Marion Gräfin Dönhoff

Marion Hedda Ilse Gräfin Dönhoff  wird am 2. Dezember 1909 als jüngstes von acht Kindern auf dem elterlichen Schloss Friedrichstein in Ostpreußen geboren.

Sie wächst in der Gemeinschaft eines großen ländlichen Besitzes auf. Als erste Frau in der Familiengeschichte und gegen den Willen ihrer strengen Mutter, einer ehemaligen Palastdame der Kaiserin, nimmt die jüngste Tochter ein Studium auf: Sie studiert Nationalökonomie, zunächst in Frankfurt am Main, dann in Basel, wo sie 1935 mit der Promotion abschließt. Anschließend übernimmt sie zusammen mit ihrem ältesten Bruder die Verwaltung des weit verzweigten landwirtschaftlichen Familienbesitzes in Ostpreußen. Im Januar 1945, die Rote Armee rückt nach Ostpreußen vor, flieht Marion Dönhoff auf ihrem Pferd „Alerich“ in den Westen. Nach einem siebenwöchigen Ritt kommt sie in Westfalen an, entwurzelt wie Millionen anderer Flüchtlinge. Auslandsfunk der Bundesrepublik, weil er politische Gängelung befürchtete.

Als erstes verfasst sie eine Denkschrift, ein „In Memoriam“ über die Hintergründe des fehlgeschlagenen Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944. Marion Dönhoff war mit einigen der Attentätern seit ihrer Kindheit befreundet und hat sie im Widerstand unterstützt. Der Text, den sie im Sommer 1945 in einer Auflage von 300 Exemplaren im Privatdruck herausbringt, ist das erste veröffentlichte schriftliche Zeugnis über das Attentat. 

 

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Copyright: Friedrich Dönhoff

Im März 1946 wird Marion Dönhoff Redaktionsmitglied der noch kleinen, gerade neu gegründeten Wochenzeitung DIE ZEIT. In der fünften Ausgabe des Blattes erscheinen ihre ersten Artikel. Ihr Weg führt Marion Dönhoff schnell an die Spitze des Blattes. „Sie ist die beherrschende, die geliebte und gefürchtete Person, die eigentliche Gestalterin des Blattes“ schreibt 1947 der englische Presseoffizier Michael Thomas. 1950 übernimmt Dönhoff die Leitung des politischen Ressorts der ZEIT.

1968 wird Marion Dönhoff Chefredakteurin der ZEIT, und damit die erste Frau auf dem Chefposten einer politischen Zeitung in Deutschland. Ihr großes Thema ist in diesen Jahren die schwierige Versöhnung mit dem Osten. Marion Dönhoff ist eine wichtige publizistische Wegbereiterin der Ostpolitik Willy Brandts, er lädt sie zur Unterzeichnung des Warschauer Vertrags ein.

1972 wird Marion Dönhoff Herausgeberin der ZEIT und bleibt es für die nächsten drei Jahrzehnte. Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems Ende der Achtziger sieht Marion Dönhoff die Gefahr eines ungezügelten Kapitalismus heraufziehen. In den 1990er Jahren ist dies eines ihrer Hauptthemen, neben dem Verlust der ethischen Werte und der zunehmenden Politikverdrossenheit. „Zivilisiert den Kapitalismus“ heißt ihr 1997 erscheinendes Buch, das zu einem Bestseller wird, der Titel zu einem geflügelten Wort. Die 1988 von ihr gegründete „Marion Dönhoff Stiftung“ vergibt unter anderem Stipendien, fördert jugendbildende Einrichtungen und unterstützt osteuropäische Künstler. Der nach ihr benannte „Marion Dönhoff-Preis“ wird seit 2003 für internationale Verständigung vergeben.

Marion Dönhoff stirbt nach kurzer Krankheit am 11. März 2002 im Alter von 92 Jahren im Kreise der Familie auf Schloss Crottorf in Rheinland-Pfalz.

(fd)

Bücher von Marion Gräfin Dönhoff:

„Zeichen ihrer Zeit – Ein Lesebuch“

„Ein Leben in Briefen“

 

Bücher über Marion Dönhoff:

Alice Schwarzer: Ein Widerständiges Leben

Friedrich Dönhoff: „Die Welt ist so, wie man sie sieht“

Klaus Harprecht: Die Gräfin