Matthias Claudius

Matthias Claudius war nicht nur Dichter und Lyriker – durch den von ihm herausgegebenen und allein redigierten Wandsbecker Bothen wurde er zu einem frühen und hoch angesehenen Journalisten. Sich selber bezeichnete er damals allerdings als Überbringer oder Bote von Informationen und Nachrichten.

Matthias Claudius wurde am 15. August 1740 als viertes Kind einer Pfarrersfamilie in Reinfeld bei Lübeck im damaligen Herzogtum Holstein geboren. Das Herzogtum war deutschsprachig und Glied des Deutschen Bundes, gehörte in jener Zeit aber zum Staat Dänemark.

Nach seiner Konfirmation besuchte er die Lateinschule in Plön und studierte anschließend in Jena Theologie und Jura sowie Kameralwissenschaft, eine Verwaltungs- und Wirtschaftslehre. In Jena begann er sich auch für Literatur zu interessieren.

Claudius kehrte 1763 ohne Abschluss seiner Studien zurück in sein Elternhaus und ging dann von 1764 bis 1765 nach Kopenhagen, wo er vorübergehend als Privatsekretär des Grafen Ulrich Adolph von Holstein arbeitete und Friedrich Gottlieb Klopstock kennenlernte. Klopstock begeisterte ihn endgültig für die Literatur und lockte ihn später nach Hamburg. Dort arbeitete Claudius von 1768 bis 1770 als Redakteur bei den Hamburgischen Adreß-Comptoir-Nachrichten, die Klopstocks Bruder Viktor Ludwig herausgab. Bei diesen Nachrichten handelte es sich um nüchterne Listen mit Börsenkursen, über Schiffsankünfte und Berichte von einzelnen Geschehnissen andernorts.

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Nach einem Porträt von Friederike Leisching (1767-1846)

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1771 zog Claudius ins benachbarte Wandsbek, welches damals noch nicht zu Hamburg, sondern zu Dänemark gehörte. Dort war er häufig Gast im Wandsbeker Schloss beim dänischen Finanzminister Heinrich Carl von Schimmelmann, damals einer der reichsten Europäer. Der prägte das gesellschaftliche wie kulturelle Leben in Wandsbek.

Schimmelmann wollte als Nachfolger seines etwas in Verruf geratenen Wandsbeckischen Mercurius ein neues Blatt initiieren, einen Wandsbecker Bothen. Dafür machte er Claudius im Dezember 1770 zum Herausgeber und Redakteur.

Der Wandsbecker Bothe erschien dann erstmals am 1. Januar 1771; auf den ersten drei Seiten mit Nachrichten aus aller Welt, die Claudius zusammengetragen hatte – über Politik, Krieg, Wirtschaft, Handel und Adelshöfe. Danach folgte auf Seite Vier eine frühe Form des Feuilletons - unter dem Titel „Gelehrte Sachen“. Darin Gedichte von Claudius sowie ein fiktiver Briefwechsel zwischen Asmus – einem Pseudonym von Claudius – mit seinem angeblichen Vetter Andres. Für diese Seite – bald als „Poetischer Winkel“ benannt, lieferten später Klopstock, Gottfried Herder, Ephraim Lessing und sogar Goethe immer wieder Beiträge: Gedichte, Glossen, Anekdoten, Theaterkritiken oder Buchrezensionen. Was den Bothen im ganzen Land bekannt und Wandsbek zum wohl berühmtesten Marktflecken in Deutschland machte.

Allerdings kritisierten seine fiktiven Gestalten, etwa die seines angeblichen Vetters Andres auch gesellschaftliche wie politische Entwicklungen und vertraten zunehmend aufklärerische Ideen. Dazu Mattias Claudius: „Man muss den Menschen nur vernünftig ansprechen, und man wird sich wundern, wie er's begreift." Was allerdings immer häufiger zur Vorzensur und zu Auseinandersetzungen mit Schimmelmann führte. Der Bothe erschien viermal pro Woche im Quartformat, allerdings mit einer Auflage von nur etwa 400 Exemplaren und war damit alles andere als wirtschaftlich gesichert. Was schließlich im Juni 1775 nach knapp fünf Jahren zur Kündigung von Claudius durch Schimmelmann führte und bald darauf zur endgültigen Einstellung des Wandsbecker Bothen.

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1776/77 arbeitete Matthias Claudius dann in Darmstadt als Beamter der dortigen Land-Commission sowie als Redakteur der Hessen-Darmstädtischen privilegierten Land-Zeitung, eine für Claudius eher unglückliche Episode. Wonach er dauerhaft nach Wandsbek zurückkehrte und dort begann, als freier Schriftsteller seine Werke aus dem einstigen Wandsbecker Bothen nun in Buchform zu veröffentlichen.

Zwischen 1775 und 1782 veröffentlichte Claudius mehrere Bände unter dem Titel „Asmus omnia sua secum portans“ – alles Texte aus dem Wandsbecker Bothen als Teil seiner Sämtlichen Werke.

Sein 1773 erschienenes Gedicht „Der Schwarze in der Zuckerplantage“ zeigte seine Kritik an der von Schimmelmann geförderten Sklaverei und war vielleicht ein Auslöser für die spätere Kündigung.

Aus seiner vorübergehenden journalistischen Arbeit hatte Matthias Claudius aber auch viel für seine späteren dichterischen und lyrischen Werke gelernt, was an diesem Beispiel festzumachen ist. In seinem Gedicht über „Urians Reise um die Welt“ heißt es zu Beginn:

Wenn jemand eine Reise tut,
So kann er was verzählen;

Zeilen, die ziemlich jeder kennt. Kaum aber seine als Journalist gemachte Erfahrung in den Schlusszeilen:

Und fand es überall wie hier,
Fand überall 'n Sparren,
Die Menschen grade so wie wir,
Und ebensolche Narren.

Die finanzielle Lage für sich und seine Familie blieb lange prekär, bis ihm Kronprinz Friedrich von Dänemark und Norwegen ab 1785 einen Ehrensold gewährte und später noch ein Revisorenamt bei der Schleswig-Holsteinischen Speciesbank in Altona.

Während der Kriegsereignisse um Hamburg in der Franzosenzeit floh Claudius 1813 zunächst nach Kiel, kehrte aber schwerkrank in das Haus seines Schwiegersohns, des Verlegers Friedrich Christoph Perthes, an den Hamburger Jungfernstieg zurück. Wo er am 21. Januar 1815 im Alter von 74 Jahren starb. Matthias Claudius wurde auf dem Historischen Friedhof Wandsbek beigesetzt.

 

(hhb)

 

Quellen

Urban Roedl: Claudius, Matthias / Deutsche Biographie

Johann Joachim Christoph Bode: Wandsbecker Bothe / Stormarn Lexikon

Reymer Klüver: Matthias Claudius – Schiffsmeldungen / Süddeutsche Zeitung – große Journalisten XXIII vom 10.5.2010

Angela Gutzeit: Matthias Claudius – ein bescheidener Charakter / Deutschlandfunk 19.1.2015

Daniel Kaiser: Matthias Claudius: Mondsüchtig in Wandsbek / NDR am 16.8.2015

Olaf Wunder: Matthias Claudius – der Mann, der den Mond aufgehen ließ / Hamburger Morgenpost WochenMoPo vom 2.1.2026

Gunter Reus: Der andere Claudius / Academic im Herder Verlag. 2022 / Rezension von Prof. Horst Pöttker

 

Bücher + Schriften

Matthias Claudius: Asmus omnia sua secum portans – acht Bände seiner sämtlichen Werke