Magret Dünser war eine in Österreich geborene Gesellschaftsreporterin und Fernsehredakteurin. Als dort erste Programmdirektorin stieß sie beim ORF aber auf Neid und Widerstand und wurde mit falschen Beschuldigungen rücksichtslos aus ihrem Beruf gemobbt. Worauf sie zu deutschen Sendeanstalten wechselte.
Grete Dünser wurde am 27. Juli 1926 in Dornbirn/Vorarlberg geboren. Dort besuchte sie eine Klosterschule bei den Dominikanern und sprach am Ende ihrer Schulzeit fließend englisch, französisch und italienisch.
Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete sie als Autorin und Hörfunk-Sprecherin im bis 1954 unabhängigen Radiosender Landesstudio Vorarlberg. 1952 wurde sie dort Leiterin der Literaturabteilung.
Zwei Jahre später, im Alter von gerade mal 28 Jahren, stieg sie zur ersten Programmdirektorin im Sender auf. Was offenbar sofort Neid auslöste: eine Frau, und dazu noch so jung, in solch einer leitenden Position?!
1955 wurde sie dann auf infame Weise aus dem Beruf gemobbt: Zunächst suspendierte man sie wegen angeblich falscher Abrechnungen. Was sie in einem von ihr selbst beantragten Disziplinarverfahren widerlegen und ausräumen konnte. Dennoch durfte sie ihren Dienst nicht wieder antreten, wurde erneut suspendiert und sogar fristlos gekündigt. Der ORF Österreichischer Rundfunk beschuldigte Dünser nun plötzlich, gar Millionenbeträge veruntreut zu haben. Ihr Elternhaus wurde durchsucht und sie selber sechs Wochen lang im Frauengefängnis Feldkirch in Einzelhaft inhaftiert.
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Da sollten offenbar alte politische Rechnungen beglichen werden, weil Frau Dünser vor der Übernahme des Landesstudio Vorarlberg durch den ORF „in Wien die festeste Säule der Vorarlberger Interessen blieb, die in Wien für unser kleines und bescheidenes Studio und dessen Existenz stets gerungen hätte, nun aber ‚beseitigt‘ worden wäre, um eine zentralistische Lawine auslösen zu können“ – so hieß es in den Vorarlberger Nachrichten.
Doch alle Beschuldigungen in dieser Intrige stellten sich als absolut haltlos heraus. Vollständig rehabilitiert zog es Margret Dünser nun vor, sich lieber ein liberaleres und weniger politisiertes Umfeld für ihre Arbeit zu suchen. Denn in Österreich wurde das bereits 1964 durch ein Rundfunk-Volksbegehren geforderte Rundfunkgesetz erst im Juli 1966 erlassen und damit der politische Einfluss durch Parteien wie ÖVP und SPÖ endlich zurückgedrängt.
In Stuttgart nahm Margret Dünser eine Stelle beim SDR Süddeutschen Rundfunk an. 1963 wechselte sie als Redakteurin und Moderatorin zum neu gegründeten ZDF und startete dort mit ihren Sendungen „Rom aktuell“, „London aktuell“ und „Paris aktuell“. Alles unterhaltsame Berichte aus diesen europäischen Metropolen, wofür sie 1968 mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet wurde.
Als nächstes entwickelte sie die eine Sendereihe, die Margret Dünser in ihren Memoiren „Highlife“ so beschrieb: „Es sollte eine Abfolge von Star-Miniporträts werden. Mit wenigen Ausnahmen verwetteten die Experten keine Mark, daß unsere Show mehr als ein Jahr überstehen, geschweige denn erfolgreich sein würde.“ Sie irrten alle, denn ihr neues Unterhaltungs-Format wurde zu einer der beliebtesten Sendungen im ZDF, mit hohen Einschaltquoten. Denn ihre „V.I.P.-Schaukel“-Sendungen begeisterten stets ein Millionenpublikum: Regelmäßig lockten sie zwischen 20 und 30 Millionen Zuschauer vor den Fernsehschirm.
Zwischen 1971 und 1980 entstanden 37 Folgen. Darin wurden von ihr Politiker wie Jimmy Carter, Robert Kennedy, Bruno Kreisky, Richard Nixon, Ronald Reagan oder Kurt Waldheim befragt. Dann die Schauspielerinnen Catherine Deneuve, Hildegard Knef, Gina Lollobrigida, Sophia Loren, Kim Novak oder Zsa Zsa Gabor sowie deren Kollegen Tony Curtis, Henry Fonda, Curd Jürgens, Bob Hope, Jerry Lewis, Roger Moore, Peter Ustinov oder Orson Welles. Auch Entertainer wie Sammy Davis jr., Künstler wie Salvador Dali und Schriftsteller wie Henry Miller waren Gäste in ihrer „V.I.P.-Schaukel“. Sie interviewte sie in ihren Wohnsitzen oder Arbeitswelten, war also rund um den Globus tätig. Daher ihr Spitzname „Düsen-Dünser“. Auf vordergründigen Voyeurismus hat sie in ihren 40-minütigen Berichten über die Mächtigen, Reichen und Schönen verzichtet – darum bezeichnete man sie als „Erfinderin des seriösen TV-Boulevards“.
Margret Dünser starb am 5. Juni 1980 in einem Baseler Krankenhaus im Alter von nur 53 Jahren an einem Krebsleiden.
(hhb)
Quellen:
Die Erfinderin des seriösen TV-Boulevards / Frankfurter Rundschau 26.7.2016
5. Juni 2005 – Vor 25 Jahren: Tod der TV-Journalistin Margret Dünser / WDR 5.6.2005
Margret Dünser „Ich habe nie gehasst" / Thema Vorarlberg
Bücher:
Margret Dünser: Jet Set – Rom, Paris, London / Ullstein Verlag 1971
Margret Dünser: Highlife / Kindler Verlag München 1979
V.I.P.-Schaukel-Sendungen
1972 mit Gina Lollobridgida und Gregory Peck in Cannes, Curd + Simone Jürgens, Gunter Sachs, Bob Hope, Peter Ustinov, Lord Lichfield, Jerry Lewis
1976 mit Marcello Mastroianni und Catherine Deneuve
1980 Margret Dünser im Gespräch mit Henry Miller