Wibke Bruhns

Wibke Bruns war eine deutsche Journalistin und Autorin. Zunächst arbeitete sie für den Rundfunk, dann als Nachrichtensprecherin und Moderatorin im Fernsehen, später als Redakteurin und Korrespondentin für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften und schrieb mehrere Bücher.

Wibke Gertrud Klamroth wurde am 8. September 1938 in Halberstadt geboren. Ihr Vater war ein Abwehroffizier der Wehrmacht, der als Mitwisser des Attentats auf Hitler wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und am 26. August 1944 in Plötzensee hingerichtet wurde. Mit ihren vier Geschwistern wuchs sie bei ihrer nun alleinerziehenden Mutter in Halberstadt auf, bis sich die Familie 1948 nach Westdeutschland absetzte.

1949 wurde ihre Mutter im diplomatischen Dienst tätig und so wuchs Wibke in Stockholm, Berlin und London auf und besuchte dort mehrere Internate. Danach studierte sie Geschichte und Politik in Hamburg, beendete das Studium aber ohne Abschluss.

 

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Copyright: Blaues Sofa from Berlin, Deutschland - Wibke Bruhns auf dem Blauen Sofa der LBM 2012, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19840441

Ab 1960 absolvierte sie ein kurzzeitiges Volontariat bei der BILD-Zeitung, das sie aus politischen Gründen abbrach und als freie Mitarbeiterin beim NDR-Fernsehen in Hamburg begann. 1962 wurde sie Jugendredakteurin im Hamburger ZDF-Studio und moderierte dort unter anderem das Ratgeber- und Boulevardmagazin „Die Drehscheibe“.

1965 heiratete Wibke Klamroth den Schauspieler Werner Bruhns. Von 1968 bis 1971 war Wibke Bruhns dann freie Mitarbeiterin für DIE ZEIT, den NDR-Hörfunk und das ZDF. Im NDR 2-Rundfunk moderierte sie damals im Wechsel mit Monika Jetter und Henning Venske den „Fünf-Uhr-Club“, eine Musiksendung für Jugendliche.

Erstmals im Mai 1971 war Wibke Bruhns dann als erste Frau Sprecherin in der ZDF-Nachrichtensendung „heute“. Was sie allerdings wenig begeisterte: „Anderer Leute Texte vorzulesen ohne eigene Interpretation war mein Ding nicht.“ 

Schon als Studentin in Hamburg war sie SPD-Parteimitglied geworden – darum engagierte sie sich während der Bundestagswahl 1972 bei der Sozialdemokratischen Wählerinitiative für die Wiederwahl von Kanzler Willy Brandt. Was zu heftiger Kritik aus dem konservativen Lager führte. Die CDU etwa ließ ein Gutachten erstellen, in dem es um die Frage ging, ob Angestellte eines öffentlich-rechtlichen Senders überhaupt politisch aktiv sein dürften. Besagtes Gutachten kam zu dem Schluss, dass dies nicht erlaubt sei. Ein Maulkorb für Journalisten?!

Darum wechselte Wibke Bruhns nach 380 heute-Sendungen 1973 zum WDR und brachte sich dort mit kritischen Berichten in das Politmagazin „Panorama“ ein. Auch für dieses Engagement gab es nicht nur positive Schlagzeilen, aber immerhin noch mehr Bekanntheit.

Ab 1974 arbeitete sie für den stern und als Reporterin für den SWR Südwestdeutschen Rundfunk. Von 1979 an war Wibke Bruns stern-Korrespondentin – bis 1983 zunächst in Jerusalem. Von dort berichtete sie u.a. über die damals beginnende Annäherung zwischen den Israelis und den Palästinensern oder über den Bürgerkrieg im Libanon. Und machte Interviews mit Jassir Arafat, Moshe Dajan oder Adnan Jabar, dem Attentäter von Hebron.

Danach ging sie in gleicher Position für vier Jahre nach Washington D.C., berichtete von dort aus der Amtszeit von Ronald Reagan. Und führte erneut viel beachtete Interviews, etwa mit dem „Vater der Wasserstoffbombe“ Edward Teller oder über den INF-Vertrag zur Reduzierung von Atomwaffen und Trägerraketen. In Israel und den USA arbeitete sie auch für GEO.

Ab 1989 war Wibke Bruhns wieder für den WDR tätig, als eine der Moderatorinnen der Polit-Talkshow „Drei vor Mitternacht“ und für das „Mittagsmagazin“ im WDR-Hörfunk. Zudem machte sie Sendungen für die Deutsche Welle, produzierte Filme für arte und den SWR und schrieb für die Münchner Abendzeitung sowie für die Zeitschrift NATUR und natürlich auch weiterhin für den stern.

Nach einer kurzen Zwischenstation beim Privatsender VOX ging Wibke Bruhns als Kulturchefin zum ORB Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg.

Und im Jahr 2000 wurde sie Sprecherin der EXPO in Hannover.

Im Jahr 1989 wurde sie mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet und erhielt im Jahr 2007 die Hedwig-Dohm-Urkunde des Journalistinnenverbundes für ihr journalistisches Lebenswerk.

Am 20. Juni 2019 starb Wibke Bruhns im Alter von 80 Jahren in Hamburg und wurde dort auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt.

(hhb)

 

Quellen:

Wibke Bruhns über Willy Brandt: Ich hatte den Mann exklusiv / SZ vom 1.3.2012

Wibke Bruns / Who’s Who

Wibke Bruhns ist tot / Spiegel vom 21.6.2019

Trauer um die Nachrichtenprecherin / stern vom 21.6.2019

Wibke Bruhns – erste Nachrichtenfrau im ZDF / taz vom 21.6.2019

Wibke Bruhns: Meines Vaters Land. Geschichten einer deutschen Familie / Deutschlandfunk

 

Bücher:

Wibke Bruhns: Mein Jerusalem / Gruner + Jahr 1982

Wibke Bruhns: Meines Vaters Land – Geschichte einer deutschen Familie / Econ-Verlag 2004

Wibke Bruhns: Nachrichtenzeit – meine unfertigen Erinnerungen /     Droemer Verlag München 2012

Roger Anderson, Wibke Bruhns, Emanuel Eckardt u.a.: Der Mann im Gegenlicht – Medienmacher, Journalisten beschreiben die Herrscher der Vierten Gewalt /  Rasch und Röhring, Hamburg 1996