Sibylle Cramer

Die deutsche Literatur- und Theaterkritikerin sowie Essayistin Sibylle Cramer schrieb Berichtete und Analysen über Gegenwartsliteratur für die Frankfurter Rundschau, Die Zeit, die Süddeutsche Zeitung, den Tagesspiegel, die NZZ Neue Zürcher Zeitung und Zeitschriften wie Merkur und Sinn und Form.

Sibylle Cramer wurde am 29. Januar 1941 in Schweidnitz/Niederschlesien geboren. Aufgewachsen ist sie am Bodensee. Nach ihrer Schulzeit studierte sie Germanistik und Romanistik bis 1967 in Heidelberg, Berlin und München.

Nach ihrem Studium arbeitete sie ab 1967 zunächst als Übersetzerin, bis sie dann in den 70er Jahren eine erste journalistische Heimat bei Wolfgang Werth fand, der im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung als Redakteur arbeitete und später von 1979 bis 2001 die Literatur-Redaktion leitete.

Als der SWR Südwestdeutsche Rundfunk 1975 seine „SWR-Bestenliste“ gründete, kämpfte sie in den dortigen Fernseh-Diskussionen wie eine Löwin für die Texte der von ihr vorgeschlagenen Autoren – stets besonnen, aber immer nachdrücklich.

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Besonders am Herzen lag ihr die französische Literatur, etwa die des Literaturnobelpreisträgers Claude Simon und Dichters wie Yves Bonnefoy – aber auch die Romane von Brigitte Kronauer oder die Lyrik von Inger Christensen, Thomas Kling oder Durs Grünbein.

Für die ergänzte und erweiterte Ausgabe des Lexikons der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur fungierte Sibylle Cramer als Herausgeberin.

Jahrzehntelang war sie im LCB Literarisches Colloquium Berlin engagiert, in den 1990er Jahren dort als Mitglied des Kuratoriums. Denn Literaturkritik war für sie eine Arbeit, der sie in ihren Rezensionen ebenso wie live auf der Bühne einen lebendigen Ausdruck verlieh. Beim LCB moderierte sie ► Dichterlesungen, die im Internet abrufbar sind.

Am 30. Juni 2004 hielt Sibylle Cramer die ► Laudatio für Raphael Urweider, der damals in Heidelberg mit dem Clemens Brentano Förderpreis ausgezeichnet wurde.

Sibylle Cramer starb am 23. Mai 2025 im Alter von 84 Jahren in Berlin.

Gregor Dotzauer in seinem Nachruf: „Literatur war für sie das Instrument eines Denkens, das es mit der Philosophie aufnehmen können musste. Sie durfte sinnlicher, spielerischer und sprachverliebter sein als die eleganteste Wissenschaftsprosa, aber sie sollte auch in der fantastischsten Entgrenzung einem klaren Erkenntnisinteresse verpflichtet bleiben.“

 

(hhb)

 

Quellen

Lothar Müller: Der Augenblick zwischen Denken und Gedanke / Südd. Zeitung am 25.5.2025

Gregor Dotzauer: Literatur als Erkenntnis – Kritikerin Sibylle Cramer ist tot / Tagesspiegel vom 27.5.2025

Beate Tröger erinnert an die Literaturkritikerin Sibylle Cramer / Deutschlandfunk 27.5.25

Sibylle Cramer / Literarisches Colloquium Berlin

 

Bücher + Schriften

Lexikon der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur / C.H.Beck – 1987 von Sibylle Cramer erweitert

Sibylle Cramer: Wie eine Spinne den Faden spinnt / Südd. Zeitung am 9./10.2.2002