem Nachdruck verteidigte er, anders als mancher seiner Nachfolger, die im Bayerischen Rundfunkgesetz garantierte Selbstverwaltung und Programm-Autonomie für den Bayerischen Rundfunk. Zwei Jahre hatten die Verhandlungen darüber zwischen den Amerikanern und der Landesregierung gedauert, bis man sich so geeinigt hatte. Das Rundfunkgesetz berücksichtigte die amerikanische „Erklärung über Rundfunkfreiheit in Deutschland2 aus dem Jahr 1946, mit den so bezeichneten „10 Geboten“ in anglo-amerikanischer Tradition: Meinungsfreiheit, objektive und ausgewogene Berichterstattung sowie die Möglichkeit zu demokratischer Kritik. Auf Grund der Erfahrungen aus der Zeit des Nationalsozialismus sollte nun ein föderaler Rundfunk aufgebaut werden, kontrolliert von einem Rundfunkrat, der die Gesellschaft ausgewogen repräsentierte. Dessen Aufgabe war es sicher zu stellen, dass die Sender „unbeeinflusst von irgendeiner Gruppe mit Sonderinteressen“ der Allgemeinheit dienen können.
Darum wandte sich Rudolf von Scholtz, mit Blick zurück auf die NS-Zeit, gegen alle Versuche, den deutschen Rundfunk erneut wieder stärker zu zentralisieren. Auch im Verbund der öffentlich-rechtlichen ARD, deren Vorsitzender er 1953/54 war, wahrte er kompromisslos die Eigenständigkeit seines Senders.
Doch schon in den Festreden anlässlich der Übergabe des BR im Januar 1949 waren die unterschiedlichen Vorstellungen über die Ausrichtung des Senders deutlich geworden. Vom bayerischen Ministerpräsidenten Hans Ehard hieß es: „Wir erwarten, dass im Bayerischen Rundfunk unser bayerisches Denken, Fühlen und Wollen auf allen Gebieten zum Ausdruck komme.“
Der Direktor der US-Militärregierung in Bayern, Murray D. van Wagoner, hatte etwas andere Vorstellungen: „Der Bayerische Rundfunk sollte allen besonderen Bedürfnissen und Geschmacksrichtungen des bayerischen Volkes gerecht werden und hierbei vor allem bayerische Traditionen, Sitten und Ereignisse berücksichtigen. Zugleich sollte er aber seinen Hörern Programme bieten, die auch ihren Wünschen hinsichtlich außerbayerischer Ereignisse Rechnung tragen. Es muss ein glückliches Gleichgewicht bei den Sendungen über bayerische Angelegenheiten und jenen der deutschen und internationalen Entwicklungen bestehen.“
Bereits Alois Hundhammer, der bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultur, der dem katholisch-konservativ-altbayerischen Flügel der CSU angehörte, versuchte immer wieder über den mehr und mehr von der CSU parteipolitisch dominierten Rundfunkrat Druck auf die Programmgestaltung des Senders auszuüben.
Rudolf von Scholtz starb am 10. März 1956 in München.
Besagter Druck auf seine Nachfolger in der BR-Intendanz führte schließlich zu Protesten aus der Bevölkerung durch eine „Bayerische Initiative Rundfunkfreiheit e.V.“ ►Warum Bayern eine Bürgerinitiative Rundfunkfreiheit braucht
Und 1986 kam es zu einem handfesten Skandal, als der Bayerische Rundfunk sich kurzerhand aus einer Übertragung der Kabarett-Sendung „Scheibenwischer“ mit Dieter Hildebrandt ausblendete ►Maulkorb für Hildebrandt
(hhb)
Quellen:
Albert Scharf: Deutsche Biographie
Radio Munic/Radio München / Sendestart am 12. Mai 1945
Aus Radio München wird der Bayerische Rundfunk
Das hätte nicht nach Demokratie ausgeschaut / SZ vom 4.11.2018