Jens Feddersen

Der Journalist Jens Feddersen redete stets Klartext, und das – obwohl geborener Franke und im Ruhrgebiet tätig –zumeist mit „Berliner Schnauze“. Über 30 Jahre war er ein kantiger Redaktionschef bei der NRZ Neue Ruhr Zeitung in Essen sowie engagierter Diskutant bei seinen zahlreichen Fernsehauftritten.

Jens Feddersen wurde am 30. Januar 1928 als Sohn eines Journalisten in Coburg geboren. Sein Vater Harald Feddersen leitete bis 1933 den Dortmunder Generalanzeiger, damals die größte Tageszeitung außerhalb Berlins. Jens Feddersen aber wuchs in Berlin auf, wo er 1946 sein Abitur an der Berliner Wald-Oberschule machte.

Danach begann er ein Volontariat bei der Neuen Zeit, einem CDU-Parteiorgan im damaligen Ostberlin. Als die politisch unbequem gewordene Chefredaktion sowie die Verlagsleitung der Neuen Zeit kurz vor Weihnachten 1947 von den sowjetischen Militärbehörden ausgewechselt wurden, ging Feddersen 1948 zum Boulevardblatt Der Abend in Westberlin. Von 1949 bis 1955 arbeitete er für die Zeitung Der Tag und für das Berliner Korrespondenzbüro mehrerer westdeutschen Tageszeitungen. Außerdem beteiligte er sich ab 1952 am Aufbau des Fernsehens in Berlin. 1953 wurde er Zeuge des brutal niedergeschlagenen Aufstands der DDR-Bürger – von da an setzte er sich als Journalist engagiert für die Einheit Deutschlands ein und für ein enges Bündnis der Staaten in Europa mit den USA.

 

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Copyright: Archiv des Zeitungsverlags Niederrhein GmbH & Co. Essen KG

1954 ging er als Ressortleiter Politik zur NRZ Neue Ruhr Zeitung nach Essen. Im Oktober 1961 wurde er deren Chefredakteur. Das blieb er mehr als 30 Jahre bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1993 – eine Laufbahn, die er als einst jüngster Chefredakteur Deutschlands begann und 1993 als dienstältester Redaktionschef beendete.

In all diesen Jahren war er auch ein gefragter Kommentator in Hörfunk und Fernsehen. Lange Zeit war er Stammgast in Werner Höfers „Internationalem Frühschoppen“. Sein Auftritt am 14. November 1972 im niederländischen Fernsehen wurde legendär. Dort lieferte er sich ein hitziges Wortgefecht mit Karl-Eduard von Schnitzler, dem Chefkommentator des DDR-Fernsehens und Moderator der Sendung „Der Schwarze Kanal“. In dieser aufsehenerregenden Diskussion ging es um aktuelle Fragen zur Europa- und Deutschland-Politik. Die Wortgefechte dort kommentierte der spätere Bundespräsident Johannes Rau so: „Da war man froh, dass keine Waffen im Raum waren!“

Auch zu anderen Entwicklungen und Ereignissen waren die Analysen und Kommentare von Jens Feddersen gefragt: etwa zum Ausgang der Landtagswahlen in NRW. Als Aldi-Chef Theo Albrecht im November 1971 entführt wurde, unterrichtete die NRZ ihre Leser mit einem Extrablatt. Und große Interviews machte Jens Feddersen mit Willy Brandt, dem sowjetischen Botschafter Falin, Hans-Dietrich Genscher, Michail Gorbatschow, Gustav Heinemann, Walter Scheel und Helmut Schmidt, um nur einige zu nennen.

Feddersen gehörte zu den profiliertesten Journalisten der Nachkriegszeit, ein Mann, so Johannes Rau, „der auch unbequeme Meinungen souverän vertrat“.

Jens Feddersen starb in Essen, am 28. Mai 1996 im Alter von 68 Jahren.

(hhb)

 

Quellen:

Jens Feddersen / dewiki

Die NRZ-Chronik 1961: Jens Feddersen wird NRZ-Chefredakteur / 21.1.2021

Stiftung Pressehaus NRZ