Joseph Drexel

Der Publizist Joseph Drexel gehörte zu einem Kreis von Widerstandskämpfern gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Im Dritten Reich wurde er längere Zeit inhaftiert, zuletzt in verschiedenen Konzentrationslagern. Nach dem Krieg durfte er mit einer amerikanischen Lizenz die Nürnberger Nachrichten gründen.

Joseph Eduard Drexel wurde am 6. Juni 1896 als Sohn eines Kaufmanns in München geboren. In seiner Heimatstadt wuchs er bis 1903 auf, bis dann die Familie nach Nürnberg zog, wohin sein Vater versetzt worden war. Nach der Bürgerschule besuchte er in Nürnberg das heutige Willstätter Gymnasium und machte dort 1914 sein Abitur.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete er sich freiwillig zum Militär und diente als Funker und Ausbilder bei einer Fliegerabteilung. 1919 war er als Mitglied des „Freikorps Oberland“ an der Niederwerfung der Münchner Räterepublik beteiligt.

Nach Kriegsende studierte Drexel in München und Erlangen Volkswirtschaft und gehörte dabei zum engeren Kreis um Max Weber. 1923 wurde er zum Dr. rer. pol. promoviert. Anschließend war er kaufmännisch tätig und arbeitete in verschiedenen Bereichen, unter anderen in der Außenhandelsabteilung des Auswärtigen Amtes oder ab 1929 bei der Nürnberger Lebensversicherungsbank. 

In Nürnberg engagierte er sich zudem als Dozent an der Volkshochschule und machte dabei die Bekanntschaft von Ernst Niekisch. Drexel begann mit Niekisch zusammenzuarbeiten und wurde Mitglied in einem Kreis von national gesinnten Jungsozialisten. Ab 1926 gehörte er zu den Mitarbeitern von Niekischs Zeitschrift Widerstand. Zeitschrift für nationalrevolutionäre Politik, bis diese 1934 verboten wurde. Mitarbeiter am Widerstand waren auch Ernst Jünger oder Ernst von Salomon.

Ab 1935 gab er dann einen illegalen Informationsdienst heraus und schloss sich einer bayerischen Widerstandsgruppe an. Dort schleuste man einen Spitzel ein, wodurch die Gruppe aufflog. Am 21. März 1937 wurde Drexel von der Gestapo verhaftet und nach knapp zweijähriger Untersuchungshaft im Januar 1939 vom Volksgerichtshof in Berlin wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Verbüßung dieser Strafe überstellte man Drexel auf Anordnung von Julius Streicher ins Konzentrationslager Mauthausen, mit dem Hinweis „R.u.“ Was bedeutete „Rückkehr unerwünscht“ – mithin ein nachträgliches Todesurteil. Wie durch ein Wunder überlebte Drexel im KZ Flossenbürg, wo er dann von den Besatzungstruppen befreit wurde.

1945 erhielt er von der amerikanischen Militärregierung eine der ersten Zeitungslizenzen, mit der er die Nürnberger Nachrichten gründete, die erstmals am 11. Oktober 1945 mit ihm als Herausgeber und Chefredakteur erschien. Seine Befindlichkeit und wohl auch die vieler seiner Leser beschrieb Drexel in seinem Leitartikel dieser Erstausgabe: „Wir gleichen einem gefangenen Vogel, der nach langen Jahren der Gefangenschaft wieder in die Lage versetzt wird, seine misshandelten Flügel zu regen. Das geht nicht von heute auf morgen, und es geht nicht ohne Schmerzen. Aber eines Tages wird es doch gehen."

Damals wurden die Nürnberger Nachrichten zunächst in Zirndorf gedruckt und erschienen wegen der Papierknappheit nur dreimal in der Woche mit einem Umfang von sechs bis acht Seiten.

