Der deutsche Publizist, Journalist und Kritiker Maximilian Harden wurde im wilhelminischen Kaiserreich zu einem wichtigen Meinungsbildner, der mit gut recherchierten Berichten mehrere Skandale aufdeckte. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte er sich zum Pazifisten und entschiedenen Gegner des damals schon wieder aufkommenden Nationalismus.
Maximilian Harden wurde am 20. Oktober 1861 in Berlin als Felix Ernst Witkowski geboren, als Sohn eines jüdischen Seidenhändlers. Nach der Scheidung seiner Eltern wurde er seinem psychisch labilen Vater zugesprochen. Dieser zwang den Dreizehnjährigen, obwohl Klassenbester – seine Gymnasialausbildung abzubrechen, um eine Kaufmannslehre zu beginnen.
Bald darauf floh Witkowski aus dem ungeliebten Zuhause und schloss sich einer Wandertruppe von Schauspielern an. Mit ihnen gastierte er unter dem Künstlernamen Harden an verschiedenen Theatern in ganz Deutschland.
1878 ließ er sich evangelisch taufen und nahm den Vornamen Maximilian an. Und erhielt später die Erlaubnis, nun auch seinen Nachnamen zu ändern, in seinen bisherigen Künstlernamen Harden. Den er möglicherweise aus Bewunderung für den preußischen Reformpolitiker Karl August Fürst von Hardenberg gewählt hatte.
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Ab 1884 begann Maximilian Harden, neben seiner Schauspielerei journalistisch zu arbeiten. Kurz darauf entschloss er sich, ganz zum Journalismus zu wechseln. Unter verschiedenen Pseudonymen schrieb er Theaterkritiken für das Berliner Tageblatt und das Deutsche Morgenblatt und veröffentlichte politische Beiträge unter dem Pseudonym „Apostata“ in Die Nation des liberalen Politikers Theodor Barth und in Die Gegenwart.
1889 gehörte er zu den Mitbegründern der Freien Bühne in Berlin, die sich dem naturalistischen Theater widmete. Außerdem beriet er Max Reinhardt bei der Errichtung des Deutschen Theaters.
1892, im Alter von 31 Jahren, gründete Harden die politische Wochenschrift Die Zukunft – Wochenschrift für Politik, öffentliches Leben, Kunst und Literatur, unabhängige Tribüne für jedermann‘. Daraus machte er als Herausgeber und Chefredakteur ein erfolgreiches Blatt – zu Beginn mit einer Auflage von nur 6.000 Exemplaren, die er aber schnell erhöhen konnte. Denn Harden begann zu recherchieren, deckte dabei Skandale auf und kritisierte dann selbst die Mächtigen im Lande. Das alles veröffentlichte er in anspruchsvollem Stil und auf hohem intellektuellen Niveau. Was die Auflage der Zukunft bis zum zu Beginn des Ersten Weltkriegs auf 23.000 erhöhte.
Harden löste mehrere Presseskandale aus. Etwa als er 1906 behauptete, dass homoerotische Beziehungen im sogenannten „Liebenberger Kreis“ um Fürst Philipp von Eulenburg und General Helmuth von Moltke, einem von ihm als Hofkamarilla verunglimpften Beraterkreis um Wilhelm II., auch zur Verweichlichung des Kaisers geführt und zu einem „süßlichen, unmännlichen, kränklichen Wesen“ bei Hofe beigetragen hätten. Solche Anschuldigungen wurden ihm wahrscheinlich aus Regierungskreisen zugesteckt oder von Bewunderern des entlassenen Reichskanzlers Bismarck, den auch er immer bewundert hatte. Harden wurde durch solche Berichte in zahlreiche Prozesse verwickelt und mehrfach inhaftiert. Im Zuge der Militärzensur wurde das Blatt mehrfach verboten. Die Zukunft verlor an Auflage; im September 1922 erschien die letzte Ausgabe.
Im Kaiserreich hatte sich Harden in dieser Zeitschrift zunächst als kämpferischer Hardliner profiliert und bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs geradezu als Bellizist. Später schalt man ihn als Opportunisten, weil sich seine einst laut vorgetragene Kriegsbegeisterung im Verlauf des Weltkriegs in Pazifismus wandelte. Da er von der deutschen Kriegsschuld überzeugt war, befürwortete er sogar den Versailler Vertrag und vertrat von da an auch sozialistische Positionen. In der Ausgabe vom 16. Oktober 1918 etwa begrüßte er „die Flammenzeichen des Matrosenaufstand“ in Kiel. Was ihm vor allem bei den Konservativen und Monarchisten um die Kreuzzeitung und natürlich bei den Nationalsozialisten die erbitterte Gegnerschaft einbrachte.
Am 3. Juli 1922 verübte eine rechtsradikale Terrorgruppe ein Attentat auf ihn, neun Tage nachdem die „Organisation Consul“ Außenminister Walther Rathenau erschossen hatte. Harden überlebte schwerverletzt und entschloss sich, im Jahr darauf die Schweiz zu übersiedeln.
Am 30. Oktober 1927 starb Maximilian Harden im Alter von 66 Jahren in Montana-Vermala im schweizerischen Wallis an Tuberkulose. Seine Urne wurde auf dem Berliner Friedhof Heerstraße beigesetzt.
Voller Zynismus hatte ihm der Angriff, das Berliner Gau-Blatt der NSDAP, diesen Nachruf gewidmet: „Maximilian Harden ist durch eine Lungenentzündung hingerichtet worden. Wir bedauern am Tod dieses Mannes nur, dass er uns die Möglichkeit genommen hat, auf unsere Weise mit Isidor Witkowski abzurechnen.“
(hhb)
Quellen
Helmuth Rogge: Harden, Maximilian / Deutsche Biographie
Gabriel Eikenberg: Maximilian Harden 1861-1927 / Lemo Lebendiges Museum online
Maximilian Harden / Preussen Chronik
Norman Domeier: Harden, Maximilian / Lexikon der Politischen Strafprozesse
Harden, Maximilian / Österreichisches Musiklexikon online
Sebastian Kretz: Kaiser-Klatsch vor dem Ersten Weltkrieg / Tagesspiegel 3.8.2023
Bücher / Schriften
Maximilian Harden: Von Versailles nach Versailles / 1927
Maximilian Harden: Köpfe Band 1 / 1910
Maximilian Harden: Krieg und Friede / Kindle Ausgabe 2016
Maximilian Harden: Literatur und Theater / Taschenbuch 2018