Georg Greflinger war ein deutscher Dichter, Verleger und gilt als erster deutschsprachiger professioneller Zeitungsredakteur. 1663 gründete er die Wochenzeitung Nordischer Mercuricus und entwickelte dafür ein modernes Publikationskonzept mit speziellen Rubriken.
Greflinger wird um 1620 im oberpfälzischen Neunburg vorm Wald nahe Regensburg geboren. In Deutschland tobt der Dreißigjährige Krieg, für Georg Greflinger ein traumatisches Erlebnis: Während er die Schafe seiner Eltern hütet, wird der Hof seiner Familie überfallen. Er kommt bei Verwandten in Regensburg unter. Dort besucht er das evangelische Gymnasium poeticum in Regensburg. 1632 zieht er zu Verwandten nach Nürnberg. In den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs wird er von Ort zu Ort getrieben. An der Universität Wittenberg studiert bei dem einflussreichen Altphilologen Augustus Buchner. Daran schließen sich zehn Wanderjahre an, die ihn nach Dresden, Schlesien, Danzig und Frankfurt am Main führen. Dort verdient er erstes Geld als Korrespondent und Verfasser von „Messrelationen“. Als Dichter macht er sich 1644 mit Liebesliedern einen Namen, die er unter dem Titel „Seladons Beständige Liebe“ veröffentlicht.
Copyright: Nordischer Mercurius, Friedrich Conrad Greflinger, 1664 - 1699; Bibliogr. Nachweis: Bogel/Blühm: Die deutschen Zeitungen des 17. Jahrhunderts; Bremen: Staats- und Universitätsbibliothek, 2014
1646 kommt Greflinger nach Hamburg, damals schon deutsche Pressehauptstadt mit zwei seit 1618 und 1630 erfolgreich erscheinenden Zeitungen, für die auch er nun arbeitet. Er erwirbt das Bürgerrecht und wird Notar. Er macht die Bekanntschaft mit Johann Rist, Pfarrer und berühmter Barockdichter im benachbarten Wedel. Greflinger wird in dessen 1660 gegründete Sprachgesellschaft „Elbschwanenorden“ unter dem Namen „Celadon“ aufgenommen und zum Dichter gekrönt. Er verfasst außerdem eine Geschichte des Dreißigjährigen Krieges in Versform, dazu Reiseberichte, Ratgeber und Gartenbücher.
1664 gründet Georg Greflinger seine eigene Zeitung, den Nordischer Mercurius. Das Konzept der Wochenzeitung ist aufregend neu: Er ordnet die Berichte nach geografischer Herkunft und nach Themen. Die Sprache ist nicht hochgestochen, sondern für jedermann verständlich. Er veröffentlicht Meldungen über Wechselkurse und Preise, Neuigkeiten über Handel und Märkte. Kriegsberichte sind nicht reißerisch, sondern sachlich und mit Mitgefühl für die Opfer verfasst. Im Nordischen Mercuricus erscheinen neben Gedichten auch Leserbriefe. Ein großer Erfolg ist ein erstmals gedruckter Zeitungsroman, der die Leser auf die nächste Ausgabe neugierig macht. Veröffentlicht wird die deutsche Übersetzung des Romans „Die Insel der Fruchtbarkeit“ von Henry Neville. Es geht um einen Engländer, der zusammen mit „vier Frauen/deren eine Mohrin war“ Schiffbruch erleidet und sich mit ihnen auf eine einsame Insel rettet.
Nicht nur als Journalist, sondern auch als Verleger ist er mit seinen Ideen erfolgreich: Er entwickelt Nachrichtenblätter in Englisch, Französisch, Italienisch und Latein zusammen, in den Schulen im Sprachunterricht genutzt werden können. Aus nicht verkauften Exemplaren des Nordischen Mercuricus lässt er Jahrgänge binden und bietet sie den Schulen an.
Georg Greflinger stirbt 1677 als angesehener Unternehmer in Hamburg. Er hat mit seiner Zeitung Maßstäbe gesetzt, an denen sich viele Journalisten und Verleger orientieren. Seine Söhne führen das Blatt bis 1730 weiter.
(ms)
Quellen:
Die von Greflinger herausgegebene Zeitung Der Nordische Mercurius digital in der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen
Ausgabe von 1672 (Nordischer Mercurius. Hamburg: Friedrich Conrad Greflinger, 1664 - 1699; Hamburg: Georg Greflinger, bis 1677. Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Public Domain Mark 1.0 // Teile des ersten Jahrgangs 1664 wurde mit Beständen der Staatsbibliothek zu Berlin - Stiftung preußischer Kulturbesitz ergänzt.)
Georg Greflinger im Literaturportal Bayern