Johannes K. Engel

Johannes K. Engel war 40 Jahre als Journalist für den SPIEGEL tätig, zunächst als Korrespondent, dann als Leiter verschiedener Ressorts und schließlich über 25 Jahre lang als Mitglied der Chefredaktion.

Johannes Karl Friedrich Engel wurde am 29. April 1927 als Sohn einer bürgerlichen Familie in Berlin geboren. Obwohl seine Familie stets Distanz zur NSDAP gehalten hatte, meldete er sich 1944 noch als Schüler freiwillig zur Wehrmacht und wurde sofort in der Ardennenschlacht eingesetzt. Dort geriet er in amerikanische Gefangenschaft, konnte sich aber für die Besatzer bald wegen seiner guten englischen Sprachkenntnisse als Übersetzer nützlich machen.

Nach seiner Entlassung arbeitete er für eine US-Nachrichtenagentur in Frankfurt am Main und bewarb sich von dort 1947 beim gerade gegründeten SPIEGEL. Augstein beschäftigte ihn zunächst weiter als Frankfurter Korrespondenten, holte ihn 1950 in die Hamburger Redaktion, wo er verschiedene Ressorts leitete: Personalien, Wissenschaft, Medizin, Film, Kunst und Kultur. Seine Arbeit dort plante und erledigte Engel stets mit großer Präzision. Immer konnte er sich auf sein gutes Gedächtnis verlassen, wenn etwa wieder einmal ein Aufnahmegerät wegen technischer Probleme ausgefallen war – der Bericht konnte dennoch erscheinen.

Darum machte ihn Augstein 1962 zum Mitglied der Chefredaktion. Das blieb er 25 Jahre lang in den verschiedenen Doppelspitzen: von 1962 bis 1968 zusammen mit Claus Jacobi; von 1969 bis 1973 gemeinsam mit ► Günter Gaus; ab 1973 bis 1986 an der Seite von Erich Böhme und zuletzt von 1986 bis zu seinem Ausscheiden im Juni 1987 zusammen mit Werner Funk.

Magazin-Gründer ► Rudolf Augstein würdigte Engel 1986 am 25. Jahrestag als Chefredakteur mit den Worten: „Wenn es in Deutschland einen Chefredakteur überhaupt gibt, der den Idealtypus des Nachrichtenmagazins in sich selber verkörpert, dann ist es Johannes K. Engel. Es gibt wohl keinen in Deutschland, dem man ein Nachrichtenmagazin überhaupt so bedenkenlos übertragen könnte.“

In der Redaktion war Engel ebenso beliebt wie respektiert. Er galt als Menschenfänger, binnen wie buten. Er schuf Kontakte zu wichtigen Informanten und Gesprächspartnern – redigierte dann die Interviews und Artikel liebevoll. Die Redaktion führte er immer mittels klarer Argumente und Fakten, wenn nötig auch mal mit Ironie. Bei seinen Mitarbeitern galt er stets als fairer Chef.

1962 während der SPIEGEL-Affäre wurde Engel beim Verlassen des Pressehauses festgenommen und einen Tag lang inhaftiert. Auch seine Privatwohnung wurde durchsucht – alles ohne jeden Grund, wie das Gericht später feststellte und das Verfahren gegen ihn im Januar 1965 einstellte

Nach seinem Ausscheiden behielt er ein Büro im Hamburger Verlagshaus und wurde gelegentlich als Berater herangezogen. Aber nun nahm er sich mehr Zeit für sein Sehnsuchtsland Italien, wo er ein Haus und ein Boot besaß.

Johannes K. Engel starb am 4. Januar 2018 im Alter von 90 Jahren in Hamburg.

(hhb)

 

Quellen:

Johannes K. Engel ist tot / SPIEGEL kultur 8.1.2018

Franziska Augstein: Zum Tod des ehemaligen SPIEGEL-Chefredakteurs Johannes K. Engel / 13.1.2018

Johannes K. Engel / kress News vom 29.4.1987