Friedrich Austerlitz

Der österreichische Journalist und Politiker Friedrich Austerlitz setzte sich engagiert für die Pressefreiheit und das allgemeine und gleiche Wahlrecht im Lande ein. Von 1895 bis 1931 war er Chefredakteur der AZ Arbeiter-Zeitung. 1919 wurde er Mitglied der konstituierenden Nationalversammlung und blieb bis 1930 Abgeordneter im österreichischen Parlament.

Friedrich Austerlitz wurde am 25. April 1862 in Hochlieben bei Melnik in Mittelböhmen geboren. Dort wuchs er in einfachen Verhältnissen auf, besuchte aber von 1870 bis 1879 die Bürgerschule in Jungbunzlau. Austerlitz musste für seinen Lebensunterhalt früh selbst sorgen und arbeitete daher ab 1876 auch als Knecht, als Lagerarbeiter und Handlungsgehilfe.

1888 wurde er von Victor Adler entdeckt – einem Arzt, Journalisten und Politiker, der die Sozialdemokratische Arbeiterpartei in Österreich gegründet hatte und in Wien die Arbeiter-Zeitung herausgab. Austerlitz begann 1888 für das Blatt zu arbeiten und außerdem als Wiener Korrespondent für den Berliner Vorwärts. 1895 wurde Austerlitz Chefredakteur der AZ, nachdem sie zur Tageszeitung umgestellt worden war. Denn für Adler war es wegen seiner politischen Funktionen unmöglich, sich täglich um das Blatt zu kümmern. Austerlitz aber war ein Vielschreiber, der auch noch für die deutsche SPD-Wochenschrift Die Neue Zeit arbeitete.

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Friedrich Austerlitz setzte sich für verbesserte Arbeitsverhältnisse wie den Achtstunden-Tag ein und für geregelte Arbeitszeiten. Außerdem engagierte er sich besonders für die Pressefreiheit. So kritisierte er den 1902 im Reichsrat eingebrachten Entwurf für ein neues Pressegesetz scharf. Auf das republikanische Pressegesetz von 1922 – nach dem Untergang der Donau-Monarchie – hatte er später großen Einfluss. Damals forderte er zudem das allgemeine und gleiche Wahlrecht sowie eine sozialistisch ausgerichtete Wirtschaftsordnung.

Friedrich Austerlitz war Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und wurde 1919 in die Konstituierende Nationalversammlung und dann ab 1920 dreimal in den Nationalrat gewählt, dem er bis zu seinem Tod angehörte. 1919 wurde er zudem auf Lebenszeit in den Verfassungsgerichtshof berufen.

In den 1920er Jahren war es auch in Österreich durch die aufgeheizte Atmosphäre in der Nachkriegszeit immer wieder zu Anschlägen von nationalistischen Gruppen und Heimatschutz-Verbänden gekommen. Etwa am 30. Januar 1927 im burgenländischen Grenzort Schattendorf. Deren Bevölkerung war mehrheitlich sozialdemokratisch. An jenem Tag kam es zu einem Zusammenstoß zwischen den dort aufmarschierten rechtsradikalen Frontkämpfern und den sozialdemokratischen Schutzbündlern, wobei die Radikalen zu den Waffen griffen und drei Menschen erschossen, darunter ein sechsjähriges Kind und ein Kriegsinvalide. Zudem gab es mehrere Verletzte.

Die drei Schützen wurden im Juli 1927 vor Gericht gestellt und behaupteten aus Notwehr geschossen zu haben. Die Geschworenen – vier Arbeiter, drei Beamte, eine Hausfrau, zwei Landwirte und zwei Gewerbetreibende – plädierten zwar mehrheitlich für schuldig, doch nur 7:5. Also keine notwendige Zweidrittelmehrheit – so wurden die Angeklagten freigesprochen.

Daraufhin verfasste Friedrich Austerlitz tags darauf am 15. Juli in der Arbeiter-Zeitung angesichts dieser straflos gebliebenen Tötung seinen berühmt gewordenen ► Leitartikel „Die Mörder von Schattendorf freigesprochen“.

Schon zuvor waren solche Morde an Arbeitern wie Kavaliersdelikte beurteilt worden und die Mörder sehr milde oder gar nicht bestraft. Nun kam es in Wien sofort zu Massendemonstrationen mit heftigen Ausschreitungen. So wurde im Verlauf dieser Julirevolte von streikende E-Werkern der Strom für die Straßenbahn abgeschaltet und der öffentliche Verkehr damit lahmgelegt. Dann wurde der Justizpalast in Brand gesetzt, obwohl Angehörige des sozialdemokratischen Schutzbundes versucht hatten, mäßigend einzuwirken. Der Tag endete mit 84 toten Demonstranten und fünf toten Polizisten sowie mit mehr als 1.000 Verletzten auf beiden Seiten, nachdem die Sicherheitsbeamten mit Waffengewalt brutal vorgegangen waren.

Friedrich Austerlitz starb am 5. Juli 1931 im Alter von 69 Jahren in Wien und wurde in einem Ehrengrab im Urnenhain der Feuerhalle Simmering beigesetzt.

Schon 1895 hatte Victor Adler seinen destinierten Nachfolger Austerlitz in einem Brief an Friedrich Engels so beschrieben: „Austerlitz ist eine Arbeitskraft allerersten Ranges, zieht wie ein Roß und versteht sofort, was man will. Er schreibt nur noch zu gebildet.“

Und ehemalige Mitarbeiter, wie der Feuilletonist Hugo Thaller, haben die Situation in der AZ später so beschrieben: „Da war zuerst natürlich Viktor Adler. Dann aber bestand die politische Redaktion aus Austerlitz, Austerlitz und noch einmal Austerlitz…“.

Oder die Reichspost in ihrem Nachruf: „Eifrigste Beschäftigung mit den Straf- und Verfassungsgesetzen, veranlaßt durch die täglichen Notwendigkeiten des Berufes, hatten ihn zu einem vorzüglichen Kenner dieser Materie gemacht. An Scharfsinn und raffinierter Dialektik konnte er es mit geübten Rechtsvertretern aufnehmen.“

 

(hhb)

 

Quellen

Austerlitz, Friedrich: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950 Band 1

Austerlitz, Friedrich / Lexikon der 20er Jahre

Karl Gottfried Hugelmann: Austerlitz, Friedrich / Deutsche Biographie

Tilli und Werner T. Bauer: Eine Arbeitskraft allerersten Ranges / der rote blog

Austerlitz, Friedrich / dasrotewien

Chronisten, Reporter, Aufklärer - Folge 37 – Friedrich Austerlitz / Radio-Porträt in der Ö1-Sendereihe, 20.7.2022

 

Bücher und Schriften

Friedrich Austerlitz: Preßrecht und Preßfreiheit / 1902

 

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Die Redaktion der Arbeiter-Zeitung im Jahr 1904

(jeweils von links – obere Reihe: Georg Emmerling, Stefan Großmann, Alfred Engel, Gustav Pollatschek, Josef Scheu / mittlere Reihe: Engelbert Pernerstorfer, Friedrich Austerlitz, Victor Adler / darunter Karl Leutner, Emil Kralik, Jakob Reumann / untere Reihe: Hugo Schulz, Max Winter, Otto Pohl, Alexander Täubler)