Bruno Frei

Bruno Frei war das Pseudonym des in Preßburg geborenen Journalisten und Publizisten Benedikt Freistadt. Ein weiteres Pseudonym von ihm lautete Karl Franz. Frei war mit Egon Erwin Kisch und Anton Kuh befreundet und in den 20er Jahren ein bekannter Publizist und Widersacher der Nationalsozialisten. Nach deren Machtergreifung musste er Deutschland verlassen, wurde 1934 Mitglied der kommunistischen Partei und in deren Widerstand aktiv. In der Emigration arbeitete er als Chefredakteur oder Mitbegründer von verschiedenen Exilmedien.

Benedikt Freistadt wurde am 11. Juni 1897 im österreich-ungarischen Preßburg geboren. Parallel zu seinem Studium ab 1916 an der Universität Wien sammelte er ab 1917 bereits erste journalistische Erfahrungen bei der linksliberalen Wiener Zeitung Der Abend. 1920 promovierte er in Philosophie und wurde 1924 Berliner Auslandskorrespondent für den Abend.

In Berlin war er auch Mitarbeiter der Weltbühne. Von 1929 bis 1933 arbeitete er als Chefredakteur beim zum Münzenberg-Konzern gehörenden Berlin am Morgen, ein Blatt mit einer breiten Leserschaft. In groß aufgemachten Artikeln machte er sich darin wiederholt über den angeblichen Hellseher Hanussen lustig und über dessen auflagenstarkes astropolitisches Klatschblatt Hanussens bunte Wochenschau. Der Okkultist und mehrfach verurteilte Betrüger gehörte jahrelang zur recht mystischen NS-Statisterie – ihn fragten viele NS-Größen um Rat ... und um Geld. Über sein Wirken und seine Ermordung – wahrscheinlich, weil Hanussen zu viel über die wahren Hintergründe des von ihm vorab „hellseherisch“ angekündigten Reichstagsbrands wusste – verfasste Frei 1934 die Schrift „Hanussen – ein Bericht“, die im Sebastian-Brant-Verlag erschien.

 

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Copyright: Zentralbild/Quasch über das Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek

Bruno Frei bei seiner Ansprache auf der außerdordentlichen Tagung des Weltfriedensrates 1.-5. Juli 1957 im Haus der Versicherungs-Anstalt Berlin

Denn nach der Machtergreifung hatte auch Frei Deutschland schleunigst verlassen müssen und war zunächst nach Prag emigriert. Dort arbeitete er als Chefredakteur der antifaschistischen Wochenzeitschrift Der Gegen-Angriff, die von April 1933 bis März 1936 erschien – als provokative Reaktion auf Goebbels Zeitung Angriff.

Vor der Besetzung der Tschechei floh er 1936 nach Frankreich. Dort wurde er zu Beginn des Zweiten Weltkriegs im berüchtigten Pyrenäen-Lager Le Vernet interniert. 1941 ermöglichte ihm der mexikanische Generalkonsul in Marseille aber seine Ausreise ins mexikanische Exil.

In Mexiko gehörte Frei zu den Mitbegründern des Exilblattes Freies Deutschland. Nachdem er sich dort aber von den deutschen Exil-Kommunisten getrennt hatte gründete er zusammen mit Leo Katz die Zeitschrift Austria Libre und wurde Mitglied der ARAM Acción Republicana Austriaca en México. Diese Vereinigung von im Exil lebenden Österreichern strebte die Wiedererrichtung eines unabhängigen Österreichs an.

Im mexikanischen Exil schrieb er zahlreiche Reportagen: Etwa über die Stierkämpfe von Manolete in Mexiko und wie sich einfache Leute damals für einen Besuch in der Arena verschuldeten. Oder im Herbst 1945 über den Freiheitskrieg der Mexikaner im Jahr 1813 unter der Führung von José Maria Morelos y Pavón. Und vergaß nicht, mit Blick zurück auf das jetzt am Boden liegende Europa, Morelos Worte aus seiner Unabhängigkeitserklärung zu erwähnen: „Ninguna nación tiene derocho para impedir a otra el uso libre de su soberania – kein Volk hat das Recht, ein anderes im freien Gebrauch seiner Souveränität zu hindern“.

Nach Kriegsende kehrte er 1947 nach Österreich zurück und übernahm ein Jahr später die Chefredaktion einer von der KPÖ neu gegründeten Tageszeitung: Der Abend, der dann bis 1956 erschien. Danach war er bis 1964 noch Chefredakteur der kommunistischen Kultur- und Intellektuellenzeitschrift Österreichisches Tagebuch.

Da hatte der kalte Krieg längst begonnen. So waren auch seine Essays meist aus Sicht eines überzeugten Sozialisten geschrieben, etwa über seine Besuche zu Beginn der 50er Jahre in der Bundesrepublik. Heute nachzulesen in seinem Büchlein „Mit eigenen Augen“.

Die Presse bezeichnete ihn folgerichtig als „den letzten großen Publizisten und Literaten des österreichischen Kommunismus“, weil er dennoch stets kritisch blieb. Auch 1956 beim Ungarn-Aufstand oder 1968 beim Prager Frühling. Bruno Frei starb am 21. Mai 1988 im Alter von 91 Jahren in Klosterneuburg.

(hhb)

 

Bücher von Bruno Frei:

Hitler über Deutschland. Und wie es kam… Prag: Haken 1933
Hanussen. Ein Bericht. Strasbourg: Sebastian-Brant-Verlag 1934
Mit eigenen Augen. Reportagen; Aufbau-Verlag Berlin 1955
Der Papiersäbel. Eine Autobiographie. Frankfurt/M.: S. Fischer Verlag 1972