Karl-Hermann Flach

In den 1960er Jahren gehörte der Publizist und liberale Politiker Karl-Hermann Flach zu den viel gelesenen und damit einflussreichen Journalisten in der Bundesrepublik. Im Berufsleben wechselte Flach mehrfach zwischen Politik und Journalismus. 1962 beendete er vorübergehend seine Parteiarbeit nach Differenzen mit dem FDP-Chef Mende und begann als Ressortleiter Innenpolitik bei der Frankfurter Rundschau. Zurück in die Politik kehrte er erst 1969, als die FDP sich zu erneuern begann und eine sozialliberale Koalition ermöglichte.

Karl-Hermann Flach wurde am 17. Oktober 1929 in Königsberg geboren und besuchte dort von 1936 bis 1944 die Volks- und Oberschule. Zur Jahreswende 1944/45 musste er noch Kriegsdienst beim Volkssturm leisten. Die Familie wurde nach Kriegsende aus Ostpreußen vertrieben und zog nach Rostock, wo Flach seine Schulbildung 1947 an einer Oberschule abschloss.

Ab April 1946 war er Mitglied der LPD – später LDPD Liberal-Demokratische Partei Deutschlands – die 1945 ursprünglich als liberale Partei in der Sowjetischen Besatzungszone gegründet worden war. Dort wurde er Jugendreferent und war für die Pressearbeit des Kreisverbands Rostock verantwortlich. 1948 begann er ein Volontariat bei der Norddeutschen Zeitung in Schwerin, einem Parteiorgan der LDP, und war dort anschließend noch für kurze Zeit politischer Redakteur.

 

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Der damalige FDP-Generalsekretär Karl-Hermann Flach (r.) mit Hans-Dietrich Genscher, langjähriger Bundesvorsitzender der FDP,  Bundesminister des Innern und Bundesminister des Auswärtigen

Copyright: ullstein bild - Köhler-Kaeß

Denn im Oktober 1949 flüchtete der Jungredakteur aus der DDR nach West-Berlin, trat dort sofort in die FDP ein und begann ein Studium für politische Wissenschaft und Publizistik an der Deutschen Hochschule für Politik, dem späteren „Otto-Suhr-Institut“ in der Freien Universität Berlin. Dort machte er 1953 seinen Diplom-Abschluss in Politologie. Sein Studium hatte er als freiberuflicher Journalist finanziert, durch Arbeiten speziell für den Norddeutschen Rundfunk. Anschließend arbeitete ein Jahr freiberuflich als wirtschaftspolitischer Redakteur in Frankfurt/Main und Bonn.

Schon 1954 wurde Flach Mitarbeiter in der Presseabteilung der FDP-Bundesgeschäftsstelle in Bonn und war beim Bundestagswahlkampf 1957 enger Mitarbeiter des FDP-Wahlkampfleiters Wolfgang Döring. Von 1959 bis 1961 war er Bundesgeschäftsführer der FDP und organisierte in dieser Funktion den Bundestagswahlkampf 1961, bei dem die FDP 12,8 Prozent der Stimmen erhielt, ihren bis dato größten Wahlerfolg. Als die FDP 1962 entgegen ihrem Wahlversprechen erneut dem Kabinett Adenauer beitrat, zog sich Flach aus der aktiven Parteiarbeit zurück und begann seine knapp zehnjährige journalistische Arbeit für die Frankfurter Rundschau. Zunächst als Ressortleiter Innenpolitik, ab 1964 als stellvertretender Chefredakteur und ab 1970 als geschäftsführender Redaktionsleiter. In diesen Jahren wurde Karl-Hermann Flach mehrfach ausgezeichnet: 1964 mit dem Theodor-Wolff-Preis und 1969 dem Deutschen Journalistenpreis.

Doch auch in dieser Zeit blieb Flach eine Schlüsselfigur für den sozialliberalen Aufbruch der FDP – der dann ab 1969 konkret Gestalt annahm, mit der sozialliberalen Regierung Brandt/Scheel. Als kritischer Denker hatte Flach in den zurückliegenden Jahren immer wieder geholfen, die Idee eines zeitgemäßen Liberalismus weiter zu entwickeln – zusammen mit ähnlich denkenden Parteimitgliedern in gemeinsamer Arbeit an den „Freiburger Thesen“. Die dann 1971 auf dem Bundesparteitag in Freiburg verabschiedet wurden. Darin verlangten die Liberalen nun eine Ausweitung der Mitbestimmung, mehr Beteiligungsrechte an den Konzernen, und sie erklärten schon damals den Umweltschutz zum Bürgerrecht.

Die sozialliberale Koalition hatte nach 1969 zu heftigen Richtungskämpfen in der FDP geführt, denen sich Flach stellte – zunächst mit den Worten hiermit melde ich mich aus der Reserve in den aktiven Dienst der F.D.P zurück“. Auf dem Parteitag in Freiburg ließ er sich zum Generalsekretär wählen, denn er wollte helfen, den seiner Meinung nach im 19. Jahrhundert erstarrten Liberalismus in die Neuzeit transferieren und die liberale Entwicklung der Gesellschaft mit Hilfe des Freiburger Reformprogramms vorantreiben. Energisch vertrat er dabei den Standpunkt, dass Freiheit für die Liberalen nicht Disziplinlosigkeit bedeutet, sondern Pflicht. Liberal sein heißt nicht herrschen, sondern der Freiheit dienen.“ 1972 wurde er als Abgeordneter in den Bundestag gewählt und dort stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

Schon 1947 war Karl-Hermann Flach schwer an Tuberkulose erkrankt, deren Spätfolgen ihm in allen Jahren danach immer wieder zu schaffen machten. Am 25. August 1973 starb er daran in Frankfurt/Main, im Alter von nur 43 Jahren.

(hhb)

 

Quellen:

Karl-Hermann-Flach-Stiftung: Karl-Hermann Flach – Leben und Werk

Reformer mit Augenmaß und Verstand – Zum 90. Geburtstag von Karl-Hermann Flach / Friedrich Naumann Stiftung

Sabine Hock: Karl-Hermann Flach / Frankfurter Personenlexikon

Karl-Hermann Flach – Liberaler Vordenker / Frankfurter Rundschau 17.10.2009

 

Bücher:

Karl-Hermann Flach: Kleiner liberaler Katechismus

Karl-Hermann Flach: Macht und Elend der Presse / Hase & Köhler Verlag, 1967