Der Journalist und Dokumentarfilmer Roman Brodmann arbeitete zunächst für verschiedene Printmedien in der Schweiz und fürs Schweizer Fernsehen. Dort kam es wegen seiner sozialkritischen Haltung auch zum Militär zu Meinungsverschiedenheiten, die ihn 1963 veranlassten, sein Heimatland zu verlassen. Er wechselte zum Süddeutschen Rundfunk und wurde dort Mitglied der „Stuttgarter Schule“, wo mehrere Dokumentarfilmer neue Formen für dieses Genre entwickelten.
Roman Brodmann wurde am 18. Juni 1920 in Binningen im Kanton Basel-Landschaft geboren. In Basel besuchte er das Humanistische Gymnasium und das Realgymnasium. 1937 begann er ein Volontariat beim Basler Volksblatt und absolvierte seinen dreijährigen Militärdienst als Füsilier an der deutschen Grenze.
Ab 1943 war er Lokalredakteur und Filmkritiker bei Die Tat, einer Zürcher Zeitung. Von 1949 an arbeitete er freiberuflich für verschiedene Schweizer Medien: für die Zürcher Woche, die Schweizer Wochenzeitung, für einige Hörfunkredaktionen und ab 1950 als Filmkritiker fürs Fernsehen. Außerdem verfasste er Texte fürs Kabarett. 1958 wurde er Chefredakteur der Schweizer Elle und von 1961 bis 1963 dann der Zürcher Woche, die unter seiner Leitung ihren bis dato rechtskonservativen Kurs deutlicher nach links ausrichtete.
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In den 60er Jahren begann Brodmann mehr fürs Fernsehen tätig zu werden, als Redakteur und Moderator des „Freitagsmagazins“. Für seine Arbeit dort wurde er 1961 mit dem Prix Italia ausgezeichnet. Als er sich dann aber mit einem Beitrag in der Zürcher Woche kritisch über die Leitung des Fernsehens äußerte, wurde das „Freitagsmagazin“ 1963 eingestellt. Außerdem diffamierte man ihn als Nestbeschmutzer und sogar als Vaterlandsverräter wegen seiner Kritik am Militär. Was Brodmann veranlasste, die Chefredaktion der Zürcher Woche aufzugeben.
Er verließ die Schweiz und ging zum ZDF, für das er von 1962 bis 1965 tätig wurde, als Redakteur für die Sendung „In diesen Tagen – Zeitgeschehen nah gesehen“. Wodurch der SDR Süddeutsche Rundfunk auf Brodmann aufmerksam wurde und ihn abwarb. Dort arbeitete er bis 1973 als Autor für die Sendung „Zeichen der Zeit“.
Brodmann gestaltete dort in Zusammenarbeit mit anderen Vertretern der Stuttgarter Schule mehrere bedeutsame dokumentarische Filmbeiträge, wie „Der Polizeistaatsbesuch – Beobachtungen unter deutschen Gastgebern“. Darin beschrieb er die Studentenproteste gegen den Schah-Besuch 1967 in Berlin und das brutale Vorgehen der Polizei dagegen, das darin gipfelte, dass ein Beamter den völlig unbeteiligten Studenten Benno Ohnesorg erschoss. Für diesen Dokumentarfilm erhielt Brodmann 1968 den Adolf-Grimme-Preis in Silber.
Für den SDR produzierte er dann von 1977 bis 1981 die Serie „Magische Namen“ und stellte darin bedeutende historische Persönlichkeiten vor. Es folgten „Laterna Teutonica“, eine deutsche Filmgeschichte sowie die Doku-Serie „Europa unterm Hakenkreuz“. Insgesamt produzierte Roman Brodmann allein für den SDR mehr als 120 Dokumentarfilme.
Seine kritische Haltung gegenüber seinem Heimatland behielt er bei. So entstand 1986 sein Film „Der Traum vom Schlachten der heiligsten Kuh“. Das helvetische Selbstverständnis hatte immer geheißen: „Die Schweiz hat keine Armee, die Schweiz ist eine Armee.“ Mit diesem Film und einem Interview darin mit Max Frisch unterstützte Brodmann nun eine Schweizer Gruppe, die die Abschaffung des schweizerischen Militärs forderte. Auch für diesen Film wurde Brodmann 1988 erneut mit dem Adolf-Grimme-Preis in Silber ausgezeichnet, für Buch und Regie.
Neben seiner publizistischen Arbeit unterrichtete er an der Film- und Fernsehschule in München. Zuletzt lebte er in Basel und schrieb freiberuflich Beiträge für Die Weltwoche oder Biel Bienne, einer zweisprachigen Wochenzeitung der Stadt Biel.
In Basel starb Roman Brodmann am 1. Februar 1990 im Alter von knapp 70 Jahren an Krebs.
(hhb)
Quellen:
Roman Brodmann / Historisches Lexikon der Schweiz
Roman Seifert: Roman Brodmann / Personenlexikon des Kantons Basel-Landschaft
Stefan Niggemeier: Zeichen der Zeit / Das Fernsehlexikon
Wer war der Fernsehpionier Roman Brodmann? / dokumentarfilm.info
René Zeyer: Wie Roman Brodmann mithalf, die heiligste Kuh infrage zu stellen / NZZ Neue Zürcher Zeitung am 28.7.2020