Der deutsche Journalist Hans Benirschke arbeitete freiberuflich für verschiedene deutsche Zeitungen wie die Main-Post, die Süddeutsche Zeitung oder die Rheinische Post und war ab 1952 fest angestellt in der Auslandsredaktion der Deutschen Presseagentur dpa. Von 1968 bis Ende 1990 war er dann 23 Jahre deren Chefredakteur.
Hans Benirschke wurde am 26. Oktober 1925 als Sohn eines Landwirts in Christdorf/Tschechien – damals Nordmähren – geboren. Dort wuchs er auf dem Hof seiner Eltern auf.
Im Zweiten Weltkrieg diente er als Fallschirmjäger und kam in amerikanische Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung studierte er an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg und wurde dort zum Dr. phil. promoviert.
Schon während seines Studiums arbeitete er als freier Journalist für die Main-Post und wegen seiner guten Sprachkenntnis auch für die ICD Information Control Division in der amerikanischen Besatzungszone. Die ICD sollte damals die Demokratisierung unterstützen und durch Nachrichtenübermittlung nach amerikanischem Vorbild eine freie öffentliche Meinung fördern – jetzt durch überprüfte wahre Nachrichten, anders als zu Zeiten einstiger Nazi-Propaganda. Nach Gründung der Bundesrepublik stellte die ICD ihre Arbeit ein. Da waren die früheren NS-Nachrichtenagenturen längst durch regionale Nachrichtenagenturen nach amerikanischem oder englischem Vorbild ersetzt worden.
Im August 1949 wurde dann die dpa Deutsche Presse-Agentur in Goslar gegründet worden, abgesichert durch ein Statut, das ihren Redakteuren die absolute Unabhängigkeit von Parteien und Politikern garantierte und sich bis heute bewährt hat. 1952 begann Hans Benirschke in der dpa-Auslandsredaktion in Hamburg zu arbeiten. Von 1958 bis 1963 wurde er ihr Büroleiter in London. Anschließend arbeitete er noch einige Jahre als England-Korrespondent für mehrere Zeitungen, darunter die Süddeutsche Zeitung und die Rheinische Post. Von 1964 bis 1966 war er Präsident der Foreign Press Association London.
1966 kehrte er als stellvertretender Chefredakteur zur dpa zurück und wurde zwei Jahre später ihr Chefredakteur, als Nachfolger von Erich Eggeling. Das blieb er bis Ende 1990.
Bei dpa trieb Benirschke schon ab 1970 die Digitalisierung voran und löste die Fernschreib-Abteilungen durch individuelle Computer-Arbeitsplätze ab. Außerdem beendete er schrittweise die Zusammenarbeit mit den bisherigen Partnern Reuters und UPI United Press International und baute ein eigenes Auslandsnetz auf. So konnte sich die Deutsche Presse-Agentur unter seiner Führung zu einem bedeutenden international tätigen Institut entwickeln, das nicht nur im deutschsprachigen Raum schnell reüssierte.
Dafür erhielt er zum Beispiel 1978 das „Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich“ aus der Hand des Bundespräsidenten Kirchschläger: „Seit nunmehr zehn Jahren steht Dr. Hans Benirschke an der Spitze der Redaktion der Deutschen Presse Agentur in Hamburg. In all diesen Jahren hat es Dr. Benirschke als seine Aufgabe angesehen, Beziehungen zur internationalen Presse, insbesondere zu den deutschen Nachbarstaaten aufrechtzuerhalten und intensiv zu pflegen. Insbesondere mit der Austria Presse Agentur, die in einem Gegenseitigkeitsvertrag zur dpa steht, ist Hans Benirschke besonders eng verbunden und nimmt deren Interessen in hervorragender Weise wahr.“
Bevor Hans Benirschke Ende 1990 in den Ruhestand ging, wurden von ihm noch dpa-Landesdienste in den neuen Bundesländern eingerichtet. Immer wieder appellierte Benirschke an das Selbstbewusstsein seiner Mitarbeiter: „Nehmen wir unsere Aufgabe ernst, aber nicht uns selber.“
1991 wurde er dann mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.
Nach seiner Pensionierung arbeitete Benirschke als freier Journalist und engagierte sich zudem in der Journalistenausbildung.
Hans Benirschke starb am 4. November 2011 im Alter von 86 Jahren in Hamburg.
dpa-Chefredakteur Wolfgang Büchner würdigte den Verstorbenen als eine große Persönlichkeit des deutschen Nachrichtenjournalismus: „Benirschke hat die Werte der Deutschen Presse-Agentur personifiziert: Unabhängigkeit, Unbestechlichkeit, Glaubwürdigkeit und Genauigkeit. Mit seiner Ernsthaftigkeit, Professionalität, seiner unerschöpflichen Neugier, seiner Bescheidenheit und seinem wahrhaftigen Interesse an Menschen ist er für mich und alle Kollegen bei dpa bis heute ein großes journalistisches Vorbild.“
(hhb)
Quellen
Hans Benirschke: Geschichte ist Kette von Veränderungen / ntv am 18.8.2009
Christian Röwekamp: dpa trauert um ehemaligen Chefredakteur Dr. Hans Benirschke / dpa am 7.11.2011
Wolfgang Büchner: Hans Benirschke / medium magazin 12/2011
Bücher und Schriften
Hans Benirschke: Anfänge der Nachrichtenagenturen - in: Pioniere der Nachkriegs-Publizistik / Deutscher Ärzte-Verlag Köln, 1986
Hans Benirschke: 40 Jahre dpa, Deutsche Presse-Agentur GmbH / dpa Hamburg, 1989