Nina Grunenberg war neben Gräfin Dönhoff die einzige weibliche Führungskraft in der von Männern dominierten ZEIT-Redaktion. Bereits als umtriebige Reporterin wurde sie zu einer wichtigen Stimme der ZEIT. Reinstes Lesevergnügen waren ihre vielen Porträts von führenden Politikern und anderen Köpfen der bundesdeutschen Funktionseliten. Ab 1992 leitete sie das neu geschaffene Ressort Wissen und berichtete von dort über Bildungs- und Hochschulfragen. Sie galt als einfühlsame Stilistin, die nüchtern und analytisch zu schreiben verstand, immer mit dem Ziel von Verständlichkeit.
Nina Grunenberg wurde am 7. Oktober 1936 in Dresden geboren. Nach Abschluss der Mittleren Reife absolvierte sie eine Lehre als Buchhändlerin und wechselte 1958 zum Journalismus.
Zunächst arbeitete sie freiberuflich, ab 1961 auch für die ZEIT. Dort fiel sie bald auf durch ihre sorgfältig recherchierten und verständlich geschriebenen Reportagen, anfangs zumeist über den ganz normalen Alltag in der Republik. 1965 wurde sie als Reporterin festes Mitglied der ZEIT-Redaktion. Nun berichtete sie auch über politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen im Lande, über Unternehmer, Manager und ihre Unternehmen; über Verbände und Lobbyisten; über die Gewerkschaften und natürlich über Politiker.
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Und über Ihresgleichen – über die Presse, die Verleger, Journalisten und Reporter: „Bilder aus der deutschen Presse“ hieß die Serie. Dafür besuchte sie bei ihrer Recherche über den SPIEGEL – wie der 1966 selber notierte – auch das schon damals legendäre Spiegel-Archiv auf und beschrieb die dortige Arbeit der Dokumentations-Journalisten. Ihr Besuch ist noch heute im SPIEGEL 23/1966 nachzulesen.
Dann ihre großen Porträts über Politiker wie Helmut Schmidt, Franz Josef Strauß oder Helmut Kohl. Das waren niemals Lobhudeleien; für diese Beschreibungen stellte sie geschickt ihre Fragen, analysierte ihre Gegenüber sorgfältig und brachte dann die so gewonnenen Erkenntnisse zu Papier. Ohne Häme, klar und deutlich, immer fair und belegbar.
Theodor Sommer machte Nina Grunenberg ab 1987 zu seiner Stellvertreterin und begründete dies mit „ihrer Neugierde, ihrer Urteilskraft und Entscheidungsfreude sowie mit ihrer Fähigkeit des leichten Umgangs mit Kollegen“. Und freute sich, in der journalistischen Führungsspitze der ZEIT wieder eine Frau zu haben. Denn zweifellos war sie eine der prägenden Journalistinnen in Deutschland, weniger interessiert an eigener Macht als an der Nähe zu den Mächtigen. Immer mit „Mut vor solchen Königsthronen“.
Das zeigen ihre grandios geschriebenen Serien wie „Die Journalisten“, „Die Chefs“, „Wo die Macht spielt“ oder „Die Wundertäter – Netzwerke der deutschen Wirtschaft“. Sowie ihre Länderreports über Schweden oder Japan.
Nina Grunenberg stand zu Recht im Ruf, eine Expertin für Bildungs- und Hochschulfragen zu sein. Darum wurde sie am Ende ihrer Karriere von 2000 bis 2009 in den Wissenschaftsrat Deutschland berufen. Ein Rat, der den Bund und die Länder bei der strukturellen Weiterentwicklung des Hochschulsystems und in der staatlichen Förderung von Forschungseinrichtungen berät. Und arbeitete dort engagiert mit.
Der Theodor-Wolff-Preis wurde ihr zweimal verliehen: erstmals 1973 und 2009 erneut für ihr Lebenswerk
Nina Grunenberg starb am 28. Dezember 2017 im Alter von 81 Jahren.
(hhb)
Nachruf Süddeutsche Zeitung: Nina Grunenberg
Nachruf: Der Tagesspiegel: Die Reporterin
Nachruf Zeit online: Unbequem, aber nie ungerecht