Die unterhaltsamen Romane der österreichisch-amerikanischen Schriftstellerin, Feuilletonistin und Drehbuchautorin Vicki Baum waren von den 1920er Jahren an Bestseller. Viele ihrer Erzählungen wurden vorab als Fortsetzungen in den Medien veröffentlicht, vor allem in der Berliner Illustrirten des Ullstein Verlags. 1932 emigrierte sie in die USA.
Hedwig Baum, genannt Vicki, wurde am 24. Januar 1888 in Wien geboren, als Tochter eines Beamten. Als Zehnjährige lernte sie auf Wunsch ihrer Mutter Harfe zu spielen und begann dann im Alter von 13 Jahren an der Wiener Hochschule für Musik ein Studium. Bereits mit 19 Jahren spielte sie gelegentlich als Harfenistin im Symphonieorchester des Wiener Konzertvereins.
1909 heiratete sie den Journalisten Max Prels und begann, nun auch kleine Geschichten zu verfassen, die Max Prels unter seinem Namen an die Berliner Literaturzeitschrift Stimmen der Gegenwart schickte. Von 1912 bis 1916 hatte Vicki Baum dann ein Engagement als Harfenistin im Darmstädter Hoftheater. 1913 ließ sie sich von Prels scheiden und lernte den Dirigenten Richard Lert kennen – beide heirateten 1916.
In dieser Ehe gebar sie zwei Söhne, worauf Vicki Baum bei ihrer Musikerkarriere zugunsten ihrer journalistischen Tätigkeit kürzer trat, zu der sie sich immer mehr hingezogen fühlte. Sie begann, nun auch unterhaltende Romane zu schreiben. Ihr 1920 erschienener Roman „Der Eingang zur Bühne“, der von Ullstein verlegt worden war, wurde auf Anhieb ein großer Erfolg. In den folgenden Jahren lebte die Familie in Kiel, Hannover, Mannheim und Berlin, wo sie gelegentlich auch wieder als Harfenistin spielte.
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In Berlin wurde sie ab 1926 fest angestellte Redakteurin bei der Berliner Illustrirten, schrieb aber auch Beiträge für andere Ullstein-Medien wie Die Dame oder die Literaturzeitschrift Uhu. Und in Ullsteins Die Grüne Post – Sonntagszeitung für Stadt und Land erteilte sie unter ihrem Pseudonym „Der alte Gärtner“ sogar Ratschläge zur Gartenpflege.
Bis 1931 arbeitete Vicki Baum exklusiv für den Ullstein Verlag, der sie in diesen Jahren zu seiner Star-Autorin aufbaute. Ihr nächster Knüller war 1928 der Roman „stud. chem. Hellene Willfuer“ – mit präzisen Milieuschilderungen. Durch den Vorabdruck in der Berliner Illustrirten stieg deren Auflage von 200.000 auf rund eine Million. 1929 erschien dann ihr Kolportageroman „Menschen im Hotel“. Die Bühnenfassung von ihr wurde im Januar 1930 im Theater am Nollendorfplatz aufgeführt, inszeniert von Gustav Gründgens. Und kurz darauf auch von Ernst Held am Neuen Theater in Frankfurt am Main.
Die Nazis diffamierten sie als „jüdische Asphaltliterarin“, worauf sie in einem Interview mit der Jewish Times am 1. Mai 1931 auf solche antisemitischen Vorwürfe antwortete: „Sehen Sie, ich bin Redakteurin im Ullstein-Verlag. Die Ullsteins stammen auch von Juden ab. Aber in Deutschland machen wir nicht viel Aufhebens darum, ob ein Haus von Juden abstammt. Das sind rein religiöse Fragen. Ich bin nicht religiös, also betrachte ich mich nicht als Jüdin – noch bin ich jemals als solche angesehen worden.“
Aber auch viele Linkssozialisten und Kommunisten bezeichneten ihre Bücher als Schund. Die Rote Fahne verunglimpfte ihr Buch „Hell in Frauensee“ als hingeschludertes Werk und empfahl: „Proleten sollten diesen Dreck in die Ecke feuern.“ Was Vicki Baum selbstironisch so kommentierte: „Ich weiß, was ich wert bin. Ich bin eine erstklassige Schriftstellerin zweiter Güte.“
Erika und Klaus Mann hingegen arbeiteten gern mit ihr zusammen und priesen ihre Bücher als gut geschrieben, ungeheuer lebendig, immer packend und überzeugend und manchmal ergreifend.
1932 wurde der Roman „Menschen im Hotel“, der auch in den Vereinigten Staaten ein Erfolg war, dann als „Grand Hotel“ von Metro-Goldwyn-Mayer in Hollywood verfilmt, mit einer Starbesetzung aus Greta Garbo, John und Lionel Barrymore, Joan Crawford und vielen anderen. Der Film basierte auf ihrer Bühnenfassung, weshalb sie zum Dreh in die USA kam und angesichts der Entwicklungen in Deutschland dort dann blieb. „Grand Hotel“ wurde in den 30er Jahren außerdem zu einem der größten Broadway-Hits in New York.
Sie ließ sich in Pacific Palisades/Kalifornien nieder und arbeitete zunächst als Drehbuchautorin. Aber die Arbeit für die dortigen Studios behagte ihr nicht sonderlich. Darum begann sie wieder Romane zu schreiben und für verschiedene Zeitschriften zu arbeiten, für die sie Rezensionen verfasste und über den Faschismus in Europa berichtete, über Anpassung und Widerstand in ihrer alten Heimat. Diese Artikel und Berichte erschienen im Theatre Magazine, in Ladies Home Journal, in Pictorial Review, in der Saturday Evening Post und anfangs auch noch in der Wiener Allgemeinen Zeitung oder im Prager Tagblatt. Da sie sich den für sie neuen kulturellen und sprachlichen Gegebenheiten in den USA problemlos anpasste – ab 1941 schrieb sie nur noch auf Englisch – hatte sie bald auch in ihrer neuen Heimat großen Erfolg.
Sie wurde Mitglied des deutschen Pen-Clubs im Exil und dann 1938 amerikanische Staatsbürgerin. Nach dem Krieg sorgte sie durch Bürgschaften dafür, dass Freunde von ihr in die USA einreisen konnten.
Ihre Popularität war auch in Europa und Deutschland nach wie vor groß – darum wurden ihre Werke nach dem Krieg bald wieder aufgelegt.
Vicky Baum starb am 29. August 1960 im Alter von 72 Jahren in Hollywood.
(hhb)
Quellen
Susanne Blumesberger: Baum, Vicki; Schriftstellerin und Journalistin / Österreichisches Biographisches Lexikon ab 1815
Rolf Löchel: Eine erstklassige Schriftstellerin zweiter Güte / literaturkritik
29. August 2010 – vor 50 Jahren: Vicki Baum stirbt in Hollywood / WDR
Beatrix Novy: Ich bin eine erstklassige Schriftstellerin zweiter Güte / Deutschlandfunk 29.8.2010
Vicky Baum – Vor Rehen wird gewarnt / Bayern 2 vom 18.5.2015
Julia Bertschik: Vicki Baum / litkult1920er, August 2016
Aygül Cizmecioglu: Vicki Baum – Menschen im Hotel / Deutsche Welle am 6.10.2018
Bücher + Schriften
Vicki Baum: Es war alles ganz anders – Autobiographie / 1962