Heinrich Braune

Der Journalist Heinrich Braune arbeitete zeitlebens für SPD-nahe Zeitungen wie das Hamburger Echo oder nach dem Zweiten Weltkrieg für die Hamburger Morgenpost, deren erster Chefredakteur er wurde. Von den Nazis hatte er nach 1933 Berufsverbot bekommen und kam wegen angeblichen Landesverrats vorübergehend ins Konzentrationslager.

Heinrich Braune wurde am 8. November 1904 in Lüneburg geboren. Unmittelbar nach dem Kapp-Putsch im März 1920, einem konterrevolutionären Umsturzversuch gegen die gerade geschaffene Weimarer Republik, trat der 18-Jährige zur Unterstützung von Demokratie und Rechtstaatlichkeit in die von den Putschisten attackierte SPD ein.

1924 legte er sein Lehrerexamen ab und studierte anschließend noch Psychologie, Philosophie und Volkswirtschaft. Seine journalistische Karriere begann er danach beim Hamburger Echo, wo er als Chef des Kulturteils tätig wurde. Außerdem arbeitete er als Hamburger Korrespondent für weitere Zeitungen und für den Rundfunk.

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Copyright: Fritz Kempe / Hamburger Morgenpost

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden im Verlauf des Jahres 1933 die Zeitungen anderer Parteien Zug um Zug verboten, so auch das Hamburger Echo. Das in Hamburg beliebte und viel gelesene Blatt wollte der Gauleiter Kaufmann allerdings gern unter NS-Führung weiter erscheinen lassen, worauf es am 16. Juni 1933 darüber zu einer Abstimmung kommen sollte – der so genannten ‚Echo-Versammlung‘ im Redaktionsgebäude in der Fehlingstraße. Dort diskutierten die anwesenden Journalisten mit Reichstags- und Bürgerschaftsabgeordneten über die entstandene politische Lage und die Zukunft des Blattes. Nach 22 Uhr wurde die Versammlung von Polizei und SA gesprengt und 30 der Anwesenden, darunter Heinrich Braune, verhaftet und ins KZ Fuhlsbüttel überstellt. Dort blieb er 33 Tage in Haft und erhielt anschließend Berufsverbot. Er wurde unter Polizeiaufsicht gestellt, außerdem wurde ihm zeitweise Aufenthaltsverbot für Hamburg erteilt.

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Mit freundlicher Genehmigung der Hamburger Morgenpost

Der ► Artikel "MOPO-Gründer Heinrich Braune: Wie er sich Adolf Hitler zum Todfeind machte" der Hamburger Morgenpost über ihren ersten Chefredakteur Heinrich Braune (ab Seite 96) erschien am 12. April 2024 in der ersten Wochenausgabe.

Als Arbeitsloser versuchte er zunächst, sich in Hamburg als Werbeberater zu etablieren. Wegen immer neuer Drangsalierungen in der Hansestadt ging er schließlich nach Berlin und schlug sich dort mit Tätigkeiten in der Filmwirtschaft durch. 1943 wurde er zum Militär eingezogen, kämpfte an der Ostfront und geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Im Sommer 1948 kehrte er nach Hamburg zurück.

Ab Dezember 1948 setzte er seine journalistische Arbeit beim wieder gegründeten Hamburger Echo fort, nun als stellvertretender Chefredakteur. Und hatte die Idee, für die Hansestadt die erste deutsche Boulevard-Zeitung zu starten. Die Hamburger Morgenpost ging mit ihm als Chefredakteur und zunächst 9.000 Exemplaren am 16. September 1949 an den Start. Das Blatt entwickelte sich prächtig: Im Durchschnitt des 4. Quartals 1949 verkaufte sie täglich bereits 21.455 Exemplare. Diese Auflage steigerte sich bis Ende der 50er Jahre auf bis zu 450.000 Exemplare. In der Spitze erreichte die MoPo in der Ära Braune 469.000 Exemplare – dazu Heinrich Braune in einem Interview mit dem Informationsdienst text intern: „Eine Zeitung ist immer so gut wie ihre Redakteure. Wenn die Redakteure nicht ‚brennen‘, was soll dann die Zeitung taugen?“

Der MoPo-Erfolg hatte ► Axel Springer veranlasst, ähnliches zu versuchen. Am 24. Juni 1952 startete er seine 10-Pfennig-Bild-Zeitung. Dafür hatte er auch von der MoPo einige ihrer Redakteure abgeworben und begann mit seinem Groschenblatt nun bundesweit einen beinharten Konkurrenzkampf, der im Verlaufe der Zeit natürlich auch in Hamburg Spuren hinterließ. 1964 verkaufte die MoPo im Durchschnitt des Jahres aber immerhin noch 363.367 Exemplare – sicherlich, weil ihre Redakteure nach wie vor zuallererst für Hamburger Themen brannten und man das Vertriebsgebiet zudem regional ausgeweitet hatte.

Heinrich Braune blieb bis 1968 Chefredakteur der MoPo und fungierte danach bis 1986 als ihr Herausgeber und als Herausgeber der Zeitschrift Hanse-Art, die auch bei Auer-Druck erschien. Natürlich engagierte er sich auch weiterhin in der Hamburger SPD, vor allem als Ratgeber der Parteiführung

1975 wurde Heinrich Braune mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Er starb am 14. November 1990 in Hamburg, nur wenige Tage vor seinem 86. Geburtstag.

Traute Müller, die damalige Vorsitzende der Hamburger SPD, schrieb am 23. November 1990 zum Tod von Heinrich Braune: „Wir Sozialdemokraten verlieren einen erfahrenen Genossen und weisen Ratgeber, dessen wir stets gedenken werden. Heinrich Braune wird einen Platz in der Geschichte unserer Partei erhalten. Seine Autorität gründete sich auf Person und Leistung. Es ist sein Leben, das uns ehrt.“

 

(hhb)

 

Quellen:

Arbeitsgemeinschaft verfolgter Sozialdemokraten: Heinrich Braune

Holger Artus: Geschichte der Hamburger Morgenpost von 1949 bis 2020 im zeitlichen Überblick

Traute Müller: Mit Heinrich Braune ging ein weiser Ratgeber von uns / Sozialdemokratischer Pressedienst vom 23.11.1990

Paul Vogel: Blattmacher mit Kämpferherz / Hamburger Abendblatt vom 8.11.2004

 

Bücher:

Holger Martens: Auf dem Weg in den Widerstand – Die Echo-Versammlung der Hamburger SPD 1933 / Books on Demand Norderstedt 2010