Ludwig Cohnstaedt war ein deutscher Wirtschaftsjournalist. Von 1877 bis 1909 arbeitete er für den Handelsteil der Frankfurter Zeitung. In dieser Zeit half er, deren Finanz- und Wirtschaftsteil kontinuierlich weiterzuentwickeln und zu noch größerer Blüte zu bringen. So festigte er den Ruf des Blattes als Wirtschafts-Zeitung – mit Recht durfte sich die FZ ja auch als Frankfurter Handelszeitung bzw. als Frankfurter Zeitung und Handelsblatt bezeichnen. Bis 1902 leitete er das Wirtschaftsressort, blieb anschließend wirtschaftspolitischer Berater des Verlegers Sonnemann und wurde 1909 Hauptgeschäftsführer und Mitherausgeber der Zeitung.
Ludwig Cohnstaedt wurde am 17. August 1847 in Oels/Niederschlesien geboren – heute Olesnica. Nach seiner Schulzeit ließ er sich zum Kaufmannsgehilfen ausbilden und arbeitete zunächst als Kaufmann in Handel und Fabrikation. Nach Ende des deutsch-französischen Kriegs, an welchem er als Freiwilliger teilgenommen hatte, wechselte er 1872 zu einem Frankfurter Bankinstitut. Parallel zu seiner Arbeit als Bank-Angestellter begann er sich journalistisch zu betätigen, denn praktische Erfahrung zählte damals für die Handels- wie Finanzberichterstattung mehr als eine akademische Ausbildung.
Copyright: unbekannt, Zeichnung von Max Schüler 1917
Über seine spätere Arbeit als Redakteur für den Handelsteil der FZ äußerte er sich so: „Seit meinem Eintritt wurde vielseitig unsere Kritik der Bilanzen wie der Emissionen beachtet. So ungewohnt und bestritten sie anfänglich war, allmählich erkannten selbst kritisierte Kreise die Berechtigung an und die Nützlichkeit für das Gemeinwohl, sogar für sie selbst.“
Im Jahr 1900 führte die kritische Überprüfung von mehreren Bank-Bilanzen durch die Frankfurter Zeitung und ihre Berichte darüber zur Unruhe am Pfandbrief-Markt. Es kam zum sogenannten „Spielhagen-Krach“: Zur Spielhagen-Gruppe gehörten die Deutsche Grundschuld-Bank, die Pommersche Hypotheken-Actien-Bank oder die Leipziger Bank. Durch riskante Spekulationen und minderwertige Deckungshypotheken wurden diese Institute zu Grunde gerichtet, ihre Direktoren im Dezember 1900 verhaftet. Die detailliert recherchierte Berichterstattung der FZ hatte dazu beigetragen, diese Fehlentwicklungen im Bankensektor frühzeitig zu erkennen und öffentlich zu machen. So wurden noch größere Schäden verhindert und spätere Anleger zu mehr Aufmerksamkeit und Vorsicht ermahnt.
Das war auch für eine Zeitung mit erheblichen Risiken verbunden und für den Leiter des Wirtschaftsressorts sicher nicht ohne Stress. Ludwig Cohnstaedt übergab daher die Leitung seines Ressorts 1902 an Hermann Stern, blieb aber als wirtschaftspolitischer Berater seines Verlegers ► Leopold Sonnemann dem Blatt weiterhin verbunden. Nach dessen Tod im Jahr 1909 wurde Ludwig Crohnstaedt Hauptgeschäftsführer der Societäts-Druckerei und Mitherausgeber der Frankfurter Zeitung.
Ludwig Cohnstaedt gehörte zu den wichtigsten Begründern eines unabhängigen Wirtschaftsjournalismus. Er starb im Alter von 87 Jahren am 24. Dezember 1934 in Frankfurt am Main.
(hhb)