1948 zog der Verlag dann nach Nürnberg, wo Drexel ganz bewusst das frühere NS-Gauhaus als Verlagssitz wählte. Von dort, wo einst Julius Streicher residierte – der damalige Gauleiter und Eigentümer des antisemitischen Hetzblattes Der Stürmer – begann der engagierte Antifaschist Drexel in seinem Blatt mit einer Aufarbeitung des nationalsozialistischen Unrechts. Sein Ziel: die Deutschen wieder in die Gemeinschaft der anderen Völker zurückzuführen. Nach zwölf Jahren gleichgeschalteter Presse wollte er die Köpfe seiner Leser mit demokratischen Werten durchlüften, ohne sie dabei in eine bestimmte politische oder parteiliche Richtung zu lenken. Dazu Joseph Drexel noch im Jahr 1973: „Ich sagte schon, es war nicht leicht gewesen, sich der Nazi-Mentalität zu entziehen. Aber es ist auch nicht leicht, diese Mentalität überlebt zu haben und sich doch gleichzeitig von ihrem Fortleben in den Köpfen deutscher Zeitgenossen überzeugen zu müssen – und das tagtäglich, wenn auch in veränderten Formen. Nein, auf die Einmaligkeit eines geschichtlichen Geschehens ist kein Verlass.“

Drexel selber hat in seinem Leben immer wieder dazu gelernt – von seiner einst rechtsextremen Haltung zur Zeit seiner Freikorps-Mitgliedschaft hatte er sich noch vor Beginn der Nazi-Zeit zu einem eindeutig liberal-konservativ denkenden und handelnden patriotischen Demokraten gewandelt.

1956 wurde aus Anlass von Drexels 60. Geburtstag die „Joseph-E.-Drexel-Stiftung“ gegründet, die seit 1957 bis 1989 jährlich den „Joseph-E.-Drexel-Preis“ für hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet des Pressewesens und der Publizistik vergab.

Zu seinem 75. Geburtstag erschien 1972 der Sammelband „Verantwortung vor der Geschichte“ mit vielen seiner Artikeln.

Dr. Joseph E. Drexel starb am 13. April 1976 im Alter von 79 Jahren und wurde auf dem Nürnberger Südfriedhof beigesetzt.

Sein Freund, der Schriftstellen Max von Brück, schrieb in einem Nachruf: „Er war ein Mann der Tat, aber auch ein tiefgründiger Träumer, wobei die Taten nicht träumerisch wurden, aber so mancher Traum tatenhaft.“

(hhb)

 

Quellen

Dr. rer.pol et h.c. Joseph Eduard Drexel / Haus der Bayerischen Geschichte

Beer: Drexel, Joseph E. / Stadtarchiv Nürnberg – Stadtlexikon

Joseph E. Drexel / Nürnberg.Wiki

Michael Husarek: Joseph E. Drexel – ein Publizist und Brückenbauer / nordbayern.de

Rainer Krüninger: Nürnberger Nachrichten / Historisches Lexikon Bayerns

Zum 40. Todestag von Joseph Drexel / Kreisvereinigung Nürnberg/Fürth 16.4.2016

Alexander Brungs: Dr. Joseph E. Drexel im bundesrepublikanischen Nürnberg – Facetten eines Charakters / rijo research

Den Löwen kitzeln /dju, ver.di und VVN-BdA zum Gedenken an Joseph E. Drexel; 20.4.2016

 

Bücher + Schriften

Joseph Drexel: Menschen und Begegnungen / 1956

Joseph Drexel: Der Gesichtskreis / 1956

Joseph Drexel: Der Fall Niekisch . eine Dokumentation / Kiepenheuer & Witsch 1964

Joseph Drexel: Die Reise nach Mauthausen / Druckhaus Nürnberg 1961

Joseph Drexel: Homo, homini, homo / 1966

Joseph Drexel: Verantwortung vor der Geschichte – Aufsätze, Kommentare, Glossen aus den Jahren 1929-1970 / Verlag Nürnberger Presse 1972