François Bondy war ein großer Europäer – als Journalist, Essayist, Literaturkritiker und Übersetzer. Im Verlauf seines Lebens entwickelte er sich zu einem bedeutenden Kulturvermittler zwischen Ost und West sowie zwischen den einstigen „Erbfeinden“ Frankreich und Deutschland. Journalistisch wurde er im Zweiten Weltkrieg dadurch bekannt, dass er in der Schweiz als erster Journalist detailliert über die Vernichtungslager der Nazis in Polen berichtete. Auch nach dem Krieg blieb er ein engagierter Sucher nach der Wahrheit.
Bondy wurde am 1. Januar 1915 in Berlin geboren, in eine Künstler-Familie mit österreichisch-ungarischen Wurzeln. Sein Sohn ist der bekannte Theaterregisseur Luc Bondy.
Nach dem frühen Tod seiner Mutter wuchs er in der Schweiz und später in Frankreich auf. In Nizza machte er 1933 das Abitur/Baccalauréat und studierte anschließend in Paris an der Sorbonne Germanistik. Während und nach seinem Studium arbeitete er in Paris als Journalist, bis er wegen seiner jüdischen Abstammung 1940 zunächst im Camp de Vernet interniert und anschließend in die Schweiz ausgewiesen wurde.
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Von Lugano aus half er beim Aufbau einer europäischen Widerstandsbewegung gegen Nazi-Deutschland und gegen das faschistische Italien und arbeitete als freier Mitarbeiter für mehrere Schweizer Medien – etwa die Tessiner Zeitung Libera Stampa. Seine Recherchen und Berichte über die Konzentrationslager sorgten auch in Berlin für Unruhe und für massive Drohungen gegen ihn aus dem Außenministerium. Angeblich soll der Pressesprecher dort über ihn gesagt haben: „Journalisten, die das schreiben, die werden wir in die Steppen Asiens oder ins Jenseits schicken.“
Was ihn allerdings in der Schweiz nur noch bekannter machte. So wurde er ab 1941 politischer Redakteur bei der renommierten Zürcher Weltwoche und freier Mitarbeiter für andere führende Printmedien.
Nach dem Krieg schrieb François Bondy in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) und auch für die Süddeutsche Zeitung, Die Welt, Die Zeit oder die New York Times sowie für Monatszeitschriften wie Akzente, Merkur oder Monat. Und in den 50er und 60er Jahren war er in Paris Herausgeber des politisch-kulturellen Monatsmagazins Preuves – auf deutsch Beweise – und profilierte sich darin erneut als Wahrheitssucher. In Preuves entzauberte er so manches Vorurteil bei so einigen Links-Intellektuellen, als er zum Beispiel öffentlich machte, dass der Mord an den polnischen Offizieren 1940 in Katyn keinesfalls von den Deutschen, sondern von den Sowjets begangen worden war.
Als Literaturkritiker machte er uns Deutsche als engagierter Kulturvermittler schon sehr früh mit für uns bis dato unbekannten Autoren wie Jorge Luis Borges, Italo Calvino, Emil Cioran, Nathalie Sarraute oder Ignazio Silone bekannt.
1970 kehrte er endgültig in die Schweiz zurück und war bis 1986 erneut Redakteur bei der Weltwoche und von 1975 bis 1991 auch bei den Schweizer Monatsheften.
Francois Bondy starb am 27. Mai 2003 in Zürich.
(hhb)