Ruprecht Eser war ein deutscher Fernsehjournalist. Erste praktische Erfahrungen sammelte er bereits während seines Studiums bei der BBC, für die er dann auch in London tätig wurde. Seine nächste Station war das ZDF, wo er in unterschiedlichen Sendebereichen arbeitete – als Reporter, Redaktionschef, Leiter und Moderator des „heute Journals“ oder als Talkshow-Gastgeber in der Sonntagvormittags-Sendung „halb 12 – Eser und seine Gäste“. Seine vielfältigen Erfahrungen gab er später als Lehrbeauftragter an den publizistischen Nachwuchs weiter.
Ruprecht Eser wurde am 6. Januar 1943 in Wittenberg geboren. Seine Schulzeit verbrachte er in Leipzig. Nach dem Mauerbau flüchtete seine Familie nach West-Berlin, wo er von 1962 bis 1967 an der FU Freie Universität Berlin Publizistik, Politologie und Soziologie studierte. Während dieser Zeit war Eser bereits für das Berliner Büro der BBC tätig. Dadurch konnte er unmittelbar nach seinem Examen zur BBC in London wechseln, wo er als Redakteur in der Abteilung „German-Service“ arbeitete.
1970 ging er nach Mainz zum ZDF in die Redaktion „Politik und Zeitgeschehen“. Anschließend leitete er im Bereich Innenpolitik die Redaktion „Reportagen/Dokumentationen“. Es folgte ein Abstecher als ZDF-Korrespondent in London. Nach seiner Rückkehr wurde er 1985 zunächst Moderator und ab 1988 Redaktionsleiter der Nachrichtensendung „heute journal“.
SPD-Wahlparty im Erich-Ollenhauer-Haus in Bonn / Ruprecht Eser (rechts) mit Egon Bahr nach der Bundestagswahl 1980
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Kollegen wie Bettina Schausten oder Theo Koll haben Eser als kritischen und immer hellwachen Journalisten erlebt. Als einen Mann der eher leisen Töne, geprägt durch die Arbeitsweise beim BBC. Esers Fragen in seinen Interviews waren hart und klar – wer auszuweichen versuchte, musste mit kritischen Nachfragen rechnen. Aber jeder Interviewpartner wusste, dass Eser ihn stets fair behandeln würde. Bettina Schausten bezeichnete Ruprecht Eser als einen „Vollblutjournalisten, der jahrzehntelang die politische Berichterstattung des ZDF prägte, zumal während der deutschen Wendejahre.“
Für seine beispielhafte Arbeit als Publizist wurde er mehrfach ausgezeichnet: 1980 erhielt er mit seinem Team den „Goldenen Gong“ für die Dokumentation der Schleyer-Entführung und 1990 wurde Ruprecht Eser mit der „Goldenen Kamera“ auszeichnet.
Als Höhepunkt seines journalistischen Lebens bezeichnete Eser selbst stets die Wendezeit in den Jahren 1989/90. Darüber durfte Eser – in Wittenberg geboren, in Leipzig aufgewachsen und dann nach West-Berlin geflohen – nun als „anchor man“ des „heute journals“ berichten und Gründe und Zusammenhänge deutlich machen.
1992 bot man Rupert Eser die Position des Programmdirektors bei der neugegründeten Westschienenkanal GmbH & Co., KG an. Die war zunächst als journalistisch orientiertes Ereignisfernsehen konzipiert, woraus dann bald der Privatsender VOX wurde. Doch schon nach einem Jahr kehrte er zum ZDF zurück, als Leiter der Hauptredaktion „Gesellschafts- und Bildungspolitik“, und verantwortete dort unter anderem das Frauen- und Familienmagazin „ML mona lisa“. 2004 ging er noch einmal für das ZDF nach London und leitete dort bis August 2008 das ZDF-Studio.
Nach seinen 37 Jahren beim ZDF gab er sein Wissen als Lehrbeauftragter an junge Journalisten weiter: an der Europäischen Medien- und Businessakademie, am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der FU Berlin oder an der Hochschule der Medien in Stuttgart. Und ab 2013 dann als Honorarprofessor an der Universität Leipzig, für den dortigen Masterstudiengang Journalistik und als Praktiker in Seminaren für Interview-Techniken.
Rupert Eser starb nur wenige Tage vor seinem 80sten Geburtstag am 9. Dezember 2022 in Hamburg.
(hhb)
Quellen:
Nachruf im ZDF
Nachruf in der ARD
Nachruf im SPIEGEL