Alfons Goldschmidt war als Journalist ein eifrig Reisender und ein viel beachteter Zeitzeuge. Durch seine akribischen Recherchen und die persönliche Inaugenscheinnahme konnte er das Alltagsleben in den von ihm besuchten Ländern detailliert beschreiben – etwa den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft in der damaligen Sowjetunion. Als Wirtschaftswissenschaftler und Hochschullehrer gab er sein Wissen an den Nachwuchs weiter.
Alfons Goldschmidt wurde am 28. November 1879 als Sohn eines Textilkaufmanns in Gelsenkirchen geboren. Nach Abschluss der Schule studierte er ab 1900 zunächst Rechtswissenschaften in München und Berlin, wechselte zwei Jahre später nach Freiburg im Breisgau, um dort Staatswissenschaften zu studieren. Dort wurde er 1904 zum Dr. rer. pol. promoviert.
Ab 1905 war er Lehrer an einer Arbeiterbildungsstätte in Potsdam, bis er dann ab 1909 als leitender Handelsredakteur beim Ullstein-Verlag arbeitete.
1914 wurde er als Unteroffizier eingezogen, kehrte aber bereits im Jahr darauf nach Berlin zurück und wurde 1917 Dozent und Lehrbeauftragter für Wirtschaftspublizistik am Institut für Zeitungskunde der Universität Leipzig.
Parallel dazu schrieb er unter dem Pseudonym „Loriarius“ für die Schaubühne – später Weltbühne – mehr als hundert Aufsätze, Texte und Rezensionen. Ab 1918 arbeitete er als Wirtschaftsjournalist auch für die Tageszeitung Die Republik. 1919 wurde er Mitherausgeber der Räte-Zeitung, die von April 1919 bis Ende 1920 zweimal pro Woche erschien, um die Aktionen der verschiedenen Arbeiterräte im linken Spektrum der Arbeiterbewegung zu koordinieren und auswanderungswilligen Erwerbslosen bei ihrer Ausreise zu helfen.
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1920 reiste Goldschmidt erstmals in die Sowjetunion nach Petersburg/Petrograd und Moskau und wurde anschließend im Jahr 1921 neben ► Willi Münzenberg und Clara Zetkin Mitgründer der „Künstlerhilfe für die Hungernden in Russland“, die auch von Otto Dix, George Grosz, Käthe Kollwitz oder ► Heinrich Zille solidarisch unterstützt wurde.
1922 reiste Goldschmidt nach Argentinien, berichtete von dort für einige deutsche Blätter und übernahm kurzzeitig einen Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften in Cordoba. Von 1923 bis 1925 lehrte er dann an der Universität in Mexiko-Stadt und erhielt von der Ufa damals das Angebot, einen Film über Mexiko zu drehen. Was geschah – auf der Basis seines Drehbuchs: Die Uraufführung des Dokumentarfilms „Auf den Spuren der Azteken“ erfolgte 1927. Danach unternahm er im Jahr 1928 noch eine große Panamerika-Reise.
Zwischendurch war Goldschmidt immer wieder in die Sowjetunion gereist – insgesamt fünfmal – um sich dort persönlich vor Ort ein Bild vom weiteren Aufbau einer sozialistischen Republik zu machen. So wurde er zum Chronisten der ersten Jahre der Sowjetunion. Zu Beginn in 1920 waren seine Bewertungen meist positiv, später erkannte und benannte er aber auch die negativen Entwicklungen dort. Seine Erlebnisse und Bewertungen veröffentlichte er in der Weltbühne, in Das Tage-Buch oder in Die Welt am Abend sowie in seinen Büchern „Moskau 1920“ und „Wie ich Moskau wiederfand“. Besonders „Moskau 1920“ wurde ein Bestseller, weil viele Menschen wissen wollten, was damals wirklich in der Sowjetunion vor sich ging. Goldschmidt tendierte allerdings als Freund Russlands oft zu eher freundlichen Bewertungen der dortigen Entwicklungen.
1933 emigrierte Goldschmidt zunächst in die Tschechoslowakei, ging dann nach Moskau und anschließend in die USA. 1936 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft von den Nazis aberkannt. 1938 bot ihm Mexiko eine Professur an, worauf er von New York nach Mexiko-Stadt umzog. Er wurde Berater der Regierung und war Gründungsmitglied der „Liga pro Cultura Alemana“.
Alfons Goldschmidt starb am 20. oder 21. Januar 1940 in Cuernavaca und erhielt ein Staatsbegräbnis auf dem Friedhof Pantéon Civil de Dolores, dem Zentralfriedhof von Mexiko-Stadt.
(hhb)
Quellen
Alfons Goldschmidt / Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren
Alfons Goldschmidt / Gelsenkirchener Geschichten
Alfons Goldschmidt – Weltbühne-Autor
Kai Schmidt-Soltau: Alfons Goldschmidt in Moskau 1920-1925-1927-1931
Bücher + Schriften
Alfons Goldschmidt: Moskau 1920 / Ernst Rowohlt Verlag
Alfons Goldschmidt: Auf den Spuren der Azteken – ein mexikanisches Reisebuch / Universum Bücherei für Alle 1927 – Neuauflage DOGMA TB 2014
Alfons Goldschmidt: Deutschland heute / Ernst Rowohlt Verlag 1928
Alfons Goldschmidt: Die dritte Eroberung Amerikas - Bericht von einer Panamerikareise / Ernst Rowohlt Verlag 1929
Alfons Goldschmidt: Wie ich Moskau wiederfand
Alfons Goldschmidt: Große Liebe, weite Welt oder zwischen Rio Bravo und Moskwa / Berlin Buchverlag Der Morgen 1974
Alfons Goldschmidt: Mexiko / Salzwasser Verlag TB 2012